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Märkischer Urwald

Barsdorf Märkischer Urwald

Für Aufsehen sorgen derzeit die Fällarbeiten im Wald bei Barsdorf. Zahlreiche Kiefern liegen dort um. Das erschien Politikern und Anwohnern verdächtig. Es sieht nach Kahlschlag aus und ist doch das Gegenteil. Der WWF will aus einem 600 Hektar großen Gebiet Urwald machen.

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Ein wenig ungläubig stehen Thomas Burmann (l.) und Olaf Bechert auf der Waldfläche bei Barsdorf, die Urwald werden soll.

Quelle: Martina Burghardt

Fürstenberg. Ungläubig stehen Thomas Burmann und Olaf Bechert auf einem Waldweg in der Nähe von Barsdorf. Beim Anblick der bereits abgeholzten Flächen kommen den beiden Fürstenberger CDU-Stadtverordneten arge Zweifel, ob das alles rechtens sein kann. Auf mehreren hundert Hektar werden Bäume gefällt, hauptsächlich 50 bis 60 Jahre alte Kiefern. Erleben werden sie es nicht mehr, aber in 100 Jahren soll hier Wildnis herrschen.

Verantwortlich dafür ist der World Wide Fund For Nature (WWF). Der Naturschutzorganisation mit dem Panda-Logo gehört der rund 600 Hektar große Barsdorfer Forst im Naturpark Uckermärkische Seen. Die Stiftung hat die Fläche westlich der Havel zwischen Barsdorf und Tornow vor etwa acht Jahren übernommen. Sie befindet sich südlich der Tangersdorfer Heide, des knapp 9000 Hektar großen ehemaligen Truppenübungsplatzes, der längst Naturschutzgebiet ist.

„Durch Waldumbau und Wiedervernässung“, so erklärt der WWF das Projekt auf seiner Internetseite, wird der Barsdorfer Forst „zu einem artenreichen, ungenutzten Mischwald mit standortheimischen Baumarten“ umgewandelt. „Kahlschlag findet dort nicht statt“, versichert Albert Wotke, Referent für Naturschutz Deutschland beim WWF. Das sei verboten. „Wir richten uns nach den Regeln und senken den Holzvorrat auf nicht mehr 0,7“, sagt er. Der Bundesforstbetrieb Oberhavel-Spree ist mit der Aufsicht beauftragt. Die Kiefern müssen weichen, weil sie zu dicht stehen und Sämlingen kaum eine Chance lassen. Was trotzdem wächst, ist ein Leckerbissen für die Tiere, insbesondere für das Rotwild, das sich dort munter vermehrt.

„Buchen, Eichen und andere Laubbäume würden dort natürlicherweise stehen, wenn der Mensch nicht Kiefern gepflanzt hätte“, so Albert Wotke. Unmittelbar an der Havel kann man das noch erkennen. „Von selbst“ schafft der Wald das nicht, wieder Wildnis zu werden. Nun hilft der Mensch etwas nach, damit die Natur die Oberhand gewinnt. Sturmschäden werden aus diesem Grund nicht beseitigt. Was fällt, bleibt liegen. Totholz bietet Lebensraum für unzählige Insekten- und Pilzarten. Das sieht erst einmal merkwürdig aus, aber dennoch: „Wir überlassen alles sich selbst“, so der WWF-Naturschutzexperte. Welches Bild sich bald auf der gesamten Fläche bieten wird, ist jetzt schon auf etwa 80 Hektar, von Tornow aus Richtung Havel, zu sehen. Öffentliche Wege wie der zur Zaaren-Schleuse werden allerdings frei gehalten, das ergibt sich aus der Wege-Sicherungspflicht.

Das geschlagene Holz wird verkauft. Die Einnahmen, so erklärt Albert Wotke, sind zweckgebunden, fließen also in das Naturschutzprojekt. Die Arbeiten im Barsdorfer Forst werden noch etwa fünf Jahre dauern, „dann ist einmal Luft drin“, so Albert Wotke, der Fragen, zu dem Projekt gern beantwortet, auch persönlich im Barsdorfer Forst.

Von Martina Burghardt

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