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Oberhavel Gegen das Vergessen
Lokales Oberhavel Gegen das Vergessen
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00:18 21.07.2017
Referendar Robert Schatz (l.) hatte den Besuch von Karin Gueffroy und Ronald Musil, Organisator des Mauerlaufs, im Bollhagen-Gymnasium organisiert. Quelle: UG
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Velten

„Ich habe lange überlegt, wie es gewesen wäre, wenn mein Sohn noch gewartet hätte.“ Mit diesen Worten begann Karin Gueffroy das Zeitzeugengespräch mit 10.Klässlern des Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums. Karin Gueffroy ist die Mutter von Chris, der im Februar 1989 als 20-Jähriger bei der Flucht über die Berliner Mauer von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Neun Monate später fiel die Mauer.

Der erste Mauerweglauf 2011 war dem letzten Maueropfer Chris Gueffroy gewidmet. Quelle: Ulrike Gawande

Die Zuhörer im Lichthof, lange nach dem Mauerfall geboren, sind wiederum heute nur unwesentlich jünger als Chris Gueffroy bei seinem tödlichen Fluchtversuch. Karin Gueffroy versucht den Jugendlichen ihren Sohn, der nach dem Besuch einer Sportschule, wo er Leistungsturner war, eine Ausbildung zum Kellner absolvierte, nahe zu bringen. Seine Denkweise nachvollziehbar zu machen. So habe ihr Sohn nicht eingesperrt sein können, sondern habe immer die Welt bereisen wollen, erinnert sich Gueffroy, die nach der Wende beim RBB gearbeitet hat. „Chris sagte, er habe einen Kopf zum Denken. Er wollte nicht, dass der Staat für ihn bestimmt.“ Eigentlich habe Chris Pilot werden wollen, doch man verweigerte ihm in der DDR, das Abitur zu machen. Als Kellner habe er damals am Flughafen Schönefeld „freie Luft geschnuppert“, berichtet Karin Gueffroy, der es wichtig ist, als Zeitzeugin jungen Menschen von den Geschehnissen an der Mauer zu berichten.

Karin Gueffroy engagiert sich als Zeitzeugin. Quelle: Ulrike Gawande

„Man muss es erzählen.“ Davon, dass sie die Schüsse gehört habe, dabei jedoch nicht ahnte, dass mit diesen ihr Sohn als letztes Maueropfer am Britzer Zweigkanal getötet wurde. Sie lebte damals nur wenige Meter entfernt. Doch erst zwei Tage später teilte man ihr beim Stasiverhör mit, dass Chris gestorben sei. Auch nach über 28 Jahren fällt es Gueffroy schwer, die Tränen zurückzuhalten. Sie erzählt den Schülern auch von der Zeit nach der Todesnachricht. Davon, dass sie gekämpft habe, den Namen ihres Sohnes bekannt zu machen, dass sie nach der Wende den ersten Mauerschützenprozess angestrengt habe. Morddrohungen habe sie dafür erhalten. „Ein halbes Jahr stand der Staatsschutz vor meiner Tür. Man war wütend auf mich, weil ich den Staat an den Pranger gestellt habe.“ Doch könne sie die Ostalgie mancher Mitbürger verstehen. „Sonst würde ja deren Lebensbild verloren gehen.“

Doch ihr sei die Demokratie lieber. Den Schülern in Velten, die konzentriert, aber auch entsetzt zugehört und Fragen gestellt haben, gibt sie einen Satz mit auf den Weg: „Junge Leute haben das Recht zu rebellieren.“

Von Ulrike Gawande

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