Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Fürstenberg „Wir sind doch keine Schläger“
Lokales Oberhavel Fürstenberg „Wir sind doch keine Schläger“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:34 28.05.2018
Die Heimfahrt von einem Fußballspiel seines Lieblingsvereins Hansa Rostock (Archivbild) verlief für den 33-jährigen Jan Herrmann anders als geplant. Quelle: Joachim Kloock
Fürstenberg/Havel

Jan Herrmann fiel am Dienstagabend aus allen Wolken, als er von Freunden und Bekannten auf die Meldung der PolizeiBundespolizist in Zug dienstunfähig geprügelt“ hingewiesen wurde. „Mein Handy explodierte regelrecht, so viele Nachrichten habe ich erhalten“, berichtet der 33-Jährige. Als er sich den Text dann durchließ, wurde er sauer: „Das, was dort beschrieben wird, stimmt so nicht“, erklärt er im Gespräch mit der MAZ.

„Wir sind keine Schläger“

Der gebürtige Mecklenburger gehört zu der dreiköpfigen Gruppe jungen Männer, die in der Pressemitteilung der Bundespolizei benannt werden, in einem Regionalexpress 5 bei Fürstenberg/Havel am Pfingstmontag einen Bundespolizisten dienstunfähig geschlagen zu haben. „…einer der Männer, ein 33-jährige Berliner, [schlug] mit beiden Fäusten auf den Brustkorb des Polizisten ein“, heißt es unter anderem im Pressebericht der Polizei. „Niemals haben wir das getan“, erklärt hingegen Jan Herrmann. Ihm sei es wichtig, dass auch klar zu stellen. „Wir sind keine Schläger“, sagt der 33-Jährige und berichtet seine Version des Vorfalls. Nach einem Fußballspiel sei er mit zwei Freunden in Neustrelitz in den aufgrund des Pfingstmontags sehr vollen Zug eingestiegen. Die drei jungen Männer (zwischen 30 und 33 Jahren) setzten sich in ein Großraumabteil, welches auch für den Transport von Fahrrädern genutzt wird. „Zunächst stieg eine Frau mit Fahrrad zu, die uns fragte, ob wir uns nicht woanders hin setzen könnten. Das haben wir verneint, da wir schon eine Weile dort saßen und der Zug auch sehr voll war. Wir haben diese Frau weder angegriffen, noch sind wir sonst irgendwie handgreiflich geworden. In Fürstenberg stieg dann ein etwa 35 bis 40 Jahre alter Mann dazu, der direkt lautstark anfing, uns zu bepöbeln und zu beleidigen. Es fielen Worte wie „Hau ab du Arschloch“ und noch schlimmere Beleidigungen unter der Gürtelllinie.“ Ja, räumt der 33-Jährige ein, sie hätten darauf geantwortet und seien auch beleidigend geworden, „in der Situation hat sich das dann eben hochgeschaukelt, wir haben uns provozieren lassen“.

Erst Pöbelei, dann Rangelei

Ein Bundespolizist sei in der Situation dann eingeschritten. „Er hat sich uns nicht vorgestellt, wollte aber unsere Personalien haben. Das haben wir abgelehnt. Darauf sind wir mit ihm aus dem Zug ausgestiegen.“ Der andere Fahrgast habe die drei Männer unterdessen weiter bepöbelt. „Daher wollte ich zurück in den Zug steigen und ihn zur Rede stellen.“ Der Bundespolizist habe sich dazwischen gestellt. Als er sich an ihm vorbei drängeln wollte, sei es zu einer Rangelei gekommen, bei der auch die Bierflasche, die er in der Hand gehalten habe, runtergefallen sei. „Ich habe keine Bierflasche auf eine Frau oder nach ihrem Kopf geworfen“, so Herrmann. Auch habe er nicht mit beiden Fäusten auf den Brustkorb des Polizisten eingeschlagen.

