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Oberhavel Geschichte im Keller
Lokales Oberhavel Geschichte im Keller
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06:50 21.08.2014
Günther Soost mit dem „Schatz“ an der Kellertür. Das Dokument ist jetzt rund 60 Jahre alt. Quelle: Anke Dworek
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Fürstenberg

„Wir wohnen hier in der Gelderner Straße 2 seit 1971, da gab es das Plakat schon. Vermutlich war die Tür mal außen am Haus und ist dann später in den Keller gekommen“, erzählt Günther Soost.

Auf dem Dokument steht, dass die Listen für die Volksbefragung im Fürstenberger Abstimmungsbezirk VI im „Pionierheim“ ausliegen. Dieses Gebäude ist kein anderes als das Haus Gelderner Straße2. Es war zu damaliger Zeit also auch ein Wahllokal. 60 Jahre lang hat keiner der folgenden Bewohner gemeint, dass das Plakat entfernt werden müsse. Heute staunen Fürstenberger, die ab und an mal den Soostschen Keller betreten, über dieses Stück Zeitgeschichte und lesen sich alles ganz genau durch. Da sind zum Beispiel alle Straßenzüge, die zum Abstimmungsbezirk gehören, aufgelistet. Die heutige Gelderner Straße hieß 1954 Weg der Jungen Pioniere und die Straße Unter den Linden Puschkinallee. Aber wo war „Ravensbrück Waldhaus“? Da muss auch Günther Soost passen, was aber verständlich ist, denn er stammt eigentlich aus Wolfsruh.

Eine historische Postkarte zeigt Dorfschule und Kirche. Quelle: Archiv

Als Ravensbrück noch ein preußisches Dorf war, diente das Haus bis 1927 als Volksschule. Danach mussten die Kinder ins benachbarte mecklenburgische Fürstenberg zum Unterricht. Dort war von 1919 bis 1949 Willi Schulz Rektor. Dessen Enkel Helmut Sonnenberg aus Erftstadt verbrachte einen Teil seiner Kinderzeit im ehemaligen Ravensbrücker Schulhaus, denn das bekam der Rektor als Dienstwohnung zugewiesen. Sonnenberg hat Erinnerungen aufgeschrieben, die er der Familie Soost zur Verfügung gestellt hat: „Aber wie lebten denn meine Großeltern? Auch für damalige Begriffe nicht unbedingt komfortabel. So gab es im Haus außer elektrischem Strom keine weitere Versorgung. Das Wasser musste von einer Pumpe im Garten geholt werden, gekocht wurde in der Küche auf einem großen holzbefeuerten Herd mit den typischen Ringeinsätzen für die verschiedenen Topfgrößen. Für die Zimmerheizung gab es in jedem Raum einen deckenhohen Kachelofen. Im Winter heizte mein Großvater mit Kiefernholz, das aus einem Kontingent stammte, was ihm entweder zustand oder das er gegen Bezahlung beim Förster Kulick bezog.“

Heute haben die Bewohner des Hauses Gelderner Straße 2 natürlich moderne Heizung, Wasser- und Abwasserleitungen. Aber eine Pumpe im Garten gibt es immer noch.

Die Volksbefragung

Friedensvertrag und Abzug der Besatzungstruppen oder europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) als Grundlage zur Bildung einer europäischen Armee? Die Bevölkerung der DDR war vom 27. bis 29. Juni 1954 aufgerufen, einer von beiden Fragen zuzustimmen.
Rund 93 Prozent der damals etwa 13 Millionen DDR-Stimmberechtigten entschieden sich gegen die von westeuropäischen Staaten angestrebte EVG. Die scheiterte aber ohnehin, weil sie im französischen Parlament keine Mehrheit fand.

Interessant sind Helmut Sonnenbergs Aufzeichnungen auch bezüglich des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück: „Häufig konnten wir beobachten, wie Frauen in Sträflingskleidung unter Begleitung von weiblicher SS mit Maschinenpistolen am Schulhaus vorbei ins Lager marschierten, wobei sie vermutlich von einem Arbeitseinsatz zurückkehrten oder neu eingeliefert wurden. Dann stand mein Großvater oft hinter der Gardine und sprach von dem verfluchten ,Konzertlager’, wie die KZs im Volksmund, aber auch im deutschen Fernsehen, das ja schon vor dem Krieg seine ersten Sendungen ausstrahlte, genannt wurden. Mein Großvater wusste ziemlich genau, was in dem Lager vorging, denn er hatte in den Anfangsjahren des Lagers vor dem Krieg als Standesbeamter von Ravensbrück alle Todesfälle des Lagers zu beurkunden. Und er wusste auch, dass die Todesursachen nicht denen entsprachen, die ihm vom Lager übermittelt wurden. Später erhielt das Lager ein eigenes Standesamt. Später sickerte durch, dass mit den Frauen schreckliche Versuche unternommen wurden. Ich wusste jedenfalls als Kind in Ravensbrück schon, dass Versuche mit Frauen im Lager angestellt wurden.“

Von Anke Dworek

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