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Oberhavel Gedenken an Opfer des Luftkrieges
Lokales Oberhavel Gedenken an Opfer des Luftkrieges
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09:15 16.03.2017
Kranzniederlegung auf dem städtischen Friedhof. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Zu mehreren öffentlichen Veranstaltungen kam es Mittwoch in Oranienburg. Anlass war die größte Bombardierung der Stadt am 15. März 1945. Zur Kranzniederlegung und christlichen Andacht luden Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, das Forum gegen rechte Gewalt und Rassismus und die Evangelische Kirchengemeinde auf den städtischen Friedhof.

Mit dabei waren Kommunalpolitiker, darunter die Oranienburger Bürgermeisterkandidaten Jennifer Collin (SPD), Enrico Rossius (Linke) und Kerstin Kausche (CDU). Weite Teile der Innenstadt wurden durch die massiven Angriffe der Alliierten vor genau 72 Jahren zerstört. „Es muss ein ähnlich schöner Tag wie heute gewesen sein“, so Laesicke, der sich auf Zeitzeugenberichte bezog. Blauer Himmel, Sonne, Frühlingsstimmung. „Bis die Bomber den Himmel verdunkelten.“

Pfarrer Friedemann Humburg hielt eine Andacht. Quelle: Enrico Kugler

Etwa 2000 Menschen starben. Die wenigsten Oranienburger hatten einen Bunker, in dem sie während der Luftangriffe Schutz suchen konnten. Auch die Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen sowie die Zwangsarbeiter waren Angriffen schutzlos ausgeliefert. „Der von den Nazis begonnene Krieg, der Tod und Zerstörung brachte, kehrte dahin zurück, wo er seinen Anfang nahm“, so Laesicke.

Die Schatten des Krieges reichen als „gefährliche Erblast“, so Laesicke, bis ins Heute hinein: Blindgänger. Erst gestern wurde wieder eine Anomalie in Germendorf entdeckt. „Die Bomben mit Zeitzünder haben nichts von ihrer Bedrohlichkeit eingebüßt.“ Im Zweiten Weltkrieg wurden über 20 000 Bomben über der Stadt abgeworfen. Noch im Erdreich vermutet werden 300. Direkt am 15. März 1945 fielen 5690 Bomben der US Army Air Forces, sagte die Kreismuseumsleiterin Manuela Vehma einmal in einem Interview.

Viele Politiker kamen zum städtischen Gedenken. Quelle: Enrico Kugler

Deutlich gemacht werden sollte auf der städtischen Gedenkveranstaltung, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit hier keinen Nährboden mehr finden dürfen. Auch sei es notwendig, dass der Staat endlich finanzielle Verantwortung übernimmt, was die Behebung von Kriegsfolgen angeht. Fünf Millionen Euro will der Bund nun bereitstellen – für alle betroffenen Städte in Deutschland.. Wie viel davon Oranienburg bekommt, ist noch unklar. „Es macht mich zornig, trotz bescheidener Geste, dass uns die Bundespolitik hier alleine lässt“, so Laesicke. Die Rechtslage sollte sich ändern. Es erfülle ihn mit Bitterkeit, dass das Führen eines Krieges eine nationale Aufgabe ist, aber das Tragen der Kriegslast in kommunale Hände falle.

Pfarrer Friedemann Humburg hielt vor der Kranzniederlegung eine Andacht und sagte mit Verweis auf aktuelle Kriege und Nöte in der Welt sowie das politische Klima: „Es stimmt mich traurig, dass Menschen scheinbar nicht lernfähig sind.“ Er wünscht sich, dass ein „Nie wieder“, das nach dem Krieg ausgesprochen wurde, wieder an Bedeutung gewinne.

Die AfD-Versammlung vor dem Schlossplatz. Quelle: Marco Winkler

„Nationalismus, Hass und Ignoranz haben schon einmal unvorstellbares Leid über die Welt gebracht“, so Felix Kretzschmar, Forumssprecher, in einer anschließenden Pressemitteilung. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich sowas jemals wiederholt.“ Man solle sich zu einem friedlichen und freiheitlichen Miteinander bekennen, so der 19-Jährige. Dass es jetzt offenbar wieder Bestrebungen gebe, einen „nationalen Opfermythos zu schüren“, sei unverständlich, so Dori Feldmann, ebenfalls Sprecherin. Sie zielt damit auf eine Versammlung der AfD auf dem Schlossplatz ab.

Der brandenburgische Landesverband der AfD, der Kreisverband Oberhavel sowie der Ortsverband Oranienburg nutzten den Tag ebenfalls, um den Opfern des Luftkrieges zu gedenken. Zur Gegendemonstration rief das Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt auf. Die Polizei sicherte beide Veranstaltungen – und auch das städtische Gedenken – ab. Zu Ausschreitungen kam es jedoch nicht.

AfD-Bürgermeisterkandidat Jan Radke hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt. „Wir gedenken der 620 Opfer, des Luftkrieges, die hier begraben liegen“, sagte er. Die Kranzniederlegung hätte ihm Laesicke untersagt. „Er wollte uns auf den abschieben, damit Öffentlichkeit nichts von unserem Ansinnen erfährt.“ Quelle: Marco Winkler

Von Marco Winkler

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