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Ein Schatz im märkischen Wald

Altthymen Ein Schatz im märkischen Wald

Bankiersvilla, Kinderkurheim, Begegnungsstätte – das Haus „Dahmshöhe“ bei Fürstenberg hat eine abwechslungsreiche Geschichte, ebenso die namensgebende Siedlung in waldreicher Umgebung. Am Samstag wurden in den kleinen Ortsteil drei Jubiläen gefeiert: vor 150 Jahren erhielt das sieben Kilometer von Fürstenberg gelegene Gut seinen Namen Dahmshöhe. Vor 70 Jahren wurde das Kinderkurheim eröffnet und vor 25 Jahren zog die Lebenshilfe ein.

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Die Chronik des FDGB-Kurheims erregte das Interesse der Besucher – ebenso wie eine Ausstellung mit alten Fotos.

Quelle: Uwe Halling

Altthymen. Zu den historischen Postkarten, die aus der 150-jährigen Geschichte der verwunschenen Wald-Siedlung Dahmshöhe erzählen, ist bei einer Feierstunde am Sonnabend eine besonders wertvolle hinzugekommen: eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die der Erbauer des Landsitzes Siegfried Bieber von seinem Anwesen anfertigen ließ und 1934 zu seiner Familie nach Bratislava schickte.Von dort kommt dieses Geschenk zum Jubiläum. Die Historikerin und Autorin Erika Schwarz war dort, um für ihr Buch über den jüdischen Bankier zu recherchieren.

Mindesten drei Jubiläen wurden am Sonnabend mit zahlreichen Gästen in dem heutigen Begegnungshaus der Lebenshilfe Brandenburg gefeiert: Vor 150 Jahren erhielt das sieben Kilometer von Fürstenberg gelegene Gut seinen Namen Dahmshöhe. Damals lebten dort sieben Menschen. Vor 70 Jahren wurde das gleichnamige Kinderkurheim eröffnet und vor 25 Jahren zog die Lebenshilfe ein. „Etwas Besseres hätte diesem Ort nicht passieren können“, sagt Altthymens Ortsvorsteher Manfred Saborowski über die Nachwende-Ära. Mit einer Privatisierung wäre dieser besondere Ort für die Allgemeinheit vermutlich verloren. So aber kommen rund 5000 Gäste jedes Jahr zum Ausspannen oder zum Bildungsurlaub in das kleine Schloss, das laut Saborowski nie eines war, aber wegen der Architektur und der Türmchen gerne als solches bezeichnet wird.

Auch Erika Schwarz glaubt, dass die heutige Nutzung im Sinne des Erbauers gewesen wäre. Er selbst hatte nicht viel Zeit, seinen Traum von der Villa Dahmshöhe zu leben.

Buchautorin Erika Schwarz machte dem Haus ein besonderes Geschenk

Buchautorin Erika Schwarz machte dem Haus ein besonderes Geschenk.

Quelle: Uwe Halling

1930 bezog er mit seiner Frau das von dem namhaften Architekten Paul Schultze-Naumburg projektierte Anwesen mit dem botanischen Garten, fünf Jahre später musste die jüdische Familie fliehen. 1939 wurde Bieber gezwungen, seinen Besitz an Nazisympathisanten zu verkaufen. Wenig später errichteten Häftlinge des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück dort ein Barackenlager für Reiter der Waffen-SS. Dieses Kapitel war wiederum Anlass für Erika Schwarz, über Dahmshöhe zu forschen. Sie stieß bei ihren Recherchen über Zwangsarbeit auf den Ort und auf die Initialen „SB“. Da wollte sie wissen, wer sich dahinter verbirgt. 2011 erschien ihr Buch „Zu Lasten meines Contos“ über Siegfried Bieber, seine Liebe zu Dahmshöhe und den Versuch, sich und seine Familie vor den Nazis zu beschützen.

Über Stunden hätten die Besucher auch in der Chronik des FDGB-Kurheimes lesen können. Das große rote Buch, in dem unter anderem Erinnerungen über Badeausflüge und Ferienerlebnisse geschrieben stehen, galt zwischendurch als verschollen. Jeweils für vier Wochen erholten sich in Dahmshöhe Kinder mit chronischen Leiden wie Asthma. Die DDR-Illustrierte „Zeit im Bild“ berichtete in ihrer Septemberausgabe von 1963 über die „Oase im märkischen Kiefernwald als Quelle der Lebensfreunde“. 1946 hatte die Sowjetarmee Dahmshöhe an die Ärztevereinigung „Flammendes Herz“ übergeben und damit den Weg für das Erholungsheim geöffnet. In dieser Tradition steht das Haus bis heute. Seit 25 Jahren gehört die Einrichtung zur Lebenshilfe. Menschen mit und ohne Behinderung können ganzjährig Urlaub machen. Zudem ist der Saal eine Außenstelle des Standesamtes, in dem geheiratet werden kann. Manuela Richter leitet das Haus seit Februar. Zwölf Hausangestellte kümmern sich um die Gäste.

Von Cindy Lüderitz

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