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Gefangene Hühner und Pointillismus

Oranienburg Gefangene Hühner und Pointillismus

Am Sonntag war Kunst-Tour in Oranienburg-Eden. Sechs Künstler präsentierten sich und ihre Arbeiten in vier Gärten, Werkstätten und Ateliers. Zahlreiche Besucher waren aus Oberhavel und aus Berlin in den geschichtsträchtigen Oranienburger Stadtteil gekommen, um Bilder sowie Kunstwerke aus Glas, Metall und Keramik zu bewundern.

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Im Garten von Ella Della Rovere konnten Bilder im Stile des Pointillismus sowie Werke von Roveres Lebensgefährten Walter Messner besichtigt werden.

Oranienburg. Wie in ein Einkaufsnetz verpackt, auf dem Weg in den heimischen Kochtopf, die Füße nach hinten geklappt, fest in Drähte verschnürt, hängt das „Gefangene Huhn“ im Garten von Evelin Pietzsch. Erst am Sonnabend habe sie die Keramik vollendet, verrät die Künstlerin und führt ihre Besucher durch den Garten, in dem viele weitere Kunstwerke aus Keramik und Glas zu entdecken sind. Zweimal konnten außerdem Besucher bei ihr den Vorgang des Raku-Brandes beobachten.

Es ist Kunst-Tour in Eden. Sechs Künstler präsentieren sich und ihre Arbeiten am Sonntag in vier Gärten, Werkstätten und Ateliers. Zahlreiche Besucher sind aus Oberhavel und aus Berlin in den geschichtsträchtigen Oranienburger Stadtteil gekommen.

Das „Gefangene Huhn“

Das „Gefangene Huhn“. Eine Keramik von Evelin Pietzsch

Quelle: Ulrike Gawande

„Wir sind zum ersten Mal hier“, berichtet Lieselotte Schmidt aus Berlin. Gemeinsam mit einer Freundin sei sie auf Spurensuche in der 1893 gegründeten Obstbau-Siedlung. „Wenn wir jung wären, würden wir hier her ziehen“, begeistern sich die Damen. Die Menschen in Eden seien eindeutig entspannter als in Berlin. Schmidt: „Es ist gut, dass die Siedlungsidee noch immer lebt und gelebt wird.“

Auch die Kunst gefällt den Hauptstädterinnen, die oft Ausstellungen besuchen. „Nie gezielt, sondern immer das, was auf dem Weg liegt.“ Fachmännisch begutachten sie die Bilder von Elzbieta Della Rovere, die im Stile des Pointillismus gestaltet sind. Eine Maltechnik, die Ende des 19. Jahrhunderts vom Franzosen Georges Seurat entwickelt wurde und dem Neoimpressionismus zugerechnet wird. Die Maltechnik, bei der kleine Farbtupfer nebeneinander aufgetragen werden, daher auch der Name, Point steht französisch für Punkt, bedient sich der Nah-Fern-Täuschung. Tritt man ein paar Schritte vom Bild zurück und betrachtet es aus der Entfernung, verschmelzen die einzelnen Punkte zu unterschiedlichen Farbtönen.

Karten von Elzbieta Della Ravere

Karten von Elzbieta Della Ravere

Quelle: Ulrike Gawande

Die Berlinerinnen sind beeindruckt. Sieht man diese Kunstform eher selten. Denn sie ist mühsam, Bedarf einer großen Leidenschaft. Umso bedauerlicher ist, dass die Künstlerin nicht selber über ihre Kunst erzählen kann. Doch Elzbieta Della Ravere war mittags gestürzt und ins Krankenhaus gebracht worden. An ihrer Stelle übernahm ihre Schwiegertochter die liebevolle Präsentation der Bilder, die wie bunte Blumen im Garten verteilt waren.

Schmiedekunst von Olaf Hannemann

Schmiedekunst von Olaf Hannemann

Quelle: Ulrike Gawande

Weniger bunt, aber nicht weniger künstlerisch, dafür aber klar strukturiert, sind die Schmiedearbeiten von Olaf Hannemann. Ob Windspiel oder Gartenskulptur, geschmiedete Dekoration oder Gebrauchsgegenstand, alles entsteht in Hannemanns Schmiedefeuer, das täglich brennt, nach eigenen Entwürfen. So auch die Pflanzstele, an der Schüsseln und alte Emailetöpfe zu Blumenschalen werden. „Sonst werden die Schüsseln weggeworfen, ich zerschneide sie und schmiede sie an die Pflanzstele an“, beschreibt der Metallgestalter den Schaffensprozess. „Ich baue selber aus Fundstücken Möbel, und finde es gut, wenn Alltagsgegenstände umfunktioniert werden, und so zu neuem Leben erwachen“, begeistert sich Anna Raschke aus Beetz. Ihr gefalle besonders die archaische Arbeit mit Holz oder Metall, im Gegensatz zur sogenannten „Gefälligkeitskunst.“, so Raschke. „Man muss die Handschrift, die Individualität des Künstlers in den Werken erkennen können.“

Aber ob gefällig oder archaisch, sie sei froh, so die Beetzerin, dass auch in Oberhavel das zarte Pflänzchen Kunst zu gedeihen scheint. „Ich bin glücklich, dass das Kulturinteresse wächst.“

Von Ulrike Gawande

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