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Gelungene Spurensuche

Oranienburg Gelungene Spurensuche

Roland Lampe hat zwei neue Bücher herausgebracht: Begegnungen mit Schriftstellern, die in Oberhavel leben und arbeiten oder zeitweise zu Hause waren. Begegnungen mit Manfred Krug, Volker Braun, Friedrich Dieckmann und Alfred Wellm gehören dazu. Schriftliche oder persönliche.

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Roland Lampe ist oft in Oberhavel unterwegs, führt Gespräche mit Autoren.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Zur 800-Jahrfeier von Oranienburg hatte Roland Lampe ein Sachbuch zur Literaturgeschichte der Stadt veröffentlicht (MAZ berichtete). Und war anschließend weiter auf Spurensuche nach bekannten und weniger bekannten Autoren in Oberhavel – vor allem im S-Bahn-Bereich und im Norden des Landkreises. Nun hat er zwei neue Bücher herausgebracht. Begegnungen unter anderem mit Manfred Krug, Volker Braun, Friedrich Dieckmann und Alfred Wellm.

Wie kommen Sie eigentlich den Schreibern auf die Spur?

Roland Lampe: Das ist so verschieden, wie die Leute selbst. Teilweise habe ich sie persönlich gekannt, wie Wilm Weinstock, mit dem ich als Kind in der Eichenallee in Hohen Neuendorf gelebt habe. Ihm zeigte ich meine ersten Gedichte. Oder Karl-Reinhold Döderlin. Zu ihm hatte ich allerdings mehr Abstand. Norbert Marohn aus Löwenberg und Kurt Drawert waren meine Mitstudenten am Institut für Literatur in Leipzig. Kontakt zu Volker Braun, der in Schildow eine Wohnung hat, bekam ich über meinen ehemaligen Deutschlehrer an der Runge-Schule. Am liebsten besuche ich die Autoren zu Hause, an ihrem Arbeitsplatz, um die Atmosphäre zu schnuppern. Das ist wichtig.

Sie haben früher Romane und Gedichte veröffentlicht. Nun der Wechsel zum Sachbuch. Warum?

Schriftsteller haben mich schon immer interessiert. Genauer, der Schriftstellerberuf, weniger die Interpretation der Texte. Unter welchen Umständen arbeiten sie, schreiben sie. Unter welchen gesellschaftlichen und persönlichen Umständen. Waren sie arm oder reich, gesund oder krank, glücklich oder unglücklich? Wo lebten sie und wie? Haben sie sich angepasst oder widerstanden? Und warum schrieben sie gerade diese Bücher,, welche Verbindung besteht zwischen dem Schreiben und dem Leben?

Und wie ist die Resonanz?

Sehr gut. Ich bekomme viele lobende Worte, vor allem von den Autoren selbst, zum Beispiel von Friedrich Dieckmann, der in den 1950er-Jahren in Birkenwerder aufwuchs und mir nach der Lektüre schrieb: „Es sind außerordentlich interessante Bücher geworden, eine Spurenlese, die über ein ganzes Zeitalter Auskunft gibt.“ Die Bücher verkaufen sich auch gut, besser jedenfalls als meine Gedichte. Es gibt viele Geschichts- und Literaturinteressierte in Oberhavel. Und sie sind natürlich auch für Touristen gedacht und für Nichtbrandenburger.

Wer hat sie besonders beeindruckt von den Autoren?

Wieland Förster, das Gespräch mit dem Bildhauer und Autor. Ein beeindruckender Mensch und Künstler.

Wie viele Autoren haben Sie inzwischen entdeckt?

Fast 100. Davon war ich selbst überrascht. Und ich bin dankbar über Vorschläge, Korrekturen, Hinweise, Diskussionen. Und dass mit den Büchern gearbeitet wird, wie es Katharina Bölke, die Leiterin der Oranienburger Stadtbibliothek, tut. Sie ergänzt danach ihre Bestände.

Gibt es Regeln, nach denen Sie die Autoren bei der Recherche befragen?

Wichtig ist, was mir interessant erscheint, vor allem das Anekdotische. Regeln gibt es nicht, jeder ist mir gleich viel wert, und bei jedem Einzelnen ist die Quellenlage unterschiedlich.

Finanzieren Sie ihre Publikationen selbst?

Ja. Unterstützung hätte ich mir allerdings vom Landkreis erhofft, wenigstens einen kleinen Zuschuss zu den Druckkosten. Angefragt habe ich. Schließlich kann nicht jeder Landkreis von sich behaupten, eine eigene „Literaturgeschichte“ zu haben, meines Erachtens ist das so ziemlich einmalig. Aber vielleicht lag ich da auch mit meinen Erwartungen falsch.

Und Ihr Lieblingsschriftsteller?

Fontane. Mir imponiert sein Fleiß, seine Beharrlichkeit, sein Eigensinn. Und natürlich gefallen mir seine Bücher, die Romane und Novellen vor allem, „Schach von Wuthenow“ und „Der Stechlin“. Fontane ist mein Vorbild.

Er steht auch im Mittelpunkt Ihres neuen Projektes?

Das Projekt „Literarische Spurensuche“ ist ja nicht abgeschlossen, im Gegenteil, ich habe gerade die Hinweise auf drei weitere Autoren bekommen, auf die Literaturwissenschaftlerin Ursula Püschel aus Hohen Neuendorf, den Romanautor Egon Aderhold, der in Birkenwerder lebte, und auf den Berliner Schriftsteller Bernd Wagner, der in den 1970er-Jahren als Lehrer in Schmachtenhagen arbeitete. Für 2019 bereite ich dann eine neue Publikation vor – über Theodor Fontane. Über ihn ist sehr viel geschrieben worden, deshalb will ich mich ihm auf meine Art nähern und trage zusammen, was alles nach ihm benannt ist und wo. Straßen, Schulen, Apotheken, Buchläden, Schiffe und, und, und.

Von Heike Bergt

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