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„Ich komponiere, was ich sagen will“

Fürstenberg „Ich komponiere, was ich sagen will“

Mit seiner elektronischen Musik wurde er in den 1990er Jahren weltberühmt und füllte unter dem Künstlernamen „Cosmic Baby“ ganze Konzerthallen. Inzwischen ist Harald Blüchel zur klassischen Musik und zu sich selbst zurückgekehrt. Im Fürstenberger Seenland fand der Komponist ein Zuhause und einen Platz zum Glücklichsein.

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Zuhause im Fürstenberger Seenland: Komponist und Produzent Harald Blüchel ganz unbeschwert an der Kirchenmauer.

Quelle: Cindy Lüderitz

Fürstenberg. Bei offenem Fenster genießen Nachbarn gerne sein Klavierspiel und die sanften, fließenden Töne, die durch Garten und Straße schleichen. Die großen Bühnen und die vielen Menschen, die auf der Love-Parade oder bei Konzerten zu seiner elektronischen Musik tanzten, sind dann ganz weit weg – und Harald Blüchel ist ganz er selbst. Zufall und Freunde führten den Komponisten und Produzenten vor einigen Jahren in das Fürstenberger Seeland. Weg von der Lautstärke, den Masken und der Enge in der Großstadt und auch weg von einem Teil Leben, das hinter dem 1963 geborenen Musiker liegt.

Der gebürtige Nürnberger gilt als Wegbereiter und Wunderkind der internationalen Techno-Szene, die in den 1990er Jahren wie aus dem Nichts entstand und zu einer riesigen Bewegung wurde. Harald Blüchel feierte unter dem Künstlernamen „Cosmic Baby“ weltweit Erfolge, füllte Konzerthallen in New York, Melbourne, Mexiko City und schuf Musik-Alben, die für viele heute noch zu den Juwelen ihrer Plattensammlung gehören. Nach fast zehn Jahren unter kreativem Dauerstrom und zahlreichen Tourneen zog er sich ohne Not von außen von der großen Bühne und aus der Öffentlichkeit zurück. „Es war nicht so, dass mir keiner mehr zugehört hätte“, sagt er. Aber die Szene war da schon nicht mehr das unabhängige und unbekümmerte Metier, das am Anfang so viel Neues hervorgebracht hatte. Und es war nicht mehr das, wofür Harald Blüchel selbst steht: Authentizität.

„Trotzdem war es eine wunderbare Zeit, für die ich ungemein dankbar bin“, sagt er. Es sei ein Wunschtraum gewesen, der da für ihn in Erfüllung ging. Wie ein Märchen, das er leben konnte. „Ich war damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erinnert er selbst seinen Aufstieg. Seine musikalische Begabung machte aus dem spielerischen Funken ein Feuerwerk. Vieles von dem, was er allein oder mit namhaften Kollegen produzierte, galt schon damals als visionär. Dennoch kam irgendwann der Punkt, an dem sich Blüchel selbst und die Szene hinterfragte und für sich entschied, dass er aussteigt, um von der Kunstfigur wieder zu sich selbst zu finden.

Vor wenigen Monaten erklang beim ersten Kunstsalon in Himmelpfort eines seiner ersten Werkstattkonzerte nach dem konsequenten Rückzug – da gab es nur Harald Blüchel, das Klavier und ganz viel Gefühl. Keine opulente Technik, keine Inszenierung. Zu diesem Werdegang hat auch seine neue Heimat beigetragen. In der Fürstenberger Region fand der feinfühlige Komponist einen Platz zum Leben, Wachsen und Atmen. Wenn er morgens aufwacht, muss er sich manchmal noch vergegenwärtigen, dass er nicht irgendwo zu Besuch oder auf dem Sprung, sondern wirklich zu Hause und angekommen ist. Auf dem Land erfreut er sich an der Fülle der Natur, an den Begegnungen mit Menschen und er interessiert sich fürs Gärtnern. „Ich lerne hier jeden Tag dazu, und habe Leute um mich, die mir vieles zeigen, sich um mich kümmern“. In der Stadt habe er immer mehr Filter gebraucht, um sich abzuschirmen. Irgendwann fühlte er, er möchte dort weg und

aufs Land. Brandenburg sei genetisch ohnehin seine Heimat. Von hier stamme seine Mutter und hier lebe ein Teil seiner Familie. „Seit ich hier bin, verausgabe ich mich nicht mehr. Die Energie, die ich früher brauchte, um in der Stadt zurecht zu kommen, habe ich jetzt, um gut zu leben“, sagt er. Und um seine Musik zu machen. „Ich komponiere jetzt, was ich sagen will.“ Mehrere Jahre spielte er Klavier, ohne dass es jemand gehört hätte. In aller Stille habe er die Spieltechnik geborgen, die in ihm verschüttet war und mit der er schon in jungen Jahren so sehr überzeugte, dass er ein Hochbegabten-Stipendium der Stadt Nürnberg erhielt. Mit sechs Jahren begann seine musikalische Ausbildung, die ihn später an das Konservatorium seiner Heimatstadt und in den 80er Jahren nach Berlin führte, wo er Komposition und Tontechnik studiert.

Aus dem Herzen und aus Überzeugung zu spielen, ist eine entscheidende Nuance im Leben von Harald Blüchel, der seinen klassischen Stil selbst als „Romantischen Minimalismus“ beschreibt. Aus dieser Freude heraus hat er mit Musikerkollegen der Wasserstadt in diesem Jahr bereits die zweite „Fête de la Musique“ organisiert und wird im Juli und August drei Sommerabend-Konzerte in der Mühle Himmelpfort spielen (am 15. Juli, 5. August und 9. September, jeweils um 20 Uhr).

Von Cindy Lüderitz

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