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Auf Exkursion mit dem Mäusebussard

Zehdenick Auf Exkursion mit dem Mäusebussard

Während der Stallpflicht im Winter hatte Marko Loerke Sorge um seine Vögel und um seine Existenz. Seine Tiere müssen fliegen. Davon lebt der Falkner aus Zehdenick. Wenn er sich im In- und Ausland nicht um Plantagen und Raffinerien kümmert, wandert er mit Gästen und Mäusebussard durch den Exin.

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Wüstenbussard „Ahab“ hat gerade eine Wanderung mit Gästen von Marko Loerke begleitet. Jetzt möchte der Vogel seine Ruhe.

Quelle: Uwe Halling

Zehdenick. Auf Blaubeerfeldern verjagen seine Greifvögel die Stare, auf Haselnussplantagen die Eichhörnchen. Wenige Wochen ist Falkner Marko Loerke jetzt von seinem letzten Auslandseinsatz zurück. Einmal im Jahr geht es in den Überseehafen nach Rotterdam. Zwischen den Tanks und Ölleitungen der Raffinerien brüten Möwen, die zum Schutz ihrer Jungen auch nicht davor zurückschrecken, die Arbeiter anzugreifen – das kann ins Auge gehen und gefährlich werden. „Das ist dann wie bei Hitchcock im Film ’Die Vögel’. Ich weiß von mindestens einem tödlichen Unfall infolge eines Angriffs“, sagt Loerke. In den Raffinerien darf nicht geschossen werden, also müssen die Vögel vergrämt werden. Das gelingt durch permanente Präsenz“, erklärt Loerke, der dreieinhalb Monate dort verbrachte und an manchen Tagen bis zu 17 Stunden arbeitete. Meistens fuhr er das riesige Gelände mit dem Auto ab – auf dem Beifahrersitz einer der Jäger. Das war anstrengend, aber auch näher an dem, was die Falknerei für ihn ausmacht. Der 52-Jährige hat sich nach vielen Jahren im Show- und Freizeitgeschäft vor tausenden Zuschauern auf ruhigere Geschäftsfelder verlegt. Dazu gehören Sondereinsätze wie der in Rotterdam, ab und an übernimmt er Aufträge für Film und Fernsehen.

Fuß gefasst hat Marko Loerke seit seiner Rückkehr in die Heimat auch mit seinen Wander- und Schnuppertagen im Revier Zehdenick. Viele der Exkursionen sind jetzt ausgebucht. Ganz exklusiv können Interessierte mit ihm und einem seiner Vögel durch den Wald spazieren. „Während wir laufen, fliegt der Vogel von Baum zu Baum. Manchmal lasse ich ihn dicht über die Köpfe der Spaziergänger hinweg tauchen.“ Beim Schnuppertag dürfen die Begleiter selbst einen Vogel vom Handschuh fliegen lassen. „Das mache ich für Menschen, die sich wirklich für die Falknerei interessieren“, sagt der Fachmann. Auch in Kindereinrichtungen geht er nach wie vor gerne – „weil Kinder ein dankbares Publikum sind“.

Mit 16 Jahren hatte Loerke seinen ersten Vogel auf dem Arm – einen Mäusebussard namens Fridolin. Der ist 33 Jahre alt geworden und begleitete den gebürtigen Zehdenicker bis 2013. „So ein Vogel ist wie ein Kind. Der ist unverkäuflich“, betont er. Neun Vögel leben aktuell auf seiner kleinen Ranch: Wüstenbussard, Geierfalke, Habicht, Steinadler und eine Schnee-Eule, wie es sie mit „Hedwig“ bei der Romanverfilmung von Harry Potter zu sehen gab. Marko Loerke konnte sich damals kaum vor Anfragen retten. Die Falknerei beschreibt er als „Kumpanei zwischen Mensch und Tier“, wobei sich Greifvögel nicht unterordnen oder domestizieren lassen. „Sie bestimmen den Rhythmus“, erklärt der passionierte Jäger. Wenn er etwas von ihnen möchte, geht das nur übers Futter und ein bisschen auch über Sympathie. Zu seinen beiden Steinadlern ist die Beziehung enger. Loerke hat sie von Hand aufgezogen und beide sehen ihn als Partner. Sie sind sogar eifersüchtig auf seine Frau. Die Habichte seien dagegen etwas unpersönlich. Fast zärtlich ist das Verhältnis zu Geierfalke Sancho. Einer von Loerkes Wüstenbussarde hat schon in einem Werbespot für eine Automarke mitgespielt. Für die Inszenierung der „Drei Musketiere“ am Theater Schwerin coachte Loerke einen der Hauptdarsteller. Und seine Eule „Schneepi“ war in einem Musikvideo von Jeanette Biedermann zu sehen. Loerke sagt, seine Vögel machen das mit. Aber er würde auch nicht jeden Auftrag annehmen. „Ich gucke mir vorher schon an, ob das alles so geht, was sich die Filmleute da ausdenken.“

Die Falknerei gehört seit kurzem zum Weltkulturerbe, um das Wissen um die mehr als 3500 Jahre alte Kunst zu erhalten und zu fördern. Das ist auch ein Anliegen von Marko Loerke, der Praktika anbietet. Mindestens zwei Wochen lang können Interessierte bei ihm abtauchen. „Eine Aufgabe, die ich Praktikanten gerne gebe, ist die Fütterung.“ Dafür braucht es Gefühl und Mathematik. Greifvögel haben ein ideales Jagdgewicht – das liegt etwa zehn Prozent unter dem Höchstgewicht, welches sie als Jungvögel hatten. Gesteuert wird es über die Futtermenge und die Fleischsorte. „Rindfleisch ist fast nur Eiweiß, Taubenfleisch ist fetter“, so Loerke. Bei minus zehn Grad und Westwind füttert er zehn Küken weniger als bei Ostwind, weil der kälter ist und der Vogel bei der Arbeit in der Luft mehr Energie verbraucht. „Am Anfang habe ich mir das alles akribisch notiert. Inzwischen kann ich das Gewicht der Vögel auf eine Woche voraussagen.“ Greifvögel lernen, dass es einfacher ist, auf das Küken aus der Futtertasche zu warten als einem Hasen hinterherzujagen – so erarbeiten sie sich lieber ihre Ration.

Von Cindy Lüderitz

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