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Gransee Junge Flüchtlinge im Praktikum
Lokales Oberhavel Gransee Junge Flüchtlinge im Praktikum
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17:18 27.09.2017
Meron Tafari aus Eritrea absolvierte im Team von Kita-Leiterin Doris Riesenberg ein Praktikum. Jetzt möchte er Erzieher werden. Quelle: Cindy Lüderitz
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Zehdenick

Seit anderthalb Jahren unterstützt das Projekt „Einstieg Oberhavel“ junge Geflüchtete bei der Berufsorientierung und begleitet sie durch Praktika in Betrieben. Zwei der Berufsbildungsklassen am Oberstufenzentrum Zehdenick haben diese erste Praxisphase jetzt hinter sich. Von ihren Erfahrungen in den Betrieben berichteten die Jugendlichen und Vertreter von Unternehmen am Mittwoch vor einem großem Podium.

Drei Praktikanten lernte allein Doris Riesenberg von der Kita „Sonnenschein“ in Zehdenick innerhalb eines Jahres kennen. Für sie sei es selbstverständlich gewesen, so Riesenberg, das Projekt zu unterstützen. Sie spürte am Anfang zwar Unsicherheit, ob die jungen Männer aus Syrien und Eritrea sie als Chefin und ihre weiblichen Kolleginnen anerkennen würden, diese Sorge sei aber unbegründet gewesen. „Es war ein schönes Experiment, das hatten wir noch nicht.“ Die Eltern der Kinder wurden mit einbezogen, wussten von Anfang an, wer ein Praktikum absolviert. „Es gab keine negativen Rückmeldungen“, so die Kitaleiterin. Dem 19-jährigen Meron Tafari hat die Zeit in der Einrichtung so gut gefallen, dass er jetzt Erzieher werden möchte. „Man hat gespürt, dass er offen ist und toll mit den Kindern umgehen kann“, lobte Doris Riesenberg ihren Schützling.

Auch Adnan Al-Maghribi hat es mit seinem Praktikumsbetrieb gut getroffen. Sechs Wochen lang arbeitete er in der Touristinformation der Havelstadt, hat Flyer und Broschüren sortiert, Einnahmen und Ausgaben berechnet, Gespräche geführt. Der Syrer möchte Architekt werden, aber auch das Programmieren und der Umgang mit dem Computer machen ihm Freude. An seiner Arbeit habe ihm besonders der Kontakt zu den Einheimischen und Gästen gefallen. Er könne gut verstehen, warum Menschen in Zehdenick Urlaub machten. Über die Region habe er in dieser Zeit viel gelernt. Die positiven Erfahrungen überwiegen. Nur eine Person, sagte Adnan, habe ihn nicht gemocht und wollte ihr Anliegen auch nicht mit ihm besprechen. Ansonsten seien die Besucher sehr offen mit ihm umgegangen.

Eine der größten Hürden hätten Adnan und die anderen Flüchtlinge mit ihrem Praktikum sowie dem Sprachenunterricht schon genommen, würdigte Martina Panke, Leiterin des Projektes „Einstieg Oberhavel“. Genauso wie bei deutschen Jugendlichen sei die Hemmschwelle vor dem ersten Praktikum am größten. Weil Betriebe eine völlig neue Umgebung seien. Hinzu kommen Sprachschwierigkeiten. Die Betriebe, die angesprochen wurden, boten bereitwillig Praktikumsplätze und auch Perspektiven an. Für das Projektteam öffneten sich viele Türen. Einer der Schüler hat bereits einen Ausbildungsplatz zum Fliesenleger bekommen. „Die Hälfte unserer Schüler hat jetzt eine Orientierung“, betonte Panke.

Insgesamt 44 Schüler werden derzeit in vier Klassen am Oberstufenzentrum unterrichtet. Ute Nowak lernt mit ihnen Deutsch. Die Pädagogin war eine der Ersten, die „hier“ gerufen hat. „Ich wollte das unbedingt“, sagte sie. Den Unterricht hatte sie sich einfach vorgestellt, musste aber nach den ersten Stunden ihre Strategie ändern. „Ich dachte, ich erkläre auf Englisch, was ich auf Deutsch sagen möchte. Das funktionierte aber nicht, weil viele kein Englisch sprechen.“ Auch die Unpünktlichkeit ihrer Schüler sei am Anfang ein Problem gewesen. „Sie haben es nicht böse gemeint, es spielt für sie nicht so eine wichtige Rolle. Aber darüber mussten wir reden“, so Nowak.

Auch für die Schüler des Oberstufenzentrums waren die ersten Wochen mit den jungen Flüchtlingen eine Umstellung. Jede Gruppe blieb zunächst für sich. In der Kantine saßen die syrischen Flüchtlinge oft allein. Eine Annäherung kam erst mit einer gemeinsamen Klassenfahrt, bei der sich Schüler der zwölften Klasse und die jungen Berufsschüler kennenlernen konnten. Dort wurden erste Freundschaften geschlossen. Und beiderseits besteht der Wunsch, solche Unternehmungen zu wiederholen. Im Schulalltag verliert sich der Kontakt sonst mitunter schnell wieder.

An die erste Praktikumsphase schließt sich nunmehr eine intensivere Zeit von bis zu drei Wochen in den Betrieben an. Ziel ist es, die Jugendlichen in Ausbildung zu bringen beziehungsweise Wege anzugehen, um sie ihrem Berufswunsch näher zu bringen. Ahmad Khaibar Zamani weiß, dass er noch einen langen Weg vor sich hat. Der 17-Jährige aus Afghanistan möchte Zahnarzt werden. In einer Arztpraxis hat er während des Praktikums den Blutdruck und Blutzucker seiner ersten „Patienten“ gemessen.

Von Cindy Lüderitz

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