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Oberhavel Furcht vor Straßenbau-Kosten
Lokales Oberhavel Furcht vor Straßenbau-Kosten
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02:15 19.06.2015
Gunther Hippel am Dienstag an der Adolf-Hermann-Straße in Stolpe. Quelle: Helge Treichel
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Stolpe

Wann immer ein Auto am Dienstagvormittag auf der Adolf-Hermann-Straße im Hohen Neuendorfer Stadtteil Stolpe vorbei polterte, setzte Gunther Hippel sorgfältig einen Strich in eine Liste. Der 70-Jährige gehört zu einer Bürgerinitiative, die sich vor zwei Wochen spontan gegründet hat. Hintergrund dafür ist der für 2016 geplante Ausbau der desolaten Straße, an der seit Jahren Schilder auf Schäden hinweisen. Eine glattere Fahrbahn begrüßen auch die Anwohner. Es sind die Straßenbaubeiträge, die ihren Widerstand anfachen. Die insgesamt 15 Bewohner der gerade einmal vier angrenzenden Wohnhäuser befürchten, prozentual zu stark zur Kasse gebeten zu werden für eine Straße, die immerhin zur Ortsdurchfahrt gehört und somit das alte Dorf aus Richtung Hohen Neuendorf erschließt, erläutert der Rentner.

Und doch ist diese wichtige Zufahrt lediglich als Anliegerstraße eingestuft. Das wiederum bedeutet laut dem Hohen Neuendorfer Satzungsrecht eine generelle Kostenbeteiligung von 70 Prozent für die Anlieger. Sie also müssen 70 Prozent der Kosten für Fahrbahn, Geh- oder Radwege sowie der Straßenbeleuchtung tragen. Die Stadt übernimmt 30 Prozent. Bei Haupterschließungsstraßen, der nächst höheren Kategorie, würden sich Grundstückseigentümer und Stadt die Kosten je zur Hälfte teilen, jedenfalls für Fahrbahn und Radweg. Lediglich für den Gehweg hätte die Stadt nur 35 Prozent zu zahlen.

Genau aus diesem Grund führen Gunther Hippel und seine Nachbarn eine Strichliste: Sie wollen nachweisen, dass viel zu viel Verkehr auf der Adolf-Hermann-Straße herrscht – jedenfalls für eine Anliegerstraße.

Am vergangenen Sonnabend wurden im Zeitraum zwischen 8 und 18 Uhr 317 Pkw gezählt, davon zwei mit Anhänger. Hinzu kommen vier Lkw und Traktoren, neun Kleintransporter, 102 Radfahrer sowie 21 Fußgänger. Für Dienstag war der zweite Zähltag im selben Zeitraum angesetzt. In der ersten Stunde zählte Hippel 22 Pkw, in der zweiten 24 und in der dritten 24  Pkw und vier Kleintransporter. „Das ist irre. Ich bin selbst von der Anzahl überrascht“, sagt Hippel, der seit 1982 in der Straße wohnt. Den desolaten Zustand der Fahrbahn schreibt er auch der Tatsache zu, dass diese zum Verlegen von Telefon-, Gas- und Stromleitungen jedes Mal geöffnet und im Anschluss nicht wieder ordentlich hergerichtet wurde.

Die Einstufung der Adolf-Hermann-Straße als Wohnstraße (Anliegerstraße) stammt aus dem erst im März beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan, erklärt Tiefbau-Fachdienstleiterin Petra Teigel. Kriterium dafür ist die Anzahl von weniger als 400 Kraftfahrzeugen werktags in der Spitzenstunde. Für eine Haupterschließungsstraße wären 400 bis 600 Kfz in der Stunde mit dem höchsten Verkehrsaufkommen erforderlich. Allerdings wäre die Annahme, dass diese Kategorie für Anlieger finanziell günstiger ist, „trügerisch“. Denn die Ausbauanforderungen seien auch höher, was höhere Gesamtkosten nach sich zöge. Diese Zusammenhänge sollen in einer Anliegerversammlung am 23. Juni dargestellt werden, kündigte Petra Teigel an. Die Verwaltung sei guter Dinge, gute Lösungen vorlegen zu können. Drei verschiedene Varianten gäbe es. Eine sieht beispielsweise eine Einbahnstraßenregelung für die Adolf-Hermann-Straße vor (ortseinwärts).

Verkehrsplan seit Jahren in Diskussion

Der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Hohen Neuendorf wurde am 26. März dieses Jahres bei sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen mehrheitlich beschlossen. 

Die Stadtverordneten hatten im März 2008 beschlossen, die aus dem Jahr 1996 stammende Erstfassung des Verkehrsentwicklungsplans von einem Fachbüro grundlegend überarbeiten zu lassen.

Der Entwurf der überarbeiteten Fassung war vom 15. Juli 2011 bis zum 25. November 2011 öffentlich ausgelegt. Die Unterlagen waren an sechs Standorten einsehbar. Außerdem wurden fünf Veranstaltungen zur Beteiligung angeboten.

 Zusätzlich zu den protokollierten Wortbeiträgen während der Veranstaltungen gingen 119 schriftliche Stellungnahmen zum Verkehrsentwicklungsplan ein.

Von Helge Treichel

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