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Gransee Die Rückkehr der Friedrich-Renette
Lokales Oberhavel Gransee Die Rückkehr der Friedrich-Renette
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20:00 10.01.2016
Apfelmann mit Spürsinn: Jürgen Sinnecker. Quelle: Uta Köhn
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Zehdenick

Die Spur ist heiß – und womöglich verhelfen die Engländer Jürgen Sinnecker endlich zum Durchbruch. Auf der Insel soll sie am Baum hängen, die Goldrenette Friedrich der Große. Die wertvolle Sorte aus dem historischen Park zu Rheinsberg – vor 120 Jahren dort zu Ehren Friedrichs gepflanzt, inzwischen verschwunden – sucht Sinnecker schon seit langem. Nun steht er kurz vor dem Ziel und kann den Vermerk „noch verschollen“ in seinen Aufzeichnungen durch „gefunden“ ersetzen. „Sobald ich den Reiser habe, werde ich versuchen, Friedrichs Renette zu züchten. Das wird was Schönes.“

Es gehört zum Wesen des Apfelmanns, sich in eine Sache zu verbeißen, bis es ein Ergebnis gibt. „Es gibt so viele Äpfel, von denen wir nicht genau wissen, woher sie stammen, wie alt sie sind, ob es noch mehr von ihnen gibt“, sagt er. Immer wieder kommen Gärtner mit ihren unbekannten Früchten zu ihm und erhoffen sich einen Namen, vielleicht einen Hinweis. Sinnecker recherchiert, verkostet, betrachtet, riecht das Obst. So gesehen begeht er den Tag des Apfels, der heute unter dem Kalenderblatt liegt, eigentlich das ganz Jahr über. Und er freut sich über die Würdigung, die der runden Baumfrucht damit zu teil wird. Vielleicht, so hofft der Experte aus Zehdenick, verhilft der Gedenktag ja vor allem den alten Sorten zu neuer Blüte. Die sind seine Speziastrecke und um die sorgt er sich am meisten. „Den gemessen an ihrem Alter reifen Sorten fehlt immer noch die große Lobby“, so Sinnecker. Besonders am Herzen liegen ihm die wilden Bäume in der Landschaft, die Überreste früherer Plantagen oder Alleen sind. „Viele Menschen pflücken gerne, aber keiner schneidet die Bäume.“ Ohne Pflegeschnitt würden das Kulturerbe über kurz oder lang verschwinden. Vielleicht, sinniert Sinnecker, sollten die Baumwarte wieder eingeführt werden. Im Zehdenicker Ortsteil Wesendorf gab es die früher, wie ihm ältere Bewohner versicherten. Einmal im Jahr wurde dort ausgelost, wer die Äpfel und das andere Obst auf dem Dorfanger vernaschen darf – das spülte einerseits etwas Geld in die Ortskasse und andererseits war geregelt, wer sich um die Bäume kümmert – „der, der sie erntet“.

90 verschiedene Sorten stehen auf Sinneckers Apfelwiese. Nicht alle, sagt er , werden auch was. „Manchen fehlen einfach 50 Tage Sonne, die wollen nicht wachsen, weil sie aus ganz anderen Gefilden stammen“. Granny Smith zum Beispiel. Zu den letzten Äpfeln, die Sinnecker vom Baum holte, gehört der Ontario – ein Winterapfel mit langer Tradition. Der ist im Januar noch so knackig, dass ihn mancher vor dem Essen in den Backofen schiebt. Mit den Vorlieben sei das so eine Sache. Während knackige Äpfel heute als Nonplusultra gelten, durften sie früher gerne etwas mürber sein – „früher, als ein starkes Gebiss noch ein Geschenk der Jugend war.“

Von Cindy Lüderitz

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