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Geschichten rund ums Schloss

Nieder Neuendorf Geschichten rund ums Schloss

Der Freundeskreis „Schloss Nieder Neuendorf“ will ein neues Buch herausbringen, das Geschichten rund um das Schloss erzählt. Vor fast 50 Jahren wurde es abgerissen, seit 2007 bemüht sich der Freundeskreis nun darum, dass das Schloss nicht völlig vergessen wird. Ein Neubau ist aber vom Tisch.

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Das Schloss hat eine lange Geschichte, die mehr als 500 Jahre zurückreicht.

Quelle: Zeichnung: Archiv/privat

Nieder Neuendorf. Eine akkurat gemähte Wiese, in der Mitte steht eine Informations-Stele. Hier auf der Landzunge stand einst das prunkvolle Schloss Nieder Neuendorf. 1557 von Kaspar von Klitzing am Havelufer gebaut hatte es im Laufe seiner gut 500-jährigen Historie berühmte Bewohner. Die Adelsfamilien von Klitzing und von Ribbeck lebten hier, Friedrich I. stieg in dem Jagdschlösschen ab, später hatte der Zeitungsverleger Emil Cohn dort seinen Sommersitz. 1967 wurde das Anwesen, das eigentlich nur ein Gutshaus war, abgerissen, weil es die Sicht auf die Berliner Mauer verstellte. Der Hennigsdorfer Fotograf Ralf Nikolai und seine Mitstreiter vom „Freundeskreis Schloss Nieder Neuendorf“ kämpfen seit 2007 dafür, die Erinnerung an das Schloss wachzuhalten.

2012 brachten sie das 80 Seiten starke Buch „Das fast vergessene Schloss” heraus, es gab dazu auch eine Ausstellung im Bürgerhaus. Bald soll das nächste Buch erscheinen, die Geschichten sind fertig. „Es sind kaum bekannte Erzählungen, die wir im ersten Buch nicht unterbekommen haben, die aber lesenswert sind“, erklärt Ralf Nikolai. Das Manuskript, wieder etwa 80 Seiten stark, hat bereits Hennigsdorfs Marketingbeauftragter Christoph Schneider auf seinem Schreibtisch. Im nächsten Jahr könnte das Buch auf den Markt kommen.

Etwa zwei Jahre lang haben die fünf Mitglieder des Freundeskreises im Landesarchiv oder dem Geheimen Staatsarchiv recherchiert und mit vielen Menschen gesprochen. Ralf Nikolai interviewte eine Zeitzeugin. Hildegard Fleischer, 96 Jahre alt, erzählte ihm von Zeiten in Nieder Neuendorf, als es noch keinen Strom gab und die Pferdekutsche die Kinder jeden Tag zur Schule nach Hennigsdorf und zurück brachte. Zwischen gesammelten Tassen in der Vitrine ihrer Schwiegermutter entdeckte die Zeitzeugin Jahre später den berühmten Abendmahlskelch, 1585 von Hans von Klitzing, späterer Domherr von Havelberg, gestiftet. „Zwischen den unscheinbaren Tassen sollte er wohl Plünderungen nach dem Krieg überstehen, so hat das über die Jahrhunderte immer funktioniert“, erklärt Nikolai. Andere Geschichten des Buches erzählen vom Einmarsch der russischen Armee oder von einem Zeitzeugen, der als Lehrling einst im Schloss untergebracht war. „Wenn wir diese Geschichten jetzt nicht erzählen, sind sie für immer verloren“, sagt Ralf Nikolai.

Seit Anfang 2008 kämpfte der Freundeskreis auch für den Neubau des Schlosses, sammelte dafür mehr als 1000 Unterschriften. Doch den Traum vom neuen Schloss am alten Platz hat der Freundeskreis so gut wie ad acta gelegt. Zum einen ist der Schlossneubau nicht im Flächennutzungsplan vorgesehen, zweitens verläuft der Uferwanderweg über den einstigen Standort. Und schließlich liegt das Areal in einem Landschaftsschutzgebiet. Außerdem wurden Fundamentreste des Gutshauses in der Erde entdeckt und unter Denkmalschutz gestellt.

Ralf Nikolai und seine Mitstreiter könnten sich aber vorstellen, dass dort ein Hotel entsteht, das die Fassade des Schlosses trägt, wie sie von Eduard Knoblauch gestaltet wurde. Dafür, so Nikolai, müsste sich nur ein mutiger Investor finden. Im Bebauungsplan sei die Stelle für den Bau eines solchen Gewerbes ausgewiesen. „Für den Investor wäre ein Haus mit der historischen Fassade eine Marketingstrategie, und für unser Stadtmarketing wäre es ein Bonbon.“ Dass das Haus dann nicht exakt an der Stelle des Schlosses stehen würde, könne er verkraften. „In 50 Jahren interessiert das keinen mehr. Hauptsache“, , so Nikolai, „es sieht dann nach dem Schloss aus.“

Von Marco Paetzel

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