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Prominenz am Geburtstagstisch

Neuglobsow Prominenz am Geburtstagstisch

Der einstige Friedensfahrer Rolf Töpfer feiert am Sonntag einen „Runden“ – und erhält Besuch von Freunden: Katharina Heinig wurde gerade deutsche Meisterin im Marathon.

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Rolf Töpfer bereitet seinen Gästen in Neuglobsow ein Willkommen.

Quelle: Stefan Blumberg

Neuglobsow. Wenn Rolf Töpfer feiert, dann sind das in der Regel Runden, in denen sich geballte Sportprominenz vereint. So wird das auch am Sonntag sein, wenn der einstige Radrennsportler seinen 85. Geburtstag begeht. Zu den Gratulanten gehört dann auch Katharina Heinig. Sie lernte er schon kennen, als sie noch ein kleines Kind war. „Wenn ihre Mutti damals zu Wettkämpfen fuhr, blieb ’Katha’ häufig bei uns“, erinnert sich der Neuglobsower. Er und seine Frau sind seit der Zeit für sie Oma Karin und Opa Rolf. Heute ist Katharina 28 Jahre alt.

Vor zwei Wochen erlief sie sich in Frankfurt/Main den deutschen Meistertitel im Marathon. Am Sonntag leistet sie Opa Rolf Gesellschaft. Dabei sind dann auch ihre Eltern: Katrin Dörre-Heinig und Wolfgang Heinig. Katrin Dörre galt in den 1980- und 1990er-Jahren als eine der erfolgreichsten Langstreckenläuferinnen überhaupt. Allein in Japan gewann sie mehrere große Marathon-Wettbewerbe. „Und dann kam das Jahr 1984. Der Ostblock boykottierte die Olympischen Spiele in Los Angeles. Katrin durfte deshalb auch nicht fahren“, erinnert sich Rolf Töpfer. Er war damals bereits schon acht Jahre in Neuglobsow und dort Sportleiter des FDGB-Ferienobjektes. „Wir haben sie einfach eingeladen, als kleine Entschädigung, damit sie in Neuglobsow ein paar ruhige Tage über Weihnachten und Silvester verbringen kann. Das tat sie auch“, sagt Rolf Töpfer. Katrin Dörre-Heinigs Mann Wolfgang war in Leipzig einst ihr Trainer, später betreute er auch seine Tochter. Heute wohnt die Familie im Odenwald.

„Ja, das sind schon schöne Erinnerungen“, so Rolf Töpfer, der viele Geschichten aus seiner aktiven Zeit zu erzählen hat. In Alben ist sein Sportlerleben akribisch festgehalten. Worüber weniger gesprochen wurde, ist sein DDR-Meistertitel im Querfeldeinrennen (1953). „Das haben wir eigentlich als Ausgleichssport gemacht. Mir machte das immer Spaß, auch wenn es anstrengend war.“ Eine Schlagzeile hieß einmal: „Töpfer siegt auf Eisparkett“. Er hatte sein Rad extra umgebaut und den Bedingungen angepasst. In den Köpfen der Menschen ist Rolf Töpfer aber als „Friedensfahrer“. Seine Hoch-Zeit lag in den 1950er-Jahren. Da schloss er Freundschaft mit der DDR-Radsport-Legende Gustav „Täve“ Adolf Schur. Noch heute sind beide dick befreundet. „Ich denke mal, dass er am Sonntag auch da ist“, so der Neuglobsower. Runde Geburtstage waren in den vergangenen Jahren allemal Grund für gegenseitige Besuche.

Weder das Alter noch Krankheiten brachten Rolf Töpfer dazu, das Rad in die Ecke zu stellen. Selbst die Leukämie, die ihn 2009 heimsuchte, ließ ihn nicht verzagen. Er ist medikamentös gut eingestellt, kann Sport treiben. „Andere jammern und haben damit schon verloren. Ich habe sogar zur Reha in Lübben damals heimlich ein Fahrrad mitgenommen“, erzählt er mit spitzbübischem Lächeln. In diesem Jahr nahm er ein weiteres Mal an der „Tour der guten Nachbarschaft“ zu Polen teil. Die führte diesmal von Görlitz nach Swinemünde, etwa 600 Kilometer. „Nach Görlitz bin ich aber erstmal mit dem Rad gefahren.“

Rolf Töpfer guckt auch weit über das Lenkrad hinaus, ihn beschäftigt das, was auf der Welt los ist. „Ich gehe jetzt auf die 90 zu. Ich wünsche mir, dass der ganze Terror auf der Welt aufhört. Ich bin ein Kriegskind, kenne die schlimmen Zeiten. Unsere Generation stirbt aber bald aus. Dann gibt es niemanden mehr, der es selbst erlebt hat und dem Wahn entgegenwirken kann.“ Und von der kleineren Politik fordert er, „dass mehr Geld für Radwege ausgegeben wird“. Die Strecken von Menz nach Rheinsberg oder von Rheinsberg nach Zechlinerhütte seien in schlechten Zuständen; auf dem Abschnitt von Zernikow nach Seilershof würden Autos Steine auf den Radweg schleudern. Rolf Töpfer ist also nach wie vor auf dem Rad – entweder das Diamant von 1955 oder das einstige Rennrad von Jan Schur – unterwegs, regelmäßig mit seinen Vereinsfreunden vom RSV 94 Fürstenberg. Für Rolf Töpfer gilt: „Wer sich nicht bewegt, verkümmert!“ Seine Geburtstagsgäste werden das bestätigen.

Von Stefan Blumberg

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