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Oberhavel Für höhere Löhne auf der Straße
Lokales Oberhavel Für höhere Löhne auf der Straße
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08:50 18.07.2017
Der Protestzug bog vom Bahnhof Oranienburg kommend in die Bernauer Straße ein. Quelle: Hohenhaus
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Oranienburg

Mit Transparenten, Fahnen und Trillerpfeifen zogen Mitarbeiter des Einzelhandels aus vielen Orten Brandenburgs und aus Berlin am Montag durch die Oranienburger Innenstadt. „Wir verdienen mehr!“, „Einheit von Ost und West? Leider nicht im Einzelhandel!“ war auf den Transparenten zu lesen. Rund 250 Beschäftigte waren in Oranienburg schließlich auf der Straße. Sie zogen lautstark vom Bahnhof zum Schloss und schließlich zum Kaufland. Stralsunder Straße und Bernauer Straße wurden dafür von der Polizei kurzfristig gesperrt.

„Die Ost-West-Angleichung ist doch lange überfällig“, sagte Ramona Birkner vom Kaufland Oranienburg. Durch geringere Bezüge beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld verdiene ein Verkäufer in Brandenburg jährlich 420 Euro weniger als in Berlin. „Wir sind heute auch für die Forderung von einen Euro mehr pro Arbeitsstunde im Warnstreik“, so Ramona Birkner. Das würde einer Erhöhung von etwa 6,6 Prozent entsprechen. Die Arbeitgeber haben eine Erhöhung von 1,5 Prozent nach drei Monaten angeboten. Leider gebe es immer mehr Teilzeitbeschäftigung mit nur wenigen Stunden im Monat, so die Frau vom Kaufland-Betriebsrat. So bestünden beispielsweise Jobs mit elf Stunden im Monat. Die Arbeitgeber begründeten die Teilzeit mit dem flexibleren Personaleinsatz, aber auch Voll­zeitkräfte könnten flexibel eingesetzt werden, erklärte Ramona Birkner.

Von seiner Arbeit müsse man leben können, sagte bei der Protestaktion vor dem Schloss Oranienburg eine Verkäuferin von H&M aus Berlin. Angesichts der steigenden Mieten werde das immer schwieriger.

Die Gewerkschaft Verdi hatte kurzfristig in mehreren Unternehmen erneut zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren Betriebe wie Kaufland, H&M, Rewe, Penny, Ikea und Zara. Viele der Streikenden auch aus Berlin waren nach Oranienburg zu der Demonstration gekommen. Es werde zwar getrennt für Brandenburg und Berlin verhandelt, die Solidarisierung zwischen den Arbeitnehmern sei aber da, sagte Erika Ritter, Fachbereichsleiterin Handel bei der Gewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaft setze die Warnstreiks kurzfristig an, damit sich die Arbeitgeber nicht zu lange darauf einstellen könnten. Derzeit liegen die Verhandlungspositionen von Verdi und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) noch weit auseinander. Die Arbeitgeber argu­mentieren, dass der Einzelhandel durch den Internethandel stark unter Druck stehe und es in ländlichen Gebieten Brandenburgs andere Voraussetzungen als in Berlin gebe.

Am kommenden Donnerstag werden die Tarifverhandlungen für Brandenburg fortgesetzt. Mit dem bisherigen Angebot der Arbeitgeber könnten die Beschäftigten nicht zufrieden sein, so Verdi-Verhandlungsführerin Ritter. Der Branche gehe es gut, der Handel profitiere von der Kaufkraft der Verbraucher. Da die Positionen noch sehr unterschiedlich sind, rechnen die Beteiligten nicht mit einer schnellen Einigung. Erika Ritter geht gegenwärtig davon aus, dass die aktuelle Tarifrunde nach den Sommerferien noch weiter geht.

Von Heiko Hohenhaus

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