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Vierlinge sind die Ausnahme

Gransee Vierlinge sind die Ausnahme

Auch im Norden Oberhavels gibt es immer weniger Weißstörche. Zwar wurden in diesem Sommer mehr Jungstörche flügge als im Vorjahr, die Gesamtbilanz leidet jedoch unter der geringen Reproduktionsrate. Nach Einschätzung des Storchenbeauftragten Paul Sömmer liegt das vor allem am Nahrungsmangel infolge der intensiven Landwirtschaft.

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Die Idylle täuscht: Viele gute Plätze für die Storchenaufzucht sind in der Region verloren gegangen.

Quelle: Cindy Lüderitz

Gransee. Ganz so verheerend, wie nach Nestabstürzen und Wetterkapriolen befürchtet, war das Storchenjahr 2017 dann doch nicht. Erleichterung will sich bei Paul Sömmer trotzdem nicht einstellen. „Es kamen zwar mehr Junge durch als gedacht, aber es werden insgesamt trotzdem immer weniger“, so der Storchenbeauftragte des Altkreises, der wie jedes Jahr Mitte August seinen Storchenbericht für das Land zusammengestellt hat.

41 Horste in der Region wurden im Frühjahr besetzt, teilweise bis zu drei Wochen später als üblich. 37 Storchenpaare haben gebrütet, 30 davon waren erfolgreich. 66 Jungstörche sind nach einem durchwachsenen Sommer ausgeflogen, 16 mehr als im trockenen Vorjahr. Mindestens zwölf Junge sind gestorben, entweder frühzeitig abgeworfen oder wie in Hoppenrade nach dem Starkregen im Nest verendet. Besonders dramatisch war die Situation in Buberow, wo das Nest mit drei Jungen vom Kirchendach stürzte (MAZ berichtete). Sömmer macht für die hohe Jungensterblichkeit aber nicht allein die Regenfälle verantwortlich. „Die Nestlinge waren unterernährt, sonst hätten sie das überstanden“, meint der Storchenexperte. Ein Indiz für die Nahrungsknappheit seien die Standzeiten auf den Nestern, die sich verkürzt hätten, weil die Störche mit der Nahrungssuche beschäftigt seien.

In der Storchen-Hochburg Falkenthal beispielsweise gebe es noch vergleichsweise viel Grünland. Dort fänden die Störche schnell genügend Nahrung und dort seien auch die einzigen Vierlingsbruten dieses Jahres zu verzeichnen. „Das war früher normal“, so Sömmer. Allein 21 Junge sind in Falkenthal flügge geworden. Hinter viele andere Horststandorte musste Paul Sömmer den Vermerk „unbesetzt“ setzen: Barsdorf, Grieben, Häsen, Liebenberg, Linde, Mildenberg, Neulüdersdorf, Wendefeld, Zernikow. Von den sieben Standorten in Zehdenick waren nur drei in diesem Jahr besetzt, nur in zweien wurden gebrütet. Wie sich die Landwirtschaft und speziell die Art der Bewirtschaftung auswirkt, zeigt sich für Sömmer unter anderem bei Rauschendorf. Beide Horst im Dorf seien früher immer besetzt gewesen. Dass sich dort nun schon im zweiten Jahr in Folge kein Storch mehr niederlässt, hat für Sömmer mit den riesigen Spargelfeldern zu tun, auf denen die Störche keine Nahrung fänden. „Es gibt einen zeitlichen Zusammenhang.“

Gute Nachrichten gibt es dagegen für Kraatz. Nach einem gemeinsamen Treffen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises sowie Energieversorger und Ortsvertretern wurde in dieser Woche ein Nestneubau vereinbart. Der bisherige Horst sei absturzgefährdet, sagt Sömmer. Auch in Buberow soll wieder ein Nistplatz auf die Kirche kommen. „Wir müssen uns beim Horstmanagement auf die Nester konzentrieren, die noch funktionieren“, sagt Sömmer. Gänzlich neue Standorte einzurichten bringe die Störche, die der Region heute fehlen, nicht zurück.

Von Cindy Lüderitz

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