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Fotoausstellung über das Stahlwerk

Hennigsdorf Fotoausstellung über das Stahlwerk

Eine Fotoausstellung über die Arbeit im Hennigsdorfer Stahlwerk wurde am Freitag im Bürgerhaus „Alte Feuerwache“ feierlich eröffnet. 27 Fotos erzählen von den Menschen und ihrer Arbeitswelt in dem Werk. Die Ausstellung kann noch bis Freitag, 21. Oktober, täglich von 10 bis 12 und 16 bis 18 Uhr besucht werden.

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Auf Fotos festgehalten: Stahlwerker bei der Arbeit und Küchenfrau Kerstin Hermann. Auch Burkhard Schirmer hat ein Lieblingsbild .

Quelle: Fotos: . Köser

Hennigsdorf. Es wird geackert, überall. Männer und einige Frauen bedienen Maschinen und Steuerungsanlagen, fast alle tragen Helme und Overalls. Sie schrauben, feilen, fräsen, sie gießen Stahl. Und lächeln, mehr oder weniger. Zufriedene Werktätige, wie es scheint, von Paul Jüttner und Frank Schnelle auf Fotos verewigt. Sie zeigen Menschen und ihre Arbeit im Hennigsdorfer Stahlwerk.

Eines der 27 Bilder fällt etwas heraus. Eine Frau, fröhlich und mit quietschroten Haaren, lehnt über einen Tresen, hinter dem Essen steht. Rote Soße, braune Buletten. Küchen-Mitarbeiterin Kerstin Hermann sorgt für das leibliche Wohl der Stahlwerker, trägt so ebenfalls zu deren Gelingen bei.

Vergangenen Freitag wurde die Ausstellung im Bürgerhaus Hennigsdorf eröffnet, von Lorenzo Riva, dem Geschäftsführer des Gesellschafters der Hennigsdorfer Elek­trostahlwerk (HES) sowie Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Heißes Eisen Schmieden“ so der Titel der Schau. Es geht auffallend festlich zu, sämtliche der zahlreichen Besucher tragen Abendgarderobe. Unter einem weißen Baldachin vor dem Gebäude lauschen sie Musikern, unter anderem, dem Jazzensemble der Musikschule Hennigsdorf sowie diversen Rednern, anschließend warten auf sie Sekt und Kanapees.

Derweil schaut sich Kerstin Hermann schon mal in Ruhe die Bilder an. Seit 1981 arbeitet sie im Stahlwerk, zunächst als Steuermaschinistin. Ab in die Küche hieß es dann nach der Wende. „Die wollten wohl lieber etwas weniger Frauen in der Produktion haben“, mutmaßt die jetzt 56-Jährige. Nun brutzelt sie Fleisch, kocht Kartoffeln, richtet Salat an. Anschließend gibt sie das Essen aus. Eintopf, Grillhaxe und Schnitzel gehen am besten, sagt sie. Längst hat sie den Job lieben gelernt, begegnet sie doch so immer vielen Leuten.

Auch Detlef Krebs, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, zählt zu den Urgesteinen im Stahlwerk. 1977 fing er im Stahlwerk an, absolvierte dort eine Schlosserlehre. Eigentlich liebäugelte er mehr mit Grafik und Design, doch seine politische Einstellung war „nicht so ganz kongruent mit Staat und Gesellschaft“. So reparierte er im Werk defekte Maschinen. Vor der Wende hätten 9000 Beschäftigte im Stahlwerk gearbeitet, bemerkt er, nun sind es gerade mal gut 670. Nur zu gut erinnert er sich an die unsicheren Treuhand-Zeiten. Dass wir heute noch da sind, grenzt an ein kleines Wunder, sagt er. Er blieb dem Werk bis heute treu, und bereut es nicht. Manche seiner Kollegen seien in den Westen gegangen, „um fünf Mark mehr zu verdienen“ – und prompt arbeitslos geworden.

Draußen röhren derweil Rapper ins Mikro. Nicht um Gangster geht es, sondern um Metaller. „Wir brennen, wir kämpfen, wir halten zusammen. Hitze, Feuer, Schlacke und Flammen.“ Das ganze wird auf Film festgehalten. „Wir machen viele Musik-Videos für die IG Metall“ sagt Carlotta Gerlach.

Über den erfrischenden Rap freut sich auch Burkhard Schirmer. Der langjährige Mitarbeiter ist seit 1974 dabei, „Familientradition“, schon sein Vater hat im Betrieb gearbeitet. Nach einem kurzen Rundgang deutet er auf ein großes Bild. Es zeigt ausnahmsweise keinen Menschen, sondern eher eine Art Höllenfeuer. Schrott, der zu flüssigem Stahl recycelt wird. „Mein Lieblingsfoto“, sagt Burkhard Schirmer. „Es wird dem Werk am ehesten gerecht“.

Von Fritz Hermann Köser

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