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Gransee Volksstück mit Biss
Lokales Oberhavel Gransee Volksstück mit Biss
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11:25 02.10.2017
Theaterspiel zum Gemeindefest: Ablasshändler Tetzel (im Anzug) wollte den Zehdenickern an die Groschen. Quelle: Susanne Wernicke
Zehdenick

Für das erste Gemeindefest seit langem hatten sich die Zehdenicker Akteure am Samstag ziemlich gut verkleidet. Karin Domke kam als Stadtstreicher, Kantor Benjamin Bouffée als Bänkelsänger, Karen Kerner als Klosterfrau und Albrecht Schütze als Bürgermeister Arnulf. Sie alle wirkten neben Chor und Konfirmanden in dem Volksstück„Luther kam nie nach Zehdenick“ mit, das aus der Feder von Pfarrer Andreas Domke stammt und auf der Bühne an der Kirche seine wohl einzige Aufführung erlebte. „Wir wollten den Schwung der 800-Jahrfeier mitnehmen, als auf dem Kirchplatz so schön gefeiert worden ist“, erklärte Domke. Viele Besucher folgten der Einladung.

Mit einigen Spitzen auf die Stadtpolitik und die traurige Entwicklung in der Innenstadt hatte das historische Stück zum Reformationsjubiläum viele aktuelle Bezüge. Als großes Ereignis wurde das Erscheinen eines Doubles von Ablasshändler Tetzel verkündet. Und dann sollte auch noch dieser Lumpensack Luther kommen, der diese neuen Lieder schreibt und auf deutsch über Gott singt. Die Stadt war in Aufregung. Weil die Kirche für den erwarteten Menschenauflauf zu groß erschien, wurde der Festplatz als Veranstaltungsort für das Ereignis ausgewählt – und die Festhalle als Schlechtwettervariante. Während die Marktfrauen noch über die neueste Geschäftsschließung diskutierten, sammelten andere ihre Habe zusammen, um ihre Sünden zu verkaufen. Dumm nur, das das Tetzel-Double in Anzug und Krawatte so schmierig wirkte: „Ich gebe euch für euer Geld ein gutes Wort, das euch gefällt.“

Von Cindy Lüderitz

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