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Großes Kino im kleinen Haus

Oranienburg Großes Kino im kleinen Haus

Im MAZ-Interview berichtet Theaterleiter Mario Nazahn, was er an dem familiären Kino in Oranienburg so liebt, wie viel Popcorn die Besucher so vernaschen und was vor dem Geburtstag alles in die Modernisierung investiert worden ist.

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Mario Nazahn im neu gestalteten Foyer. Der Theaterleiter hat 24 Mitarbeiter.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Der Filmpalast Oranienburg feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Genau genommen waren am 31. Oktober 1997 Um- und Anbau fertig. Die MAZ sprach mit Mario Nazahn. Der 53-jährige Berliner ist seit knapp acht Jahren Theaterleiter für die k-motion GmbH mit 15 Spielstätten. Der Kino-Freak hat in Oranienburg seine Berufung gefunden.

Wie viele Eimer Popcorn verdrücken Ihre Gäste eigentlich so in der Woche?

Mario Nazahn: Da kommen schon 2000 zusammen. Das ist enorm.

Sie haben umgebaut. Anlässlich des Jubiläums?

Ja, da war einiges, was überholt war und nicht gemütlich. Ich bin froh, dass das Unternehmen dafür Geld zur Verfügung gestellt hat. Jetzt ist alles neu: Mit den Toiletten ging es im März los, neue Stühle haben die vier Kinosäle gemütlicher gemacht. Alles ist farblich in Rotweiß gestaltet. Wir haben eine VIP-Lounge, bald noch mit großem Monitor, und neuen Teppichboden. Der Tresen zum Kartenverkauf ist hochmodern. Auch der Verkauf für die Speisen. Für die Gäste ist es jetzt ein bisschen wie im Wohnzimmer. Seit September ist alles fertig.

Regelmäßig wird dem guten alten Kino der Untergang vorausgesagt. Wie sehen Sie das?

Ja, der wird immer wieder prophezeit. Aber nicht alle steigen auf Home-Entertainment um. Und gute Filme muss man einfach im Kino sehen, wie zum Beispiel Herr der Ringe. Die Atmosphäre kann kein noch so großer Bildschirm bieten. Im Kino hat man den Eindruck, mittendrin zu sein. Kino bleibt eben Kino.

Was steht bei den Oranienburger hoch im Kurs?

Blockbuster und Action stehen ganz oben. Die Oranienburger lieben aber auch Animations- und vor allem Familienfilme.

Werden auch Filme angefragt, die nicht überall laufen?

Ja, Arthaus. Aber die laufen ja auch in unserer Reihe „Kino für Kenner“.

Sie sind Berliner Urgestein, wie hat es sie nach Oranienburg verschlagen?

Die damalige Theaterleiterin Yvonne Schrön hatte mich angerufen und gefragt, ob ich einen Tapetenwechsel brauche. Sie bräuchte Unterstützung in Sachen Leitung und Technik. Ich habe damals in Tegel gearbeitet. Im kommenden März bin ich acht Jahre hier. Und habe es nie bereut. Es ist für mich das schönste Kino, das es gibt.

Welcher Streifen hat mal alle Rekorde gebrochen und lief vor ausverkauften Sälen?

Fifty Shades of Gray. Da konnten wir zuschauen, wie gebucht wurde. Jede Vorstellung. In der Preview saßen nur Frauen und ein Mann. Der hat mir schon ein bisschen leid getan. Ein Renner ist jetzt auch „Fack Ju Göhte“.

Ob Filme zu Ostern mit der Kirchengemeinde, Schulkino, Spatzenkino oder Kino für Senioren – es gibt viele Angebote, auch für die, die es nicht so dicke haben. Warum engagieren Sie sich?

Das Kino läuft gut, der Filmpalast ist ein gesundes Unternehmen. Natürlich muss ich Gewinn erwirtschaften. Aber wer was nimmt, sollte auch etwas geben, das ist meine Überzeugung.

Wie kommt man zum Job des Kinoleiters?

Erste Schritte habe ich bei der Ufa im Kino Kosmos in Berlin gemacht, bin auf dem Gebiet der Kommunikations- und Informationselektronik ausgebildet. Ich bin ein absoluter Filmfan. Und da hat sich technisch auch viel verändert. Ich schaue schon mit einem weinenden Auge, dass die Projektoren mit den großen Filmrollen verschwunden sind. Aber die heutige Technik ist sehr innovativ.

Gibt es eigentlich den Beruf des Filmvorführers noch?

Nein, der ist ausgestorben, heute drücken Techniker wie ich auf den Knopf.

Wie viele Besucher kommen pro Woche in den Filmpalast?

In der Vorweihnachtszeit 6200, in einer Durchschnittswoche bis 3000.

Was sehen Sie selbst am liebsten?

Blockbuster wie Herr der Ringe oder Avatar.

Was schauen Sie sich nicht an?

Grusel wie „Es“. Clowns sind für mich mit Lachen verbunden. Das tue ich mir nicht an. Aber der Film war der Überraschungserfolg 2017. Vor allem viel weibliches Publikum saß im Kino. Bemerkenswert.

Wie jung ist ihr Publikum?

Sehr jung, 70 Prozent sind Jugendliche.

Setzen sich die Leute auch in die erste Reihe?

Ja, wenn sie etwas unbedingt sehen wollen. Das ist aber was für Hartgesottene.

Haben Sie als Filmfan auch Filme oder Technik zu Hause?

Ja, ich sammle Filme, habe mein kleines Museum. Kino ist mein Leben. Ich würde auch gern in Oranienburg bleiben. Hier habe ich das richtig gefunden.

Von Heike Bergt

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