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Oberhavel Großes Fragezeichen gesetzt
Lokales Oberhavel Großes Fragezeichen gesetzt
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18:31 09.10.2016
Kinderarzt und Referent  Ulrich Fegeler. Quelle: Helge Treichel
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Zehlendorf

„Das ist ein biologischer Fallout“, sagt Kirk Poßner. Der 52-Jährige war vor 20 Jahren aus Berlin nach Zehlendorf gezogen und nutzt bewusst Atomkriegs-Vokabular, um die Auswirkungen der beiden in Zehlendorf und Wensickendorf geplanten Legehennenanlagen mit insgesamt 84 000 Vögeln zu beschreiben. „Wir werden permanent bestäubt. Drei Dörfer gehen vor die Hunde.“ Und das werde auch noch mit in Summe 2,4 Millionen Euro gefördert.

Das Publikum in der Zehlendorfer Kirche. Quelle: Helge Treichel

Poßner fasst mit drastischen Worten unter Beifall zusammen, was an diesem späten Sonnabend viele der knapp 100 Zuhörer in der Zehlendorfer Kirche denken. Die Bürgerinitiative „Contra Eierfabrik“ hatte zu einem Vortrag des Kinder- und Jugendarztes Dr. Ulrich Fegeler eingeladen. Der 68-Jährige referierte rund eine Stunde zur möglichen Bioaerosolbelastung durch die geplanten Legehennenanlagen. Sein Fazit nach dem Studium der wenigen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema: Massentierhaltungsställe für Legehennen und deren Auslaufflächen sind eine erhebliche Quelle für Bakterien, Viren und Schimmelpilze sowie für so genannte Endotoxine. Dabei handelt es sich um Zerfallsprodukte von Bakterien, die im Menschen diverse körperliche Reaktionen auslösen können und sich bei Dauerbelastungen „nahezu sicher“ in der Umgebung anreichern. Neben der Gefahr von Atemwegserkrankungen verwies Fegeler auf „die Möglichkeit der Kontamination von Zugvögeln“, da die Anlage im Vogelschutzgebiet liegt.

Der potenzielle Investor Josef Vortallen (l.) klinkt sich in die Diskussion mit ein. Sein Erscheinen wird ihm von den BI-Vertretern hoch angerechnet. Quelle: Helge Treichel

An der Diskussion beteiligte sich auch der Landwirt und potenzielle Investor Josef Vortallen. Er zog die Aussagen in Zweifel und hinterfragte Nachweise für die Auswirkungen von Massentierhaltung im Emsland, wo er herstammt. Konkrete medizinische Aussagen wollte Ulrich Fegeler aber nicht treffen: „Es gibt nur zwei Studien. Das Problem ist noch nicht ausreichend untersucht.“ Es sei jedoch „plausibel, dass sich Zusammenhänge entwickeln“, betont er. „Mein Schwerpunkt lag deshalb darin, ein großes Fragezeichen zu setzen,“ so der Arzt: „Es ist ein Risiko“. Es gebe zwar keine Gewissheit, aber das Grundprinzip der Vorbeugung laute: „Wenn man es nicht genau weiß, sollte man es lassen.“ Einige der Einwohner indes denken bereits jetzt über einen Wegzug nach.

Für die Bürgerinitiative versicherte Sprecherin Heike Bartel, dass die rund 70 Mitglieder über den großen Zuspruch in der Bevölkerung und in der Oranienburger Stadtpolitik sehr froh seien. Jetzt wolle man dafür sorgen, dass die Ablehnung der Pläne aufrecht erhalten bleibe. Dafür werde weiter Unterstützung benötigt. „Wir bleiben dran, und wir sind noch lange nicht müde“, so Bartel.

Stimmen aus der Region

Grit Hörig, Oranienburg: „Ich bin gegen Massentierhaltung und nehme die Informationen in die Stadtverordnetenversammlung mit. Die Auswirkungen schockieren mich.“

Kerstin Maaß, Schmachtenhagen: „Das ist keine Landwirtschaft, sondern unwürdig. Die Emissionen betreffen alle. Ich finde entsetzlich, dass so was genehmigt werden kann. “

Kirk Poßner, Zehlendorf: „Ich bin im Sonderbauausschuss am Dienstag alarmiert worden. Die Leute müssen wissen, dass ihre Gesundheit akut in Gefahr ist.“

Die Bürgerinitiative (BI) „Contra Eierfabrik Oranienburg“ ist ein Zusammenschluss besorgter Anwohner der geplanten Standorte der Anlagen und der gesamten Region. Die Bedenken der BI beziehen sich vor allem auf die zu befürchtenden Umweltbelastungen. Außerdem befürchten die Mitglieder der BI negative Auswirkungen für die Belange der menschlichen Gesundheit, des Tierwohls und des Naturschutzes.

Nähere Informationen zur Bürgerinitiative, ihren Zielen und ihrer Spendenaktion unter www.contra-eierfabrik.de.

Von Helge Treichel

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