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Ursachenforschung am Stammtisch

Gransee Ursachenforschung am Stammtisch

Als Weckruf versteht der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann (CDU) das Wahlergebnis der AfD in einigen Gemeinden seines Wahlkreises. In Bredereiche und Dannenwalde ging die Partei mit mehr als 30 Prozent der Erststimmen als stärkste Kraft hervor. Für Wichmann Anlass genug, nach den Ursachen zu forschen und mit den Bürgern der Hochburgen ins Gespräch zu kommen.

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Der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann (l.) und Bredereiches Ortsvorsteher Gregor Klos werten die Wahlergebnisse aus – die sie als Weckruf verstehen.

Quelle: Cindy Lüderitz

Gransee. 34,9 Prozent aller Erststimmen holte die AfD bei der jüngsten Bundestagswahl in Bredereiche – so viel, wie sonst nirgends im Nordkreis. Das Ergebnis gibt Ortsvorsteher Gregor Klos zu denken. „Da schreckt man schon hoch“, sagt er und vermutet, dass viele Wähler aus Unmut gehandelt haben. Auch der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann (CDU) wertet das Abstimmungsergebnis als Botschaft und Weckruf für die etablierten Parteien. „Wir können nach dieser Wahl nicht einfach zu Tagesordnung übergehen. Es gab immer Protestwähler, aber die Probleme hier liegen offenbar tiefer“, sagt der Landtagsabgeordnete, der in seinem Wahlkreis nunmehr Ursachenforschung betreiben möchte.

Neben Bredereiche war die AfD auch in anderen Ortsteilen der Region stärkste oder zweitstärkste Kraft. In Zootzen erreichte die Alternative für Deutschland 29 Prozent der Erststimmen und war damit gleichauf mit der CDU. In Dannenwalde erhielt die AfD 31,7 Prozent – mehr als alle anderen. „Wir waren darüber erschrocken im Wahlvorstand. Aber auf der anderen Seite lässt sich das auch begründen. Es waren Wähler gekommen, die man sonst nicht gesehen hat, und ich glaube, sie wollten zum Ausdruck bringen, dass sie mit einigen Dingen nicht einverstanden sind“, sagt Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß. Die Flüchtlingsproblematik hält er nicht für den Auslöser – dafür gebe es in Dannenwalde zu wenige Berührungspunkte mit dem Thema. Er glaubt, es seien Alltagsdinge, die den Menschen nahe gingen, sie persönlich berührten. „Das fängt damit an, dass viele Bürger arbeiten gehen und trotzdem weniger haben, als mit Hartz IV oder dass Eltern für die Schülerbeförderung ihres Kindes zahlen müssen, obwohl Oberhavel einer der reichsten Landkreise ist“, so Ungewiß.

Auch Henryk Wichmann möchte die Wähler der AfD nicht per se in die rechte Ecke stellen. „Ich glaube, es ging hier nicht nur um die Flüchtlinge, sondern um die Probleme im ländlichen Raum, um Ärztemangel, fehlende Busanbindungen, kaputte Straßen, 22000 Funklöcher“. Seiner Ansicht nach werde die Kluft zwischen dem, was sich Bürger gerade abseits des Speckgürtels an Unterstützung wünschen, und dem, was die Politik macht, immer größer. Dafür gebe es in der Region einige Beispiele. Seit acht Jahren etwa werde für den Ausbau der L 214 gekämpft. Viele Pendler haben sich in dieser Zeit ihre Stoßdämpfer kaputt gefahren. Es gebe Dörfer, die sich erweitern und Zuzug erleben könnten, aber nicht dürfen, weil die Landesplanung dagegen sei. „Schon zu DDR-Zeiten war Bredereiche im Bezirk Potsdam hinten dran, das ist heute nicht anders“, kritisiert Ortsvorsteher Gregor Klos. Auch er vermutet, dass die Wähler der Politik nunmehr die Quittung für schlechte Straßen und fehlende Unterstützung ausgestellt haben.

Mit den Bürgern der Orte, in denen die AfD 30 und mehr Prozent erreichte, möchte Henryk Wichmann ins Gespräch kommen, und gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler an den politischen Stammtisch laden. Die Termine dafür stehen noch nicht endgültig fest. Ins Auge gefasst haben die Akteure zwei Mittwochabende im November. Die Bürger werden über die Presse und Postwurfsendungen über den Termin informiert. Niemand solle bei diesen Treffen sagen müssen, wie oder warum er womöglich die Alternative für Deutschland gewählt hat. „Die Bürger sollen sagen, was sie stört“, betont Wichmann.

Von Cindy Lüderitz

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