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Oberhavel Gelbes Trinkwasser ist angeblich unbedenklich
Lokales Oberhavel Gelbes Trinkwasser ist angeblich unbedenklich
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13:53 06.05.2016
Joachim Tetzlaff füllt seine Wanne zum Test. Quelle: Helge Treichel
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Glienicke

Es begann zum Jahreswechsel mit der Reinigung des Wasserboilers, sagt Joachim Tetzlaff. Danach war das Trinkwasser in seinem Wohnhaus am Glienicker Sanddornweg kurzzeitig dunkelbraun. Doch seiner Frau und ihm fiel bei dieser Gelegenheit auf, dass das Wasser in ihrer weißen Badewanne nie wieder richtig farblos wurde. Es blieb ein gut erkennbarer gelblicher Farbton.

Der 73-Jährige, der vor seinem Ruhestand mit der Wasseraufbereitung in Berliner Kraftwerken befasst war, begann nachzuforschen. Schützenhilfe bekam er von seinem Nachbarn Helmut Kimmling, dem das Recherchieren als Diplom-Bibliothekar im Blut liegt. Gemeinsam stießen sie auf eine mögliche Ursache der Färbung: Huminstoffe. Diese Abbauprodukte von vorrangig pflanzlichen Organismen sind lösliche Bestandteile des Humusbodens.

Mit einer professionellen Präsentation wollen Helmut Kimmling (l.) und Joachim Tetzlaff die hiesige Politik auf das Problem aufmerksam machen. Quelle: Helge Treichel

Mit ihren Erkenntnissen wandten sich die beiden Glienicker an den Bürgermeister, das Gesundheitsamt in Oranienburg, die Wasser Nord GmbH als Versorger und ihren Vermieter BEWAG. Die Reaktionen liefen im Wesentlichen auf die Aussage hinaus, dass die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung nicht überschritten werden. Zum Beweis stellte die Wasser Nord eine vollständige Liste der Analyseergebnisse aus den beiden Vorjahren zur Verfügung. Diese bestätigen zwar die Aussage, beunruhigen die beiden Glienicker jedoch trotzdem. Denn aus den 79 Messungen 2014 und 102 Messungen 2015 lässt sich ein Trend herauslesen: Gab es 2014 sieben Messergebnisse, bei denen der zulässige Verfärbungsgrenzwert von 0,5 erreicht wurde, waren es 2015 bereits 42. Wuchs die Zahl der Messungen um den Faktor 1,29, so stieg die Zahl der grenzwertigen Messungen auf das Sechsfache.

Die Wasser Nord GmbH versorgt insgesamt rund 60.000 Menschen aus dem Wasserwerk Stolpe, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Wagner. Hinzu komme die Bevölkerung des Berliner Nordens. Quelle sei das Wasserwerk in Stolpe, das den Berliner Wasserbetrieben gehört. Und dieses Wasser erfülle die strengen Vorschriften der Trinkwasserverordnung – und sei dabei naturbelassen. „Sie können es bedenkenlos genießen. Auch zur Zubereitung von Babynahrung ist es geeignet“, heißt es auf der Internetseite der Wasser Nord.

Kommentar: Alles klar beim Trinkwasser?

Du bist, was du isst, heißt es. Richtiger wäre: Du bist, was du trinkst. Immerhin bestehen wir zu rund 65 Prozent aus Wasser. Und ich trinke in erster Linie frisches, kühles Leitungswasser. Bis jetzt. Meine Überzeugung hat eine Delle bekommen. Ein Glienicker zeigte mir in seiner weißen Wanne die gelbliche Färbung des Wassers. Es handelt sich offenbar um Huminstoffe, also gelöste Überreste von Biomasse. Aus dem Gesundheitsamt wird versichert: „Huminstoffe im Trinkwasser sind aus gesundheitlicher Sicht nicht bedenklich.“ Sie würden aber durch die Färbung vom Verbraucher als unästhetisch empfunden. Na klar. Schließlich weist das, was unseren Körper verlässt, einen ähnlichen Farbton auf. Richtig unangenehm finde ich die gefundenen Spuren von Phenazon, das bei Mensch und Tier als Schmerzmittel eingesetzt wird. Der Wirkstoff wurde laut Landratsamt aber bislang nur im Trinkwasser des Wasserwerkes Stolpe nachgewiesen. Mein Oranienburger Wasser werde ich also weiter gern genießen. Aber hat nicht jeder ein Recht auf unbelastetes Wasser?
von Helge Treichel

„Anstatt sich um eine Lösung des Problems zu bemühen, ziehen sich die Verantwortlichen auf Formalpositionen zurück“, sagt Helmut Kimmling. Es werde nur darauf eingegangen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Laut DIN 2000 soll Trinkwasser aber kühl, geruchlos sowie geschmacklich einwandfrei sein – und farblos, betont der 65-Jährige. Grenzwerte seien das Eine, das Gefühl der Kunden etwas Anderes, sagt Hans-Joachim Wagner und versichert: „Ich nehme das ernst.“ Gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben bemühe er sich um eine Lösung. „Ich will, dass Kunden nicht unzufrieden sind.“

Recherchen offenbarten Arzneimittelrückstände

Im Zuge ihrer Recherchen stießen die Glienicker noch auf eine zweite Besonderheit des Wassers aus Stolpe: Es beinhaltet Spuren des Arzneimittelwirkstoffs Phe­nazon, der bis 1991 in Oranienburg produziert wurde. Auf eine diesbezügliche Anfrage antwortet Constanze Gatzke aus dem Büro des Landrates: „Im Jahr 1996 erfolgte eine Bewertung des Trinkwassers des Wasserwerkes Stolpe aus gesundheitlicher Sicht durch das Umweltbundesamt. Danach sind weniger als 1 µg Phenazon pro Liter Wasser für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich. Die Trinkwasseruntersuchung vom 16. Februar 2016 an der Netzprobenstelle Kita Schildow wies einen Wert von 0,18 µg Phenazon pro Liter nach.“

Betroffene ziehen eigene Konsequenz

Der gemessene Wert ist somit mehr als fünfmal niedriger als der Grenzwert von einem Millionstel Gramm pro Liter. Die Behörden haben die Werte im Blick, unternehmen aber nichts: „Da die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten wurden, besteht derzeit seitens des Gesundheitsamtes kein Handlungsbedarf“, sagt Constanze Gatzke.

Joachim Tetzlaff und Helmut Kimmling haben ihre eigene Konsequenz gezogen. Sie trinken das Wasser aus Stolpe nicht mehr.

Das Wasser im Norden Berlins

Die Wasser Nord GmbH & Co.KG

sichert die Trinkwasserversorgung der Stadt Hohen Neuendorf mit ihren Stadtteilen Bergfelde, Borgsdorf, Hohen Neuendorf und Stolpe, sowie die Versorgung der Gemeinden Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn und Mühlenbecker Land, jedoch lediglich für die Ortsteile Mühlenbeck, Schildow und Schönfließ.

Die Wasser Nord bezieht ihr Trinkwasser vom Wasserwerk Stolpe, einem Werk der Berliner Wasserbetriebe und verteilt jährlich mehr als 2.500.000 m³ Wasser über ein 343 km langes Rohrnetz an etwa 19.000 Haushalte.

Die 30 Mitarbeiter kümmern sich um Kundenservice, Buchhaltung und die Instandhaltung des Rohrnetzes.

Von Helge Treichel

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