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Imperium der tausend Dinge

Privatmuseum in Neulöwenberg Imperium der tausend Dinge

Björn Kresz hat sich im ehemaligen Umformerwerk in Neulöwenberg ein Privatmuseum eingerichtet. Gefüllt ist es mit Alltagsgegenständen aus DDR-Zeiten und mit Relikten der Deutschen Reichsbahn.

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Ein „Wal“ an den Gurten

Komplett eingerichtet: Björn Kresz und Oma Anita in der alten DDR-Küche.

Quelle: Cindy Lüderitz

Neulöwenberg. Ein bisschen fühlt sich Björn Kresz wie Dagobert Duck, wenn er in seine Schatzkiste greift und mit beiden Händen aus dem Meer der silbernen Münzen schöpft. An der Kasse käme er damit zwar nicht weit – denn das ostdeutsche Hartgeld und die Scheine haben nur noch Sammlerwert. Aber die Besucher seines nostalgischen Imperiums machen große Augen. Einige sind gar zu Tränen gerührt, als sie am Sonnabend durch das Museum in Neulöwenberg gehen und sich zurückversetzt fühlen in eine andere Zeit.

Fünf große Räume sind zum Teil bis unter die fünf Meter hohen Decken mit Gegenständen aus dem DDR-Alltag oder mit Relikten der Reichsbahn gefüllt. Tausende kleine und große Dinge hat der 1984 Geborene seit frühester Jugend zusammengetragen. Solange er zurückdenken kann, sagt Kresz, sammelt er. Für einen Tag bot er nun Einblick in sein 2000 Quadratmeter großes Privatmuseum im ehemaligen Umformerwerk. Mit der Immobilie an der Nordbahnstrecke hat sich Kresz einen Traum erfüllt. Endlich hat er genug Platz für seine vielen Exponate, für die Schwalben und Trabis, die Fahnen, die Comics, das Kaffeegeschirr, die Genex-Kataloge „Geschenke in die DDR“ oder den alten Fahrkartenschrank aus Nassenheide.

Seit 2011 ist Kresz Eigentümer der Immobilie, die eigentlich nicht mehr stehen sollte. Das Umformerwerk wurde 1983 in Betrieb genommen, um die elektrische Energie aus dem öffentlichen Stromnetz in Bahnstrom zu verwandeln und damit die Züge zwischen Birkenwerder und Fürstenberg anzutreiben. Fast 20 Jahre lang war das Werk in Betrieb, erst 2003 ging es vom Netz. Danach verwaiste und verwahrloste das Gebäude an den Gleisen zunehmend. Die Bahn ließ es schließlich entkernen. Es stand zum Abriss bereit. Dann kam der Lokführer aus Linde und meldete Interesse an. „Ich hatte schon lange damit geliebäugelt. Aber die Bahn wollte nicht verkaufen“, sagt er. Die Verhandlungen zogen sich hin. Irgendwann fasste sich Björn Kresz ein Herz und schrieb an Bahnchef Rüdiger Grube. Zwei Wochen später kam das Geschäft in die Gänge. Schließlich konnte Kresz die Ruine komplett übernehmen. Es gab keinen Fußboden mehr, keine Elektrik und auch keine Heizung. Gemeinsam mit Freunden und Familie baute er um und räumte neu ein. Der frühere Schalterraum sieht jetzt aus wie ein Mitropa-Speisesaal, von der Bestuhlung bis zum Geschirr. Der Weg dorthin führt durch 40 Jahre DDR- und 100 Jahre Bahngeschichte. Stolz ist der Sammler auf ein Bahnhofsverzeichnis aus den 30er Jahren, auf die SR 1 – das erste serienmäßige Moped der DDR – auf das Schild aus der Kaiserzeit vom Schrankenposten.

„Ich war noch sehr jung, als die Wende kam. Aber ich habe mich schon damals gewundert, dass plötzlich so viel Überschuss da war und die Sachen, die vor einem Jahr noch gut waren, plötzlich aus dem Alltag verschwanden. Deshalb habe ich angefangen, sie zu sammeln“, erzählt der S-Bahn-Fahrer. Oma Anita bewundert die Leidenschaft ihres Enkels: „Wir haben ihn wahrscheinlich beeinflusst und ihm vieles mitgegeben. Mit derselben Sorgfalt, die er in seinem Beruf braucht, kümmert sich um das Museum“. Die 71-Jährige unterstützt ihn beim Tag der offenen Tür. Sie hat extra ein altes DDR-Kleid angezogen: „Wie gut sich das anfühlt, ganz weich, aber robust. Das hält noch Jahrzehnte“, sagt sie. Die alte Küche der Großmutter, ihr Wohnzimmer und das Schlafzimmer stehen im Museum. Auf der Küchenwaage liegen Bananen.

Ein politisches Statement sei seine Sammlung nicht, sagt Björn Krecz: es sei deutsche Geschichte. „Ich möchte zeigen, dass es alles gab. Die Frage war nur, wo. Die kleine DDR konnte vom Mikrochip bis zum Schiff alles bauen.“

Von Cindy Lüderitz

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