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Ein Dorf ohne Schnickschnack

Gramzow Ein Dorf ohne Schnickschnack

Gramzow ist weit weg von allem, außer von der B 96. Ein Dorf ohne Kirche und Zentrum, aber mit einem Gutshaus und Geschichte. Die kleine Siedlung existiert seit mindestens 590 Jahren. So steht es in den Aufzeichnungen. Am Dienstag wurde das Jubiläum mit einem Hoffest gefeiert.

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Kunsthandwerkerin Brigitte Rau (l.) liebt Gramzow. Auch wenn es nicht viel mehr gibt als Wald, Ruhe, ein altes Gutshaus (oben rechts) und die Nachbarn.

Quelle: Cindy Lüderitz

Gramzow. Eine Straße, eine Buswendeschleife, ein altes Gutshaus, eine hunderte Jahre alte Linde und die Filzwerkstatt von Brigitte Rau – das sind die offensichtlichsten Dinge in Gramzow. Mehr gibt es in der kleinen Siedlung nicht und gab es auch nie – außer der Geschichte. Der Ortsteil von Dannenwalde feierte am Dienstag seine urkundliche Ersterwähnung vor 590 Jahren und seine Eingemeindung ins Nachbardorf vor 80 Jahren.

Rund 45 Menschen leben in dem kleinen Ort, dessen Name den wohl wenigsten Durchreisenden auf der B 96 in Erinnerung bleibt. Eine Kirche gibt es nicht und der Waldfriedhof, auf dem Brigitte Rau einmal begraben werden wollte, ist seit zwei Jahren geschlossen, weil die Bewirtschaftung der wenigen Gräber zu viel kostet. Trotzdem liebt die Kunsthandwerkerin ihr Dorf. „Vor sieben Jahren sind wir hergezogen, es gibt nicht viel, aber es gibt Ruhe und Wald.“ Das animierte auch einen Investor, der nach der Wende das historische Gutshaus erwarb, um daraus ein Ferienquartier mit Bettenhaus zu machen. Die Pläne haben sich zerschlagen, es blieb ruhig in Gramzow. Heute gehört das größte Haus im Ort einem Arzt aus Bayern, der es Stück für Stück zu seinem Altersitz ausbaut.

Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß muss gestehen, dass Gramzow „ganz früher“ etwas stiefmütterlich behandelt worden sei. „Wir haben in Dannenwalde die Straßenbeleuchtung erneuert und die alten Lampen in Gramzow montiert. Aber das ist lange her. Die Wasserleitung hier wurde mit Hilfe der Dannenwalder gebaut“, sagt Ungewiß, der für den gestrigen Jubeltag gemeinsam mit seinen Bürgerbuskollegen extra einen Shuttleservice organisiert hatte, „damit die Dannenwalder auch mal nach Gramzow kommen.“ Die große Resonanz überraschte ihn und die wenigen Ureinwohner, die das Dorf noch hat.

Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß vor dem alten Gutshaus, das derzeit saniert wird

Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß vor dem alten Gutshaus, das derzeit saniert wird.

Quelle: Cindy Lüderitz

Viele der Besucher zählen aber ohnehin zu den Stammgästen des Hoffestes, welches Brigitte Rau einmal im Jahr veranstaltet. Es ist der Höhepunkt im ganzen Jahr. Eine Pilzausstellung, ein kleiner Handwerkermarkt, Kuchen aus dem großen Backofen, Honigverkauf und einiges mehr ließ die Gäste lange verweilen. Mancher machte auch eine kleine Runde entlang der einzigen Straße, vorbei am Gutshaus, das früher das Vorwerk vom Schloss Dannenwalde war. „Von hier aus wurde die Waldbewirtschaftung organisiert“, sagt Ungewiß. Später war der Konsum im großen Saal untergebracht. Der größte Aufreger der vergangenen Jahre war die Debatte um den Busverkehr. Der sollte aus dem Dorf raus, um die kleine Biegung von der B 96 zu sparen. Die Gemeinde tauschte daraufhin Land, baute eine Wendeschleife und ein Stück Weg dazu – so kommt der Bus bis heute in die Mitte.

„Viele gestandene Gramzower gibt es nicht mehr, aber viele Zuzügler“, sagt der Ortschef. Bis auf die einzige Ruine an der Bundesstraße und die Ställe der LPG sei kein Haus leer. „Es gibt hzwar nicht viel, aber das zieht auch Leute an. Um Gramzow muss man sich keine Sorgen machen. Der Ort wird nicht aussterben“, ist sich Ungewiß sicher.

Von Cindy Lüderitz

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