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Gransee Zehdenicker Verhältnisse
Lokales Oberhavel Gransee Zehdenicker Verhältnisse
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00:30 01.06.2015
Bürgermeister Arno Dahlenburg (l.) überreichte Bernd Reinicke am Donnerstag die Ehrenurkunde der Stadt – die wurde zum ersten Mal überhaupt verliehen. Quelle: Uwe Halling
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Zehdenick, Zehdenick

„Wenn ich mit der Politik fertig bin, dann komme ich zurück in den Männerchor“. Der wird auf den Tenor warten müssen. Denn Bernd Reinicke ist mit der Politik noch nicht fertig und auch nach einem viertel Jahrhundert nicht müde, sich einzumischen. Seit 25 Jahren ist er ohne Unterbrechung Stadtverordneter in Zehdenick und damit der Dienstälteste aus der Runde der 24, die dem ersten demokratisch gewählten Parlament der Havelstadt angehörten.

Für sein Durchhaltevermögen und sein politisches Engagement wurde Reinicke am Donnerstag als erster Zehdenicker überhaupt mit der Ehrenurkunde der Stadt ausgezeichnet. Seine Erinnerungen an die Sturm- und Drangzeit der politischen Vertretung waren zugleich der dramaturgische Höhepunkt einer Feierstunde, die an historischer Stelle – im Stadtgarten - an den Aufbruch und die konstituierende Versammlung der Stadtverordneten 1990 erinnerte. Drama gab es in den Jahren der Findung reichlich. „An einigen Schlammschlachten war ich selbst beteiligt“, so Reinicke.

Wenn er von den „Zehdenicker Verhältnissen“ spricht, dann meint er die Ereignisse der Jahre 91 bis 93. „Eine Zeit, in der alles außer Rand und Band war und es von außen schien, als gerate das Ganze außer Kontrolle“. Mit harten Bandagen wurde im Stadtparlament und darüber hinaus um jeden Millimeter politischer Entscheidungsgewalt gerungen. Jeder wollte sich positionieren. In diese Phase fällt auch die längste Sitzung der Geschichte am 11. Juli 1991. Thema war das Prozedere über die Abwahl des technischen Beigeordneten Lechtermann und die Nachbesetzung freier Sitze in der SPD-Fraktion, deren Mitglieder sich über eben diese Personalie zerstritten hatten. Die Gespräche endeten erst morgens um 3.30 Uhr. „Die Versammlungen damals hatten Unterhaltungswert. Es gab Unternehmer, die auf den hinteren Rängen gespannt mir ihrem Bier saßen und applaudierten. Nicht zu vergleichen mit heute“, sagt Reinicke. Aus Leidenschaft für Statistik hat er einmal ausgerechnet, wieviel (Lebens)Zeit er dem politischen Ehrenamt bis heute widmete: „Knapp 3000 Stunden und 390 Arbeitstage“.

Als die Abberufung Lechtermanns in der darauffolgenden Sitzung aufgehoben wurde, trat der damalige Bürgermeister Dietrich Egetemeyer aus Protest zurück. Zu einer Belastungsprobe für die neue Demokratie führte der Vorschlag der Verwaltungsspitze, Zehdenicks Gut und Habe unter dem Dach verschiedener Gesellschaften zu sortieren. Zum Dauerbrenner entwickelte sich der Flächennutzungsplan, den das Parlament 1990 auf den Weg und erst fünf Legislaturperioden oder 20 Jahre später zum Abschluss brachte.

Den neuen Zehdenicker Kurs bestimmten nach der Wende die Geburtshelfer aus Castrop-Rauxel mit. Aus der Partnerstadt in Nordrhein-Westfalen kam beispielsweise die Geschäftsordnung, die in der ersten Sitzung beraten wurde, und noch so manche Schützenhilfe zum Aufbau neuer Strukturen. Auch der Architekt, der in Zehdenick den ersten Obi-Baumarkt Ostdeutschlands plante, kam aus der Partnerstadt. „Der Informationsbedarf und Wissenstransfer waren damals groß“, betonte Udo Behrenspöhler, Ratsmitglied der SPD in Castrop-Rauxel, in seinem Grußwort. Die Partnerschaft mit der Kommune besteht jetzt ebenfalls seit 25 Jahren. Der Bürgermeister der polnischen Partnerstadt Siemiatycze, Piotr Siniakowicz, zollte den Zehdenickern Respekt für die Wegstrecke und die Entwicklung, die die Stadt seit 1990 genommen hat. Zugleich sicherte er die Unterstützung für die 800-Jahrfeier 2016 zu.

Dietrich Egetemeyer war in zwei Systemen Bürgermeister der Stadt Zehdenick. Zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Wende. 1992 trat er wegen der Personalie Lechtermann zurück. Der 79-Jährige beobachtet die Entwicklung Zehdenicks heute aus Berlin.

MAZ:Haben Sie die Jahre der Findung in guter Erinnerung?

Dietrich Egetemeyer:Ja. Es war eine Zeit, in der man etwas bewegen konnte, auch wenn nicht alles klappte.

Wie war die Stimmung im neuen Stadtparlament?

Egetemeyer:Der Aufbruch war schon zu spüren. Aber es musste sich auch alles erst finden. Wenn man bedenkt, was es alles zu lernen gab. Da ging viel Zeit für Verständigung drauf. Und da wurde manchmal auch mehr politisch gestritten als um die Sachen an sich.

Wie haben Sie den Abend der konstituierenden Sitzung erlebt?

Egetemeyer:Als spannend. Ich war ja in keiner Partei und neben anderen als Einzelbewerber angetreten. Das hätte auch schief gehen können. Die Frage, was mache ich dann, hat mich schon beschäftigt. Aber es hat geklappt und wir konnten uns am nächsten Tag sofort um die Aufgaben kümmern. Ich hatte dufte Mitstreiter an meiner Seite.

Welche politischen Entscheidungen waren während ihrer dann Amtszeit besonders weitreichend?

Egetemeyer:Wir haben den Straßenbau am Bahnhof und im Zentrum auf den Weg gebracht, das Neubaugebiet mit Obi-Markt und die Castrop-Rauxel-Allee mit der Tankstelle. Ich würde schon sagen, für die Kürze der Zeit, war das ordentlich.

Verfolgen sie heute noch das Geschehen in Zehdenick?

Egetemeyer:Hin und wieder bekomme ich mal einen Zeitungsartikel zugesandt und oft telefoniere ich auch mit Bekannten aus der Stadt. So bekomme ich noch einiges mit.

Und wie bewerten Sie die „Mittschnitte“?

Egetemeyer:Besonders habe ich mich über die touristische Entwicklung und den Bau der Marina gefreut. Das hatte ich damals auch schon angedacht, aber da wollten es die Zehdenicker noch nicht.

Von Cindy Lüderitz

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