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Schwierige Nachbarschaft in KZ-Orten?

Workshop in Oranienburg Schwierige Nachbarschaft in KZ-Orten?

Zwei Tage lang beschäftigten sich Experten mit dem Thema „Schwierige Nachbarschaft? Das Verhältnis deutscher Städte zu den dortigen Konzentrationslagern vor und nach 1945. Es war ein Beitrag anlässlich 800 Jahre Oranienburg.

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Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung,Thomas Krüger (l.), und Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke.

Quelle: FOTO: ROBERT ROESKE

Sachsenhausen. In der von der Gedenkstätte Sachsenhausen, der Stadt Oranienburg und der Bundeszentrale für Politische Bildung ausgerichteten Tagung am Freitag und Sonnabend war das Verhältnis von Stadt-Konzentrationslagern vor und nach 1945 Gegenstand. Erstmalig wurde eine vergleichende Sicht auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie auf den unterschiedlichen Umgang mit den Orten der Erinnerung in Ost und West geboten. An zwei Tagen waren 13 Referenten aus Wien, Oldenburg, Berlin, Oranienburg, Celle, Hamburg, Bremen, Ulm und München mit der Rolle der Gesellschaft, dem vergleichenden Blick auf das Wechselverhältnis Konzentrationslager, Gedenkstätte und Kommune befasst.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht die isolierte Betrachtung der Jahre 1933 bis 1945. In den Verflechtungs- und Beziehungsgeschichten spielte die unmittelbare Nachkriegszeit, der Paradigmenwechsel in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik der 1970er Jahre wie auch der Umgang mit den Orten des Gedenkens in der unmittelbaren Gegenwart eine wichtige Rolle. Der verordnete Antifaschismus, einer der Gründungsmythen der DDR, war in mehreren Beiträgen über die Hierarchisierung der Opfergruppen hinaus Gegenstand der Betrachtung. Bereits im Grußwort von Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde deutlich, dass es an der Zeit sei, neben dem NS-Herrschaftsapparat auch nach der Rolle der Gesellschaft zu fragen, neben den Tätern Mitläufer, Zuschauer und Profiteure einzubeziehen und nach der Verantwortung Einzelner zu fragen. Bianca Roitsch aus Oldenburg bilanzierte in ihrem Beitrag „Mehr als nur Zaungäste“ neben den Beispielen von Zivilcourage die Sprachlosigkeit, Apathie und Ignoranz der Bürger von Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen von 1945 bis 1960.

Barbara Distel, bis 2008 Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, ging auf die Situation im Nachkriegsdeutschland ein. In der Zeit habe sich die deutsche Gesellschaft eher als verführtes kollektives Opfer verstanden; ahnungslos im Wissen um die Existenz von Konzentrationslagern und möglichst rasch um ein besseres Bild von Deutschland bemüht. Am Beispiel der Gedenkstätte Dachau zeichnete sie den Wandel der öffentlichen Meinung beim Thema Gedenkorte nach. Erst nach der Wiedervereinigung und der Auseinandersetzung mit der Gedenkstättenkultur der DDR gäbe es eine Neuausrichtung auf der Grundlage der gesamtstaatlichen Verantwortung. Günter Morsch, seit 1993 Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, beschäftigt noch immer die Frage, wie aus der Stadt der Toleranz eine der Intoleranz werden konnte. In seinem Referat „Oranienburg und die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen“ reflektierte er das Spannungsfeld zwischen kommunalpolitischen Interessen und geschichtlichem Erbe. Zugleich führte er den 2016 zum vierten Mal gemeinsam ausgelobten Franz-Bobzien-Preis für mehr Demokratie und Toleranz als positives Beispiel an. Auf die Frage eines Teilnehmers nach den Lehren der behandelten Themen für die europäische Gegenwart merkte Günter Morsch an, Geschichte sei nicht nur als Folie für Gegenwartsbewältigung zu verstehen.

Von Herbert Schirmer

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