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Gransee Ein Klang wie eine Kathedrale
Lokales Oberhavel Gransee Ein Klang wie eine Kathedrale
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20:00 23.12.2015
Marktreisender: Frank Kohl vor seinem historischen Gewürzwagen und den Musikinstrumenten. Alles hat der 53-Jährige selbst gebaut. Quelle: Uwe Halling
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Zehdenick

Bevor Frank Kohl eine Stiege Holz kauft, klopft und klimpert er darauf rum wie ein Klavierspieler. Um zu hören, wie es klingt. Nur wenn es „Stimme“ hat, kommt es für die Kunst in Frage. Frank Kohl, der in Zehdenick lebt und unter dem Namen „Godefroy“ ein Marktreisender ist, baut Musikinstrumente. Vornehmlich solche aus früheren Jahrhunderten und vornehmlich aus Walnuss-Holz. „Für mich eines der schönsten Hölzer. Man kommt nur schwer ran“, sagt er. Aber neben einem Händler seines Vertrauens wissen auch Freunde und Bekannte, wenn irgendwo ein Nuss-Baum weichen muss, er nimmt ihn im Ganzen.

Kohl kommt eigentlich aus der Metallbranche, arbeitet inzwischen als Programmierer und frönt neben dem Beruf seiner Leidenschaft für Holz, Musik und das Mittelalter. Sowohl in dem einen als auch in dem anderen Fach ist er Autodidakt. „Musik und Mathe haben viel gemeinsam. Beides fällt mir leicht“, sagt er. Kohl plant, zeichnet und berechnet alles, was er baut, selbst. „Wie lang muss eine Saite sein, wie muss sie gespannt werden, um den richtigen Klang zu erzeugen, wie berechnet sich eine Quinte – das gehört alles dazu“, sagt der Instrumentenbauer. Sein jüngstes Werk ist eine sogenannte Nyckelharpa – eine Tastenfiedel oder auch Schlüssel-Harfe aus dem schwedischen Raum. „Wenn sie perfekt gestimmt ist, hat sie einen kathedralen Sound“, betont Kohl. Dazu wirkt die Fiedel mit der Walnuss-Maserung sehr edel. Sein Prunkstück ist ein Händlerwagen aus dem 16. Jahrhundert, von den Felghölzern über die Achse bis zur Koje selbstgebaut. Zwei Tage vor Weihnachten 2013 entschloss er sich dazu, das historische Fuhrwerk anhand von Abbildungen nachzubauen. Seine Frau erklärte ihn für verrückt. Aber der Winter sei die beste Bauzeit, sagt er. Denn dann ruht das Holz und lasse sich besser handhaben. Im Sommer sei es zu feucht, zu beweglich. Der geräumige Holzwagen ist dem rollenden Laden eines Gewürzhändlers nachempfunden und wie damals aus Eiche, Fichte und Esche gefertigt. Über der Ladeluke, in der früher die Fässer mit den teuren Salzen, Safran und Kräutern lagerten, hat Kohl einen Schlafplatz eingebaut. „Die Händler haben ihre Waren nicht allein gelassen. Das Risiko war viel zu groß“, erklärt er. Einen Winter lang hat er an dem Wagen gebaut – der begleitet ihn inzwischen auf Märkten in ganz Europa. „Ich bin viel in Skandinavien unterwegs“, sagt Kohl. Neben der Tischlerei interessiert er sich auch für den Schaukampf. Über viele Jahre wirkte er bei den Askaniern mit – eine historische Laiengruppe, die er mitbegründete. „Ich habe mich viel geprügelt“, sagt er. Mit 53 Jahren sei er nun kürzer getreten. Auch um sich mehr den Instrumenten widmen zu können und den einen oder anderen Auftrag abzuarbeiten. „Meine Kunden brauchen schon Geduld. Aber die haben sie auch“, sagt Kohl. Ein Musiker aus England wartet seit knapp zwei Jahren. Aber selbst wenn der dann seine Harpa in den Händen hält, warnt Kohl: „Man muss den richtigen Moment für das Spielen erwischen. Holzinstrumente sind wie Frauen sehr temperaturfühlig.“

Von Cindy Lüderitz

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