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Jetzt kommen die Jungen ans Ruder

Optimistische Jung-Landwirte setzen in Glambeck und Grieben auf ökologischen Landbau Jetzt kommen die Jungen ans Ruder

Woanders müssen sich Landwirte der schlechten Lage geschlagen geben und schließen ihre Unternehmen. In Glambeck, Grieben und Großmutz ist das anders. Hier setzen die Landwirte auf ihre Branche und wollen mit dem ökologischen Landbau auftrumpfen.

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Haben Lust auf Landwirtschaft: David Schulz (31, Hoppenrade), Sabrina Balszuweit (31, Grieben), Christian Thiele (30, Klevesche Häuser), Roland Glenz (31, Glambeck), Juliane Hinz (30, Großmutz) und André Petzold (30, Herzberg, v.l.).

Quelle: Foto: Privat

Großmutz. Jetzt kommt die Jugend. Mit Mut, Lust, Elan und Wissen stürzen sich sechs junge Leute „um die 30“ noch eigenverantwortlicher als bisher ins Abenteuer Landwirtschaft. Bereits im vergangenen Sommer wurde ihnen die Geschäftsleitung der Glambecker Rinderhof GmbH – seit Jahren im Verbund mit den Agrar GmbHs aus Großmutz und Grieben tätig – übergeben. Der eingeschlagene Weg des ökologischen Landbaus soll ausgebaut werden. „Wir haben ein wertvolles Erbe übernommen“, sagt Juliane Hinz, die das Glambecker Unternehmen leitet. „Dieses Erbe wollen wir gemeinsam mit den älteren Kollegen, die unverzichtbar sind, weiterführen, ausbauen und dabei noch besser werden.“ Und die 30-Jährige stellt klar: „Wir haben uns den ökologischen Landbau auf die Stirn geschrieben. Wir machen Bio!“

„Öko“ ist für die Glambecker und Griebener nicht neu. In Glambeck wurde der Prozess bereits 2002 eingeleitet. An beiden Standorten wird ökologisch gewirtschaftet, Bio-Fleisch, -Futtermittel und -Marktfrüchte werden produziert, Bio-Milch aus Glambeck gibt es seit 2010. Um ein ökologisch zertifizierter Betrieb zu sein (die Glambecker und Griebener sind es) müssen etliche Bedingungen erfüllt sein. Die Feldbau-Umstellung dauert zwei Jahre, das Saatgut muss „Öko“ sein, chemisch-synthetische Düngemittel sind tabu, die Futtermittel für die Tiere müssen aus ökologischer Herstellung kommen, eine Kuh muss sechs Monate Biofutter bekommen, ehe Biomilch abgegeben wird ... „Das ist eine echte Herausforderung“, sagt Juliane Hinz. Dazu gehört, wie Landwirtschaftsmeister Roland Genz sagt, „dass man mit weniger Erträgen leben muss“. Der Ertrag geht im Vergleich zur konventionellen Produktion bis auf die Hälfte runter, die Preise sind aber 30 bis 50 Prozent höher.

Erhard Hinz, der Vater von Juliane Hinz, war Geschäftsführer von allen drei Unternehmen, jetzt führt er den Griebener und Großmutzer Betrieb (letzteren auf konventionelle Art). „Irgendwann kam die Frage auf, wie es langfristig mit den landwirtschaftlichen Unternehmen weitergehen soll. ’Öko’ ist ein guter Weg und hat eine Zukunft.“ Er gab eine Teilverantwortung an die qualifizierten jungen Leute ab. Gemeinsam wollen sie ein neues, großes Projekt stemmen: den Bau einer modernen, ökologischen Stallanlage in Hoppenrade. Die alten Ställe in Großmutz und Grieben sind 40 bis 80 Jahre alt. „Da stoßen wir an Grenzen, wenn wir den Standard halten wollen“, sagt Erhard Hinz (60). Mit der neuen Anlage würden die Bedingungen für Tier und Mensch wesentlich verbessert werden.

Tragende Kühe müssten zum Abkalben nicht mehr von Hoppenrade nach Grieben gefahren werden (und später zurück), Kuh und Kalb würden nicht mehr getrennt werden. Der „Kreißsaal“ befände sich in Hoppenrade. In der Anlage gebe es für Krankheitsfälle der Kühe ein „Rehazentrum“, Klauenbäder und Kuhmassagebürsten seien vorgesehen. „Eine Wellnessoase“, sagt Juliane Hinz, „das Tierwohl steht obenan.“ Trockensteherbereich, Abkalbungsboxen, Liegeboxen, Außenbereich, Fressstellen – all das gehöre dazu. Und der Melkroboter. Die Kühe gingen zum Melken, wann sie wollten. „Die Kühe sind Königinnen“, so die Jungunternehmerin. Der Tierbestand im Unternehmensverbund solle nicht wesentlich erhöht werden, liegt dann bei etwa 250 melkenden Kühen.

Verbessern würden sich die Arbeitsbedingungen – der Bauantrag für die Anlage ist gestellt – für die aktuell 20 Mitarbeiter aus der Region, deren Arbeitsplätze gesichert werden sollen. Und die Landwirte hoffen, dass sich durch die moderne Anlage auch leichter neuer Nachwuchs gewinnen ließe. Denn der fehle im Moment in dem Ausbildungsbetrieb (Landwirt und Tierwirt/Rinderproduktion). „Der Beruf ist nicht mehr nur der, in dem man in Gummistiefeln steckt“, sagt Juliane Hinz, die begeistert davon ist, „dass wir jungen Leute die Chance haben, uns mit unserer Idee auszuleben“.

Von Stefan Blumberg

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