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Wer Kröten retten will, muss leidensfähig sein

Amphibienschutz an der L 22 Wer Kröten retten will, muss leidensfähig sein

Jedes Jahr rücken Naturschützer an der L 22 mit dem Spaten an, um einen Schutzzaun für Frösche und Kröten zu bauen – rechtzeitig, bevor die Lurche aus ihrem Winterquartier kommen und auf die Straße laufen. Rund 11.000 Tiere werden über den Asphalt getragen. Nach mehr als zehn Jahren schwindet aber bei den Naturschützern die Motivation und Kraft.

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Norbert Wilke (r.) und Helfer beim Krötenzaunbau.

Quelle: Uwe Halling

Schönermark. Die Euphorie des Anfangs ist bei Norbert Wilke verflogen – trotz zählbarer Erfolge. Seit Naturschützer wie er jedes Jahr bei Frühlingsanbruch entlang der Landesstraße zwischen Schönermark und Keller einen Schutzzaun für Kröten bauen, werden deutlich weniger Tiere überfahren. Und die Verbände der verschiedenen Arten wachsen, betonte Wilke am Sonnabend beim Auftakt in die Wandersaison.

Tausende Frösche und Kröten wurden seit der Jahrtausendwende über die Landesstraße 22 getragen und auf der anderen Seite – dort befindet sich mit dem Jordansee ein wichtiges Laichgewässer – wieder ausgesetzt. Langsam schwindet aber auch bei dem Vorsitzenden der Grünen Liga Oberhavel die Hoffnung, dass es sich bei dieser aufwendigen Naturschutzarbeit um eine Übergangslösung handelt.

Die Verhandlungen um eine stationäre Leiteinrichtung für Lurche, wie es sie beispielsweise vor Altglobsow gibt, sind zum Stillstand gekommen. Der Landesbetrieb Straßenwesen, sagt Wilke, habe kein Geld, um Krötentunnel unter die Fahrbahn zu legen. Der Naturpark wollte dazu ein Projekt einreichen – aber es passt scheinbar in kein Förderprogramm hinein.

„Wir waren zu spät. Als die Straße saniert wurde, hätten die Krötentunnel gleich eingebaut werden können“, sagt Wilke selbstkritisch. Weil dem nicht so war, muss jedes Jahr auf einer Länge von mehreren hundert Metern ein engmaschiger Zaun errichtet werden, der die Kröten daran hindert, auf die Straße zu laufen. Es ist ein Wettrennen mit der Zeit. Denn die Naturschützer müssen schneller sein als Molch und Moorfrosch, die jetzt aus ihren Winterquartieren drängen.

Waren es 2002 noch rund 8000 Amphibien, helfen die Ehrenamtlichen inzwischen 11000 Tieren über die Straße. Das Feld der Helfer ist jedoch über die Jahre kleiner geworden, so dass viel Arbeit an Wenigen hängen bleibt. Wilke hatte für den Arbeitseinsatz am vergangenen Sonnabend vorsorglich mehrere Vereinsmitglieder der Grünen Liga aus Potsdam gebeten, draußen zu helfen. Aus der Region selbst waren nur wenige dabei. „Seit die Zaunschneise gepflügt wird und wir die Erde nicht mehr selbst umgraben müssen, ist zumindest dieser Part leichter geworden“, so Wilke.

Die aufwendige Kontrolle des Krötenzauns, das Zählen und Bestimmen der Arten und der Krötenshuttle über die Straße sind aber für die nächsten vier bis sechs Wochen Pflichtprogramm. „Das Gute an dem Aufwand ist, wir können ziemlich genau sagen, was sich hier abspielt, wie viele Kröten es gibt und welche Arten nicht mehr vertreten sind.“

Letzteres gilt beispielsweise für die ohnehin vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke. Sie ist in Schönermark offenbar nicht mehr Zuhause. Warum das so ist, kann auch Wilke nicht erklären. Er hofft aber, dass die Brachflächen an der Frosch-Straße nicht in absehbarer Zeit landwirtschaftlich genutzt werden. Das würde der Population zusetzen. „Die Kröten würden dann nicht mehr laichen und irgendwann ganz verschwinden“, so Wilke. Dann wäre die Plackerei der letzten Jahre umsonst.

Von Cindy Lüderitz

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