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Zelten mit Behinderten

Velten Zelten mit Behinderten

Es ist ein Wochenende, auf das sich die Betreuer und Behinderten in jedem Jahr freuen. Zwei Nächte und drei Tage lang findet das Leben der Roten Villa weitestgehend draußen statt. Es wird in Zelten übernachtet.

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Auf dem Gelände der „Roten Villa“ in Velten war drei Tage lang Trubel.

Quelle: FOTOS: ROBERT ROESKE

Velten. Inge ist vergnügt. Sie sitzt auf der Bank, lächelt dem kleinen Jungen zu und spricht mit ihm. Sie lässt sich schminken. Wenig später hakt sie sich bei Andreas Saffert ein und posiert für ein Foto. Als es an die Preisverleihung geht, steht sie mitten im Getümmel der Erwartungsfreudigen. Am Freitag- und Sonnabendabend kriecht sie wie alle anderen ins Zelt. Inge ist 84 Jahre alt. Und sie ist begeisterter Dauergast bei „Zelten in Velten“, das Event der Wohnstätte „Rote Villa“, der Einrichtung der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung.

Seit 2001 übernachten die Frauen und Männer an einem Wochenende im Jahr im Zelt. „Wir haben klein angefangen“, erinnert sich Doris Mach, die die Veranstaltung aus der Taufe hob, die Einrichtung jahrelang leitete und inzwischen im Ruhestand ist. Damals war das noch am Standort in Briese. „Die Klienten sind immer begeistert“, weiß sie aus Erfahrung zu berichten. „Sie kommen gern. Und für uns ist es einfach schön, wenn wir sehen, dass sie sich freuen.“

Dass dem so ist, kann Jens Schmidt nur bestätigen. Er ist jedes Jahr dabei. „Weil es Spaß macht und die Leute in Velten nett sind.“ Der 40-Jährige hatte am Samstag auch beim Fußballturnier auf der Anlage der „Roten Villa“ mitgemacht. „Wir haben den ersten Platz belegt. Ich habe fast ein Tor geschossen“, sagt der Oranienburger, der seit 19 Jahren als Tischler in Schönfließ arbeitet (mit einer Ausnahme auch mal bei der Stadtreinigung in Oranienburg).
23 Zelte standen am Wochenende auf dem Gelände der „Roten Villa“ in der Kremmener Straße. Betreuer und Bewohner – 24 im Alter von 22 bis 74 Jahren – hatten sie gemeinsam aufgebaut. Etwa 50 Leute übernachteten dort. „Manche nehmen dann aber nachts irgendwann ihr Kissen und gehen in ihr Bett ins Haus“, sagt Andreas Saffert, Bereichsleiter der Lebenshilfe Oberhavel-Süd. Das sei ihr vertrautes Umfeld.
Fußball, Tischkicker, Hopseburg, Kuchen, Kaffee, Gespräche, tanzen, Wasserbombenschlacht – den Campern und Gästen fehlte es an nichts. Und Musik war auch dabei: Am Freitagabend spielten „Projekt Muetzen“ und am Sonnabend eine Minibesetzung der „Unbestechlichen“ (beide aus Oranienburg). „Für unsere Klienten ist das eine ganz tolle Sache und für die Bands auch“, sagt Andreas Saffert. „Bei anderen Konzerten dauert es immer, bis die Besucher in die Gänge kommen – hier geht von der ersten Minute an die Post ab.“ Und die Gäste gehen ohne Angst ans Mikrofon und singen.

Zum zweiten Mal bei „Zelten in Velten“ dabei war der Bundestagsabgeordneten Harald Petzold (Die Linke). Zuerst beschäftigte er sich an der Gulaschkanone, später bereitete er Popcorn zu – an der Maschine, die er dem Haus spendiert hat. „Ich wollte mit allem Drum und Dran wissen, wie so ein Tag aussieht“, war sein Ansporn beim ersten Mal. Damals als Pratikant. Am Wochenende kam er erneut. „Ich bin mir sicher, dass die Menschen hier gut aufgehoben sind. Ich ziehe den Hut vor der Arbeit der Leute hier und schäme mich dafür, dass die Politik das nicht genügend unterstützt“, sagte der Politiker.

Von Stefan Blumberg

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