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Gransee: Anwohner hoffen auf weniger Fluglärm

Fallschirmsprungplatz „Go Jump“ Gransee: Anwohner hoffen auf weniger Fluglärm

Gransee im Kreis Oberhavel ist bei Fallschirmspringern sehr beliebt. Unter vielen Anwohnern sieht das aber anders aus. Sie sind genervt von den ständig fliegenden Flugzeugen. Nun scheint sich in dem Dauerkonflikt eine Lösung abzuzeichnen. Die Hoffnung liegt auf genau berechneten Flugrouten. Ein Problem gilt es aber noch zu beseitigen.

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Der Fluglärm nervt viele Granseer seit Jahren.

Quelle: FOTO: PRIVAT

Gransee. „Metafly“ – das ist das Zauberwort, in das die Granseer ihre neue Hoffnung setzen, den Fluglärm in der Region bekämpfen zu können. „Metafly“ ist ein von Sebastian Koch und Stefan Sydow entwickeltes System, mit dem die aktuelle Lärmeinwirkung der Flugzeuge am Boden visualisiert werden kann. Der Flugzeuglärm wird errechnet, ist live verfolgbar und auch im Nachhinein noch belegbar.

Ein Gerät kann die exakten Flugdaten berechnen

Am Montagabend stellte Sebastian Koch bei der ersten öffentlichen Sitzung der AG Flugplatz Gransee in diesem Jahr die Entwicklung der Firma Metatool vor. Mit Hilfe sogenannter Telemetriedaten, die von einem großen Teil der Flugzeuge übertragen werden, lassen sich ihre Flugbahnen berechnen. Die Daten werden vom Transponder der Flugzeuge gesendet und mit einem Funkempfänger an ein Computersystem weitergeleitet und dort aufbereitet. Zu den interessanten Daten gehören Flugzeugkennung, Ortsdaten, Flughöhe, Geschwindigkeit sowie Sink- und Steigrate. Der Lärm wird sehr präzise berechnet, weicht maximal bis drei Dezibel nach unten oder sechs Dezibel nach oben ab.

Flugzeug müsste nachgerechnet werden

Sebastian Koch erklärte den AG-Mitgliedern und Gästen: „Wir können Sie nicht vom Fluglärm befreien. Aber wir können die Entwicklungen festhalten.“ Die könnten die Grundlage für Gespräche mit dem Flugplatzbetreiber sein und damit möglicherweise zu einer Lösung des seit mehr als zwei Jahrzehnten schwelenden Konfliktes führen. Es gibt aber einen Haken an der Sache. Das Flugzeug, welches auf dem Flugplatz in Gransee für den Fallschirmsprungsport genutzt wird (Pacific Aerospace P-750 XSTOL), ist technisch nicht so ausgerüstet, dass es die erforderlichen Daten sendet. Folglich müsste das Flugzeug nachgerüstet werden. „Das wäre der Königsweg“, sagt Sebastian Koch. Dazu bedarf es das Einverständnis von Go Jump. Sollte es nicht dazu kommen, gäbe es ein zweites Verfahren, welches aber keine Garantie für die Reichweite gibt.

Anwohner von permanenten Flugschleifen genervt

Manfred Richter, stellvertretender Amtsdirektor und Mitglieder der AG Flugplatz, sieht in „Metafly“ die Möglichkeit, um mit GoJump einen Kompromiss zu finden. Bisher sei es allerdings nicht gelungen, mit dem Flugplatzbetreiber zu reden. „Deshalb können wir um jetzigen Zeitpunkt kein Versprechen geben, dass wir eine Lösung finden.“ Die könnte unter anderem darin bestehen, dass die Flugrouten geändert werden. So wäre es wünschenswert, dass das Flugzeug, das bis zu 17 Fallschirmspringer in die Luft bringt, die dafür etwa 25 benötigten Kilometer nicht in einer Dauerschleife fliegt, bis es die 4000 Meter erreicht hat, sondern in wechselnden Richtungen zwölf Kilometer hin und zwölf Kilometer zurück, damit nicht die selben Leute ständig vom Lärm belästigt werden. „Wir hören die permanente Schleife“, sagt Peter Seel, Mitglied der Arbeitsgruppe und Bürgerinitiative NoJump. „Und die nervt!“ Er ist pessimistisch, was einen eventuellen Kompromiss mit dem Flugplatzbetreiber angeht. Ähnlich sieht es Marc Berger Sprecher von NoJump: „Was soll jetzt herauskommen durch eine Berechnung? Es wird wieder ein Jahr vorbeigehen – und der Lärm ist immer noch da.“ Der Granseer Bürgermeister Mario Gruschinske sagte: „Voraussetzung ist, dass der Betreiber erstmal mit im Bot sein und das Flugzeug technisch aufrüsten muss. Da werden Kosten entstehen. Wer trägt die? Wenn wir die physikalischen Daten haben sollten, muss der Betreiber noch bereit sein, die Flugrouten zu beeinflussen. Wichtig ist, dass wir erst einmal eine valide Grundlage besitzen.“

AG-Mitglied Reinhardt Harndt begrüßt das Tool und fasste zusammen, dass es darum geht, „dass es für uns erträglicher wird“.

Von Stefan Blumberg

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