Langer Abend in der Polizeiinspektion

Die drei Männer entschieden sich schließlich, den Bahnhof zu verlassen: „Wir sind weder geflüchtet, noch vor der Polizei weggerannt, sondern ganz normal gelaufen. Dann hat uns ein Streifenwagen angehalten, wollte unsere Personalien haben und hat uns gefragt, ob wir einen freiwilligen Alkoholtest machen.“ Dem habe man zugestimmt, „machen musst du den Test ja so oder so“. Im weiteren Verlauf sei er dann zu einer Blutprobe zur Ermittlung des Alkoholwertes nach Gransee gebracht wurden, dann zur Polizeiinspektion nach Oranienburg, wo er „erkennungsdienstlich behandelt wurde, mit Fotos und allem Drum und Dran“. Nachts um 3 Uhr sei er aus der Polizeiinspektion in Oranienburg entlassen worden, habe dann noch eine Stunde auf die S-Bahn gewartet, „5 Uhr war ich schließlich zu Hause in Berlin“.

Bundespolizei hofft auf Videomaterial aus dem Zug

Bei der Bundespolizei nachgefragt, bestätigt die Pressestelle den ursprünglich veröffentlichten Bericht, insbesondere den Vorfall im Regionalexpress, noch einmal. „Es liegen Aussagen unter anderem von mehreren neutralen Zeugen über den Tathergang vor“, so ein Sprecher der Polizei. Gegenwärtig laufen die Ermittlungen. In deren Zuge werden die Tatverdächtigen die Gelegenheit erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und den Tathergang zu schildern. Aktuell werde zudem intensiv geprüft, ob es aus dem Bereich des Zuges und/oder des Bahnhofes, in dem sich der Vorfall abgespielt hat, Videomaterial gebe, welches analysiert werden könne. „In einigen Zügen sind bereits Videokameras installiert, jedoch nicht in allen. Wir hoffen in diesem Fall, dass uns solches Material zur Verfügung gestellt werden kann“, so der Polizeisprecher. Dies können im Idealfall dabei unterstützen, den Tathergang detailliert aufzuklären.

Zugreisen zukünftig ausgeschlossen

Im Nachhinein ärgert sich der Fußballfan über den misslungenen Ausflug am Pfingstmontag. Jedes zweite Wochenende ist der gebürtige Mecklenburger unterwegs, um sein Team - den FC Hansa Rostock - im Stadion zu unterstützen. Bislang sei er stets mit dem Zug gefahren. „Das ist jetzt vorbei. Zukünftig werde ich nur noch mit dem Auto reisen“, so der Berliner. Gleichzeitig meint er auch, „dass die ganze Aktion einfach dumm war. Wir hätten einfach aufstehen und weggehen sollen, uns auf die Diskussion mit dem anderen Fahrgast gar nicht einlassen sollen“, resümiert er. In der Situation habe sich das hochgeschaukelt, „völlig unnötig“. Dass Hansa Rostock am Pfingstmontag im Landespokal-Finale als Sieger vom Platz gegangen war (2:1-Sieg beim FC Mecklenburg Schwerin), mochte den 33-Jährigen im Nachgang auch nicht mehr so richtig trösten.

Von Nadine Bieneck

Einen grausigen Fund machten Zeugen am Freitagvormittag bei Fürstenberg, als sie einen im Wasser treibenden, leblosen Körper bemerkten. Sie bargen die Person, konnten aber nur noch deren Tod feststellen.

25.05.2018

Die Ortsumfahrung von Fürstenberg/Havel ist noch Zukunftsmusik. Dabei steigt die Verkehrsbelastung in der Innenstadt. Anwohner fordern seit langem eine Ausdehnung der Tempo-30-Zone und ein Lkw-Durchfahrtverbot. Nun wurde wieder ein solcher Antrag abgelehnt.

27.05.2018

Ein Streit um einen Sitzplatz in einem Regionalexpress eskalierte am Pfingstmontag dermaßen, dass am Ende ein zufällig anwesender Bundespolizist, der eingeschritten war, dienstunfähig geprügelt wurde.

22.05.2018