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Flüchtlingshäuser für den Wohnungsmarkt?

Kremmen Flüchtlingshäuser für den Wohnungsmarkt?

Eckhard Kuhn, der Geschäftsführer der Kremmener Wohnungsbaugenossenschaft, plädiert dafür, mindestens zwei der neun Häuser auf der Wohnanlage für Flüchtlinge an der Berliner Straße für den allgemeinen Wohnungsmarkt freizugeben. Die Kosten wären aus seiner Sicht weiter gedeckt. Doch es gibt Protest.

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Letzte Bauarbeiten in der vergangenen Woche auf dem Gelände an der Berliner Straße.

Quelle: Robert Roeske

Kremmen. Es kommen längst nicht mehr so viele Asylbewerber nach Oberhavel wie noch im vergangenen Jahr. Wenn im Oktober die Wohnanlage für Flüchtlinge an der Berliner Straße in Kremmen in Betrieb geht, kann also davon ausgegangen werden, dass die angestrebte Zahl von 240 Bewohnern nicht erreicht wird.

Deshalb haben Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) und Eckhard Kuhn, der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, die Idee ins Spiel gebracht, zwei der neun Häuser gleich für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Eckhard Kuhn hatte sogar angeregt, vier Häuser dafür zu nutzen. „Die Wohnungen sind da und bezugsfertig“, sagte er am Donnerstag. Für die Vermietung an Interessierte müssten noch Trennwände eingebaut werden, an den sanitären Anlagen müsste noch mal gearbeitet werden, und im Hauswirtschaftsraum zwei weitere Anschlüsse für Waschmaschinen installiert werden. Das sei zum jetzigen Zeitpunkt preiswerter, als wenn die Arbeiten in drei Jahren nach dem Auszug der Flüchtlinge ausgeführt werden müssten.

Momentan gibt es verschiedene Modellrechnungen, wie hoch die Kaltmiete angesetzt werden könne. „Da sind wir bei der Lösungsfindung“, sagte Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse am Donnerstag. Er plädiert dafür, die Miete bei 5,25 Euro anzusiedeln. Eine andere Rechnung sieht eine Miete in Höhe von 6,40 Euro pro Quadratmetern vor. „Das ist realistisch“, sagte Eckhard Kuhn. Bei 61 Quadratmeter großen Wohnungen würde die Warmmiete dann etwa 520 Euro betragen. Das wäre aus Sicht des Woba-Geschäftsführers dann auch weiterhin kostendeckend, wenn es dann auch länger dauern würde, bis die Kosten wieder abgezahlt sind, nämlich etwa 30 Jahre.

Es gebe momentan in Kremmen 30 Wohnungsbewerber bei der Woba, die Wohnungen würden also dringend gebraucht. „Die ersten Interessenten hatte ich schon hier“, sagte Eckhard Kuhn. Er räumte aber auch ein, dass es Bewerber gab, die sagten, sie wollen dort, in den Häusern, nicht wohnen. „Aber die Wohnungen und die Lage sind okay“, so Kuhn. Theoretisch könnten die Wohnungen schon zum 1. November bezogen werden, die Umbauarbeiten dafür würden einen guten Monat dauern, sagte der Woba-Chef.

Schon in der vergangenen Woche hatte Ronny Wappler, der Sprecher der Landkreisverwaltung, mitgeteilt, dass man für diesbezügliche Fragen offen stünde, und tatsächlich hat es bereits Gespräche zu diesem Thema mit Landrat Ludger Weskamp (SPD) gegeben.

„Es gibt Leute, die völlig dagegen sind“, stellte Bürgermeister Sasse am Donnerstag fest. Und in der Tat brodelt es in der Opposition. Mehrere Stadtverordnete haben bereits eine Sondersitzung des Stadtparlamentes beantragt. „Es ist extrem ärgerlich, wenn die Stadtverordneten über die Presse erfahren müssen, woran die Verwaltung mal wieder tüftelt, ohne vorherige Abstimmung der Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema“, schreibt Stefanie Gebauer (UWG/LGU) in einer Stellungnahme. Sie verweist auf den immer noch gültigen Beschluss der Verordneten, die sich auf eine Asylbewerber-Wohnanlage mit 240 Plätzen beziehe.

Sie wirft dem Bürgermeister Wahlkampftaktik vor – die SPD-Abgeordneten immer wieder aber auch in Richtung der anderen Parteien und Bürgermeisterkandidaten. Stefanie Gebauer rechnet vor, dass die Rentabilität der Häuser „komplett hinfällig“ wäre, wenn sie nun nicht vom Landkreis angemietet würden. Das weist Woba-Geschäftsführer Eckhard Kuhn zurück. „Ich habe alles durchgerechnet“, sagte er am Donnerstag.

Von Robert Tiesler

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