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Gewalt kommt nicht in die Tüte

Oranienburg Gewalt kommt nicht in die Tüte

Anlässlich des Internationalen Gedenktages „Nein zu Gewalt an Frauen“ fanden in Oranienburg Proteste am Schloss statt und in den Plentz-Filialen gibt es ab heute Backwaren in ungewöhnlicher Verpackung. Darauf der Hinweis, wo man sich bei einer Vergewaltigung hinwenden kann.

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Protestfahne vorm Schloss aufgezogen. Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. „Manchmal weiß man gar nicht, wie nah man an diesem Thema dran ist“, sagt Karl-Dietmar Plentz und sorgt in der Frauenrunde am Mittwoch in seiner Filiale Bernauer Straße für Gänsehautmomente. Eine seiner Mitarbeiterinnen, so erinnert er sich, sei plötzlich völlig verändert gewesen. Er bot als Chef ein Gespräch an und erfuhr dabei, dass es der Kollegin schlecht geht und vermittelte eine Beratung. „Erst viel später sagte sie mir, wie dankbar sie für die Hilfe in diesem Moment gewesen sei. Deshalb ist es mir leichtgefallen, mich heute an der Aktion zu beteiligen“, so der Bäckermeister.

Von heute bis Sonnabend werden Backwaren in all seinen Filialen in ganz besonderen Papierbeuteln den Kunden über die Ladentheke gereicht. Darauf steht: „Gewalt kommt nicht in die Tüte – Vergewaltigung ist ein medizinischer Notfall“. Aufgedruckt sind zudem die Namen der Kliniken Cottbus, Frankfurt/Oder, Neuruppin und Potsdam, die sich seit einigen Jahren auf die Spurensicherung bei einer Vergewaltigung spezialisiert haben. Voraussetzung für eine Anzeige. Per Brötchentüte kommen nun Informationen unter die Leute zu einem Thema, „das noch viel zu oft ein Tabu ist“, so Heidrun Szczepanski. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt hatte anlässlich des Internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ diese Aktion mit initiiert. „Jede siebte Frau in Deutschland hat schon einmal sexualisierte Gewalt erlebt“.

Opfer von Gewalt sind all die Frauen, die im Frauenhaus versorgt werden: „Wir haben in diesem Jahr schon 22 Frauen und 27 Kinder betreut, so viel wie im gesamten Jahr 2016“, so Leiterin Antje Culmsee. Sie hatte nach der Verabschiedung des „Gewaltschutzgesetztes“ erwartet, „dass diese Fluchtstätten überflüssig werden, Frauen besser geschützt sind. Dem ist nicht so.“ Die Frauen bleiben bis zu einem Jahr im Frauenhaus. Ursache vor allem: fehlender Wohnraum.

Von Heike Bergt

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