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Oberhavel Georg (9) geht zum Kreuzchor nach Dresden
Lokales Oberhavel Georg (9) geht zum Kreuzchor nach Dresden
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00:18 16.08.2017
Georg Kabitzke (9) aus Marwitz singt gern – bisher im Ökumenischen Chor in Velten. Quelle: Ulrike Gawande
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Marwitz

Der Lieblingsplatz von Georg Kabitzke ist unter dem großen Baum im Marwitzer Pfarrgarten, wo er am liebsten sitzt und Abenteuerbücher liest. Noch. Denn in diesen Tagen zieht der Neunjährige nach Dresden, um einer der Sänger im Dresdner Kreuzchor zu werden. In dem Chor, der 2016 seinen 800. Geburtstag gefeiert hat.

Georg spielt auch gern Klavier. Quelle: Ulrike Gawande

Rund 500 Jungen bewerben sich jährlich, 60 dürfen zum Vorsingen. Aber nur drei Externe wurden in diesem Jahr genommen, berichtet Georgs Mutter. Einer von ihnen ist der Marwitzer, der im Frühjahr die Aufnahmeprüfung für den renommierten Knabenchor bestand, der in einem Alumnat, einem der Kreuzschule angeschlossenem Internat untergebracht ist. Den Grund für seinen Wegzug formuliert der junge Musiker so: „Ich singe gerne, aber hier gibt es keinen richtigen Chor in der Nähe.“

Und so freut sich der lebendige, aber doch schon sehr erwachsen wirkende Blondschopf auf die Ausbildung und das Internatsleben bei den Kruzianern, haben doch auch Georgs Eltern beide ihre Schulzeit im Internat verbracht und davon zahlreiche Geschichten zum Besten gegeben. Der Papa, heute Ingenieur, war in einem Internat in Halle, seine Mutter, die Kantorin Sylvia Ohse, besuchte den Musikzweig der Landesschule Pforta. „Mama hat vor allem von den Streichen erzählt“, erzählt der Lausbub, der beim „Tag der offenen Tür“ in Dresden mit dem Kreuzchor-Virus infiziert wurde. „Ich fand es richtig toll und wollte einfach nur noch dort hin.“ Besonders der Sportplatz und die großzügigen Zimmer gefielen dem Marwitzer.

Konzert mit dem Chor in der Dresdener Kreuzkirche. Quelle: dpa-tmn

Auch bei den Thomanern in Leipzig bewarb sich Georg, doch dort sei alles unübersichtlicher und unpersönlicher, weniger liebevoll gewesen, erinnert sich die Mutter. Trotzdem bestand ihr Sohn bei beiden Chören die Aufnahmeprüfung. „Ich war aufgeregt“, verrät der Grundschüler, der sich das alte Volkslied „Es waren zwei Königskinder“ sowie Stücke von Schütz und Schemelli zum Vorsingen ausgesucht hatte. Außerdem wurde Musiktheorie, Gehörbildung und sein Klavierspiel geprüft. „Ich musste den Quintenzirkel kennen, vom Blatt singen, Intervalle, Tonarten und Akkorde hören“, berichtet der kleine Fan von Fantasyfilmen, der stolz ist, die hohen Anforderungen, die sonst eher Musikstudenten bewältigen müssen, gemeistert zu haben.

Dabei hatte der Neunjährige erst anlässlich der Aufnahmeprüfung mit dem Klavierspiel begonnen. Von null auf hundert sozusagen. Er spielte das C-Dur-Präludium von Bach, das er in den Wochen zuvor intensiv mit seiner Mutter geübt hatte. Drei Stunden täglich. „Keine leichte Zeit“, sind sich Mutter und Sohn einig. Doch trotz der intensiven Probenzeit sind die beiden ein Herz und eine Seele, schließlich sang Georg vorher auch im Chor seiner Mutter und spielte in ihrer Bläsergruppe seit drei Jahren Trompete. „Ich konnte eh nicht schlafen, also hat Mama mich dorthin mitgeschleppt“, verrät Georg schmunzelnd, der bisher mit seinem wohlklingenden, hellen Knabensopran die Damen des Ökumenischen Chores Velten unterstützt hat und von ihnen dafür umsorgt wurde.

Der Kreuzchor 2013 in Grüneberg. Quelle: MAZ-Archiv

Mit dem Sommerfest verabschiedete man ihn mit Wehmut. Doch Georg, der gerne reist, freut sich vor allem auf die Tourneen, die den Kreuzchor in die ganze Welt führen. Nur einmal im Monat jedoch darf ein Kruzianer nach Hause fahren. „Kein Problem“, sagt Georg. Er könne mit sich gut alleine sein, auch wenn er sich immer Geschwister gewünscht habe. Die hat er in seinen Mitsängern zuhauf. Ein Jahr ist in Dresden Bewährungszeit für den kreativen Lego-Fan, der gerne Flugzeuge und Zeitmaschinen baut, auch um zu gucken, wie sich seine Stimme in den Chorklang fügt. Georgs einziger Wermutstropfen ist, dass er die vierte Klasse, in der er an der Grundschule Bötzow fast nur Einsen hatte, in Dresden noch einmal wiederholen muss. Denn dort lernen die Knaben schon seit der ersten Klasse zusammen und haben deutlich mehr Musik auf dem Stundenplan, als die Brandenburger. Doch Georg nimmt`s mit Humor. „Am Anfang fand ich das Mist, doch jetzt super. Schließlich weiß ich nun alles schon vorher.“

Auch die Trompete muss Georg, der in seiner Freizeit lieber Musik macht, als sie zu hören, in die Ecke stellen. Der Druck beim Blasen ist ungesund für die jungen Stimmbänder. Stattdessen wird der Kontrabass sein zweites Instrument. Aber Berufsmusiker will der Marwitzer nicht werden. „Ich will was Ordentliches machen und Autobauer werden.“

Von Ulrike Gawande

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