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Oberhavel Flüchtlingshelferin in der Türkei
Lokales Oberhavel Flüchtlingshelferin in der Türkei
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00:19 16.10.2017
Erinnerungsfoto mit einem Mädchen aus Syrien. Auch in Birkenwerder engagiert sich Lilli für Flüchtlinge. Quelle: privat
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Birkenwerder

Es war eine intensive Zeit voller Eindrücke von Land, Kultur und Leuten. Lilli Trebs hat die Türkei aber nicht als Touristin kennengelernt, sondern als Betreuerin von Einheimischen und Flüchtlingen in einem Sport- und Jugendzentrum in einer Industriestadt bei Istanbul. Von Februar bis August war die 20-Jährige aus Birkenwerder dort über das EU-Programm „Erasmus+“ im Einsatz. Dabei handelt es sich um einen Freiwilligendienst „für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport“.

Ihre ursprünglich geplante Aufgabe sollte es sein, Deutsch- und Englisch-Kurse zu führen und einen Sprechübungsclub zu betreuen. Doch sehr schnell weitete sich das Aufgabenfeld aus: „In einer Sommerschule haben wir türkische und syrische Kinder bei Koran-, Musik-, und Kunstunterrichten begleitet und betreut.“ Oft suchten sich die Projektteilnehmer ihr Betätigungsfeld auch selbst in der sehr gut ausgestatteten und sehr stark besuchten Einrichtung, erzählt Lilli Trebs. Für die junge Frau aus Birkenwerder keine neue Erfahrung. „Seit meinem Abi arbeite ich ehrenamtlich mit Flüchtlingen, insbesondere Syrern, und bin vor allem in der Willkommensinitiative Birkenwerder aktiv“, sagt sie.

Der Sprachclub von Lilli Trebs (l.) beim gemeinsamen Abschlusspicknick. Quelle: privat

Nachdem sie die Pestalozzi-Grundschule besucht und 2015 am Marie-Curie-Gymnasium ihr Abitur gemacht hatte, studiert Lilli Trebs jetzt in Erfurt. Eine erste Bewerbung vor einem Jahr habe wegen bürokratischer Fehler nicht geklappt. Deshalb ein zweiter Anlauf. Ihr Fach: Internationale Beziehungen. „Beruflich geht das in Richtung UN-Generalsekretärin“, sagt sie scherzhaft zur Erklärung. Immerhin verstehen dann die meisten, was gemeint ist. Inhaltlich geht es unter anderem um internationale Politik, Kommunikationswissenschaften und politische Bildung. Auch deshalb fand sie den Auslandsaufenthalt, noch dazu in einer Hochburg von Erdogans AKP, besonders spannend: Sie konnte die Sache mal aus anderen Perspektiven betrachten. In den Medien hierzulande sei ja sehr viel Negatives über den Präsidenten verbreitet worden. In Bezug auf die Menschenrechte zum Beispiel treffe das auch zu. Ihr Fazit fällt trotzdem differenzierter aus: „Das Problem ist die türkische Gesellschaft. Das Land ist gespalten.“ Und der Präsident sei nicht die Ursache, sondern nur ein Ausdruck dessen.

Bastelstunde mit Kindern aus Syrien. Die Freizeiteinrichtung besuchten Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 30 Jahren. Quelle: privat

Als besonders schön hat Lilli Trebs „die Menschen, die Kultur, das Essen“ in Erinnerung. Ihr „persönliches Highlight“sei es gewesen, mit ihrer Mitstreiterin Gazang gut ausgekommen zu sein – eine 28-jährige Kurdin aus dem Irak, die selbst als Flüchtling nach Deutschland kam und seit 18 Jahren in Mannheim lebt. Die Summe der Erfahrungen habe ihr geholfen, sich kulturell selbst zu definieren. „Ich bin dankbar geworden, in Deutschland leben zu dürfen“, sagt sie.

Für den Türkeiaufenthalt hätten die Teilnehmer ein Taschen- und Verpflegungsgeld von 80 Euro pro Monat erhalten. Das klinge nach wenig, aber unter türkischen Verhältnisse habe man damit gut haushalten können, speziell da sie den traditionellen Markt dem Supermarkt vorzogen.

Lebensmittel sind auf dem traditionellen Markt deutlich günstiger zu bekommen als im Supermarkt. Quelle: privat

Zum Programm gehörten drei mehrtägige Seminare mit allen anderen Erasmus-Teilnehmern. Die kamen aus Spanien, Frankreich, Osteuropa. Auch diese Kontakte seien sehr bereichernd gewesen. „Sehr schöne Veranstaltungen“ seien das gewesen. Zum Beispiel habe man eine gemeinsame Fahrradtour gemacht. Aber ihr Fazit des Einsatzes fällt dennoch unerwartet aus: „Wenn ihr euch sozial engagieren möchtet, dann bleibt in Deutschland!“, sagt Lilli Trebs. „Hier gibt es ganz viele Möglichkeiten, Flüchtlingen zu helfen.“ Man beherrsche die Sprache und könne sich in den Ämtern orientieren – ohne selbst erst einmal viel Hilfe zu brauchen. Sie selbst hat die sprachlichen Hürden überwunden und Türkisch gelernt. Es sei naiv zu glauben, man könne in ein Land kommen und etwas leisten, ohne die Sprache zu verstehen. Und so hat Lilli Trebs, „ganz solide Kenntnisse“ erworben, wie sie selber sagt. Auch wenn das nicht maßgeblich ist: „Ich kann meinen Döner jetzt auf türkisch bestellen.“

Finanziert wurde der Aufenthalt aus dem EU-Bildungsprogramm „Erasmus+“. Quelle: privat

Von Helge Treichel

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