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Isolierstoffe für den Weltmarkt

Zehdenicker Geschichtsband Isolierstoffe für den Weltmarkt

Zunächst wurden Isolierstoffe und Glimmerprodukte produziert, später Mikroelektronik: das 1921 gegründete Isolierwerk in Zehdenick wurde der bedeutendste Arbeitgeber der Havelstadt. Ein neuer Geschichtsband beleuchtet die Entwicklung des früheren Vorzeigebetriebes „Bruno Baum“.

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„Fürsti“ bleibt der Alte

Fast 90 Jahre bestimmte der VEB Isolierwerk Zehdenick das Leben hunderter Menschen – daran erinnert Ulrich Drewin mit seinem Buch.

Quelle: Cindy Lüderitz

Zehdenick. Geknallt hat es öfter im Isolierwerk. Die Explosion im Oktober 1968 aber war folgenschwer. Ein Mitarbeiter kam damals ums leben, weil die Anschlüsse eines Elektromotors falsch angeklemmt worden waren. Dass selbst dieser Unglücksfall in der Betriebschronik aufgeführt und nicht verschwiegen worden ist, wundert Ulrich Drewin schon ein wenig. Viele Details aus der Produktion des ehemals bedeutendsten Arbeitgebers der Stadt blieben unter Verschluss. Fotografieren beispielsweise war strengstens verboten, sagt der Orts-Chronist. Dennoch haben es mehr als 250 Bilder aus dem Brigade-Leben, der Pausen-und Freizeitgestaltung oder vom Besuch Horst Sindermanns (damaliger Präsident der Volkskammer) in den neusten Band über die „IKA“ geschafft. Die Abkürzung steht für Isolierstoffe, Kabel- und Anlagenbau. In Zehdenick wurden unter anderem Stanzteile für die Radioröhren-Produktion hergestellt, aber auch Ärztekittel beschichtet.

95-jähriges Bestehen hätte der 1921 gegründete DDR-Vorzeigebetrieb in diesem Jahr gefeiert, wenn er die Wende überstanden hätte. Das und die 800-Jahrfeier in Zehdenick hat Ulrich Drewin zum Anlass genommen, im Archiv zu stöbern und mit ehemaligen Mitarbeitern zu sprechen, unter anderem mit dem langjährigen Betriebsleiter Jürgen Fischer. Die bis in die 1970er Jahre geführte Betriebschronik war ihm ebenfalls eine verlässliche Quelle.

In Spitzenzeiten arbeiteten fast 2000 Menschen im Betrieb – auch daher rührt die heute noch oft getroffene Annahme, halb Zehdenick sei in der IKA beschäftigt gewesen sei. „Zumindest hatten Generationen damit zu tun“, sagt Drewin. Er wisse, dass seine Arbeit deshalb ein wenig heikel ist. „Wenn so viele Menschen selbst beteiligt waren und ein Erleben haben, muss man sehr sensibel mit allem umgehen.“ Drewin hat auch respektiert, wenn ehemalige Mitarbeiter nicht zitiert werden oder aber Fotoaufnahmen zurückhalten wollten.

Das Isolierwerk, das 1977 den Titel „Bruno Baum“ verliehen bekam, beschäftigt den Heimatforscher schon eine ganze Weile. Ein Jahr lang hat er an dem Band gearbeitet, ursprünglich mit der Absicht, einen Ausschnitt im Festbuch zur 800-Jahrfeier veröffentlichen zu können. Aber der Platz reichte einfach nicht aus. Zu viel, sagt Drewin, gäbe es über den Betrieb zu sagen und zu schreiben.

Das Neue Deutschland titelte im Januar 1963, der VEB Isolierwerk Zehdenick werde weltmarktfähige Exportgüter im Wert von 350000 DM für den Außenhandel zur Verfügung stellen – weit über dem Plan. „Wir haben zwar auch viel gefeiert, aber eben auch unsere Arbeit gemacht“, erinnert sich Bärbel Weise, damals Laborantin, heute Chefin des Fremdenverkehrsbüros in Zehdenick. Sie selbst hat einige Bilder für das Buch zur Verfügung gestellt. Auch Zehdenicks Bürgermeister Arno Dahlenburg ist auf einigen Fotos von damals zu erkennen.

Von Cindy Lüderitz

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