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Familiensache Stasi: Lesung in Fürstenberg

Alltag in der DDR Familiensache Stasi: Lesung in Fürstenberg

Der Autor und Journalist Martin Ahrends stellte am Dienstag in Fürstenberg sein Buch „Verführung, Kontrolle, Verrat – Das MfS und die Familie“ vor. Im Publikum entspann sich anschließend eine Diskussion darüber, wie schwer es ist, zu vergeben.

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Journalist und Autor Martin Ahrends in Fürstenberg.

Quelle: Uwe Halling

Fürstenberg. Schwere Kost zur Passionszeit in Fürstenberg: der Schriftsteller Martin Ahrends stellte am Dienstag bei einem Gesprächsabend in der Stadtkirche sein Buch „Verführung, Kontrolle, Verrat – Das MfS und die Familie“ vor. Darin lässt er Zeitzeugen sprechen, Beobachtete und Beobachter, und dokumentiert gewissermaßen Zersetzungsprozesse innerhalb vieler Familie. Seine jeweiligen Interviewpartner hätten das Maß dessen, was sie preisgeben, selbst bestimmt, betonte Ahrends. Einige, weil sie sich ein gutes Gewissen machen wollten. Andere seien von ihren eigenen Erinnerungen förmlich überrumpelt worden. Bei ihnen hätte das Gespräch zum Dammbruch geführt und dann kam alles raus, was bislang unausgesprochen, manchmal aus Scham und Schuld vergraben worden war.

Auch 26 Jahre nach der Revolution nagt das Thema Stasi an vielen – wie die Reaktionen im Publikum bewiesen. Ein früherer Pfarrer aus Zehdenick wünscht sich eine Methodik, um mit ehemals informellen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. „Wie soll man das anfangen, wenn man als Christ auch vergeben möchte?“, fragte er. Eine frühere Ärztin bedauert, dass sie bei ehemaligen Stasi-Getreuen überhaupt kein Unrechtsbewusstsein verspüre: „Viele sehen keine Veranlassung, sich zu entschuldigen“, erklärte sie. Ein Richter, gebürtig aus Westdeutschland, erzählte von seinen ersten Erfahrungen nach der Wende, als Mitarbeiter-Akten überprüft wurden und von der Frage, ob jemand bei der Stasi war oder nicht, die Karriere abhing. „Die meisten haben gelogen“, sagte er und fragte zugleich: „Warum wird immer noch gehackt? Warum wird die Stasi-Zeit nicht wie anderes auch gestrichen.“ Viele Zuhörer in der Runde kritisierten, dass die Aufarbeitung misslungen ist, genau genommen nie wirklich stattfand. Martin Ahrends wertet nicht. Er lässt die Geschichte(n) sprechen: Markus Meckel berichtet im Buch, wie die Stasi ihn, den Pfarrer, als Ehebrecher zu denunzieren versuchte. In viele Familien wurde die Staatssicherheit wie ein Mitglied hineingeboren. Da ist die Mutter, die ihren Sohn an die Firma „vermittelt“ und da ist der Vater, der die Fluchtpläne seiner Tochter verrät. Ahrends selbst schreibt von einer Frau, die im Auftrag der Stasi seine Partnerin wurde.

Von Cindy Lüderitz

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