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Freie Früchtchen für alle

Internetportal zeigt herrenloses Obst im Kreis Oberhavel Freie Früchtchen für alle

Obst, das auf öffentlichem Grund wächst, darf jedermann naschen. Seit 2009 kartiert das Internetportal "Mundraub" bundesweit, wo herrenlose Obstbäume und -sträucher wachsen. Auch im Kreis Oberhavel wurden bereits Standorte markiert.

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Kirschen haben gerade Saison. Wo herrenlose Kirschbäume wachsen, ist im Internetportal "Mundraub" verzeichnet.

Quelle: MAZ

Oberhavel. Äpfel und Birnen in Vehlefanz, Kirschen in Kremmen, Mirabellen in Meseberg – Obst, das auf öffentlichem Grund wächst, darf jedermann naschen. Seit 2009 kartiert das Internetportal "Mundraub" bundesweit, wo herrenlose Obstbäume und -sträucher wachsen. Auch im Kreis Oberhavel haben findige Pflücker bereits einige Standorte in der interaktiven Landkarte markiert.

"Wir wollen die Leute anregen, sich wieder stärker mit ihrer Kulturlandschaft zu beschäftigen", sagt Projektleiterin Madeleine Zahn. Das Angebot richte sich dabei vor allem an Städter, die am Wochenende ins Grüne wollen. "Die Leute auf dem Land kennen ja meist ihre Kirschbaumallee um die Ecke", sagt Zahn.

Entstanden ist die Idee zu dem Internetportal 2009. Auf einer Paddeltour stellte Mundraub-Gründer Kai Gildhorn fest, dass sein gesamter Reiseproviant aus exotischen Ländern stammte, während am Flussufer zahllose Apfelbäume standen. Der Berliner tat sich mit Freunden zusammen, holte Programmierer mit ins Boot und baute die Internetseite auf.

Bis heute haben Obsthungrige auf der Mitmach-Karte bundesweit etwa 6000 Standorte eingetragen, an denen Obst, Nüsse, Beeren und andere essbare Pflanzen im öffentlichen Raum wachsen. Allein in Brandenburg sind knapp 390 Stellen markiert. Wo und wann die Früchte zu finden sind und ob man Hilfsmittel wie eine Leiter mitbringen sollte, tragen viele Nutzer gleich mit ein.

Wozu die ständig wachsende Mundraub-Gemeinde aufruft, war einst ein Straftatbestand. Wer Nahrungs- und Genussmittel zum alsbaldigen Verzehr entwendete oder unterschlug, musste laut Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe von 500 D-Mark oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Wochen rechnen. Erst 1975 wurde Mundraub als eigenständiges Delikt abgeschafft.

Auch heute bewegen sich Mundräuber oft in einer Grauzone, räumt Madeleine Zahn ein. "Wir appellieren deshalb immer an die Leute, vor dem Pflücken zu klären, ob der Baum oder Strauch nicht doch jemandem gehört", sagt sie. In der Regel bringe eine Nachfrage beim Nachbarn oder in der Kommune schnell Gewissheit.

Die moralische Messlatte hängt für die Mundraub-Anhänger ohnehin recht hoch. Vor der Ernte, so steht es auf der Internetseite, solle jeder Mundräuber geloben, mit den Bäumen behutsam umzugehen und anderen etwas übrig zu lassen. Die Botschaft ist klar: Obst ist für alle da.

Von Viktoria Bittmann

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