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Glienicke Wie begeistert man junge Leute für Politik?
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07:06 31.05.2018
Carl Exner (5.v.r.) bei der Podiumsdiskussion mit Bundespolitikern im Neuen Gymnasium Glienicke Quelle: Ulrike Gawande
Glienicke

„Das nehme ich mit nach Berlin.“ So lautet die Lieblingsfloskel von Juso-Chef Kevin Kühnert, wie er am Dienstag bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Unzufriedenes Volk“ im Neuen Gymnasium Glienicke verriet. Großes Gelächter unter den 200 Zuschauern, darunter viele jugendlichen Alters. Hatte doch die hochkarätige Runde der Schulsprecher des Gymnasiums, der erst 16-jährige Carl Exner aus Bergfelde auf die Beine gestellt (MAZ berichtete). Und bei der Zusammenstellung des Podiums, zu dem neben Kühnert auch die Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, die Generalsekretärin der FDP, Nicola Beer sowie Michael Espendiller, Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion gehörten, keine Scheu vor großen Namen gezeigt.

Journalisten runden Talkrunde ab

Abgerundet wurde die Runde durch die Journalisten Robin Alexander (Welt) und Klaus Brinkbäumer (Spiegel Online) sowie Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime und Daniel Botman vom Zentralrat der Juden, der eine eindringliche Eröffnungsrede hielt. Der junge Bergfelder Exner bewies dann im Laufe des Abends, dass er Moderatorqualitäten besitzt, als er auch bei Zwischenrufen von Zuhörern die Ruhe behielt und mit passenden Sprüchen kontern konnte. Geschickt leitete er, der von seinen Mitschülern schon als kommender Bundeskanzler gehandelt wird, von Frage zu Frage, und auch die Zuhörer kamen zu Wort. „Er ist unsere politische Barbara Schöneberger, dich wird man wiedersehen“, lobte ihn sein ehemaliger Politiklehrer Pierre Oliver Kabisch, der sich begeistert über das Engagement des 11.Klässlers äußerte. „Wenn Carl so was macht, dann wird das großes Kino, mit den Besten der Besten.“

Verschiedene Themen wurden diskutiert

Und wirklich wurde zwei Stunden lang über Rechtspopulismus, Flüchtlinge, eine sich spaltende Gesellschaft, Politikverdrossenheit und Europa diskutiert. Ebenso wie über einen zunehmenden Rückzug ins Nationale und der Menschen ins Private, bedingt durch den für viele Menschen zu schnell und zu extrem stattfindenden Wandel der Gesellschaft. Auch wenn in einer spontanen Abstimmung eine deutliche Mehrheit ihre Zufriedenheit mit ihrer jetzigen Lebenssituation erklärte.

Mehr über Zukunftsthemen reden

Daher müsse man auch wieder mehr zu Hoffnungen und Zukunftsthemen reden, nicht nur über Streitpunkte, denn davon profitiere die AfD, mahnte Aiman Mazyek. Man habe bisher versäumt, mit Spitzenpolitik auch in die kleinen Orte zu gehen, gestand die Grünenchefin ein. Und vor Ort nach den konkreten Bedürfnissen der Menschen zu fragen. Es sei eine große Herausforderung – für alle Parteien –, die Leute wieder dazu zu bringen, an Wahlen teilzunehmen, so Baerbock. Umso kleiner und regionaler eine Wahl sei, umso geringer sei laut Wahlbeteiligung auch das Interesse der Bürger, warf Kühnert ein. So würden – auch in Brandenburg – regelmäßig Landratswahlen scheitern, weil die nötigen Quoren nicht erreicht werden.

Weniger als 15 Bundestagsabgeordnete unter 30 Jahren

Außerdem gebe es aktuell auch nur weniger als 15 Bundestagsabgeordnete unter 30 Jahren, verriet Kühnert, der selbst kein Bundestagsmandat besitzt. „Die Lebenswirklichkeit wird dort nicht abgebildet.“ So würden im Bundestag die digital Natives komplett fehlen, gab er zu bedenken. Doch auch er hatte keine Idee, wie man junge Menschen wieder mehr für das Thema Politik begeistern kann, wie es Carl Exners Vater die Runde gefragt hatte. Dabei saßen die, um die es ging, reihenweise vor dem Podium. Eine Steilvorlage also, die Frage einfach an die Jugendlichen zurückzugeben. Sie direkt zu fragen, was sie an Politik begeistern könnte, was ihnen fehlt und welche Themen sie interessieren würden. Doch kein Diskussionsteilnehmer nutzte die Chance, sondern verharrte in dem üblichen Talkshowmodus.

Nach der Podiumsdiskussion nahm sich Juso-Chef Kühnert (l.) Zeit, um mit jungen Zuhörern ins Gespräch zu kommen. Quelle: Ulrike Gawande

Robin Alexander mutmaßte lediglich, dass das Vertrauen fehle und gab Eltern den Tipp ihren Sprösslingen zum Abitur ein Zeitungsabonnement für eine Tageszeitung nach Wahl zu schenken. Quoten für junge Politiker seien hingegen keine Lösung, erklärte der Juso-Chef, der eher für Bündnisse von jung und alt warb. Man müsse Angebote machen und die jungen Leute zum Mitdiskutieren einladen, schlug hingegen Grünenchefin Baerbock vor. Klaus Brinkbäumer hat beobachtet, dass die Lebenswirklichkeit auch in den Medien oft nicht genug breit genug beschrieben werde. Man müsse mehr für junge Leute schreiben, warb er, und auch deren Sprache und Medien nutzen. Nicola Beer sieht aber nicht nur den Staat in der Verantwortung, sondern auch die jungen Menschen stünden selbst in der Pflicht, den „Hintern von der Coach hochzubekommen“. Man habe eine „Anspruchshaltung gezüchtet“, so Beer, dass „alles für einen erledigt werde“. Espendiller warb einerseits für „junge Partizipation“, andererseits handhabe man in seiner Partei der AfD, dass fünf Jahre Berufserfahrung nötig seien, bevor jemand politische Ämter übernehmen dürfe.

Lieblingsfloskeln

Immerhin bediente sich keiner der Lieblingsfloskel von Nicola Beer, das „jemand anders zuständig sei“ oder Annalena Baerbocks „Das muss man differenziert betrachten“. Sie habe das Aufgebot motiviert, verriet Nele aus Schönfließ, warum sie zu der Talkrunde gekommen sei. „Sonst kennt man die alle nur aus dem Fernsehen, aber alle haben sehr echt ihre Meinung präsentiert“, lobte die 16-Jährige die Veranstaltung. „Mich interessiert Politik und ich fand es spannend, was die verschiedenen Politiker zu den Fragen sagen“, erklärte Finn (15) ebenfalls aus Schönfließ seine Teilnahme. „Es war eine Pflichtveranstaltung im Politikunterricht“, gab Lilli zu. Eigentlich beschäftige sie sich nicht mit Politik, aber die Podiumsdiskussion sei doch interessant gewesen. „Es ist beeindruckend, dass Carl das organisiert hat. Er ist super als Schulsprecher“, lobte die 16-Jährige Schönfließerin.

Von Ulrike Gawande

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