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Großes Wiedersehen geplant

Hennigsdorf Großes Wiedersehen geplant

Insgesamt kamen zwischen 1967 und 1982 rund 350 Jugendliche als Vertragsarbeiter aus Ungarn nach Hennigsdorf, um bei den Lokomotivbau-Elektrotechnischen Werken (LEW) eine Ausbildung zu absolvieren oder zu arbeiten. Zum 50. Jubiläum ist am Sonnabend, 30. September ein Treffen mit möglichst vielen deutschen und ungarischen ehemaligen LEW-Mitarbeitern aus dieser Zeit geplant.

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Bela Somorjai, Simon Imre, Laszlo Perlaki, Zoltan Nagy und Arpad Nagy (v.l.) vor dem Hennigsdorfer Stadtklubhaus

Quelle: Ulrike Gawande

Hennigsdorf. „Ich habe alles richtig gemacht, es war der richtige Schritt herzukommen“, ist Bela Somorjai überzeugt. „Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und wollte eigentlich als Rentner zurückgehen, aber jetzt nicht mehr, hier habe ich mehr erlebt als in Ungarn.“ Bela Somorjai ist nur noch einer von drei Ungarn, die im Hennigsdorfer Werk von Bombardier beschäftigt sind. „Einer geht im Januar in Rente, der andere im März, dann bin ich der letzte Ungar im Werk“, lacht der 61-Jährige, der in seiner ungarischen Heimat eine Ausbildung zum Elektromaschinenschlosser absolviert hat, und dann 1974 nach Hennigsdorf kam, um bei den LEW als Schlosser zu arbeiten. „Heute bin ich in der Endmontage tätig.“

Insgesamt kamen zwischen 1967 und 1982 rund 350 Jugendliche aus Ungarn nach Hennigsdorf, um bei den Lokomotivbau-Elektrotechnischen Werken (LEW) eine Ausbildung zu absolvieren oder zu arbeiten. Am 17. November 1967 sei der erste Zug mit jungen Ungarn in Hennigsdorf eingetroffen, erinnert sich Simon Imre, heute 72, der zusammen mit Laszlo Perlaki (68) zu den ersten ungarischen Vertragsarbeitern gehörte. 1979 kam der letzte. Angeworben wurden die jungen Arbeitswilligen durch Plakate in ihrer Heimat. „In der DDR gab es nach dem Mauerbau einen Fachkräftemangel“, erklärt Arpad Nagy die Hintergründe des damals auf 15 Jahre angelegten Vertrages zwischen der DDR und Ungarn. Offiziell wollte man jungen Ungarn eine Chance zur Aus- und Weiterbildung geben. Rund 150 000 Ungarn kamen im Laufe der Jahre in die DDR.

Viele gingen zurück, andere blieben. Darunter etwa 30 in Hennigsdorf. Meistens der Liebe wegen, wie die heute schon lange verheirateten Männer beim gestrigen Gespräch im Stadtklubhaus schmunzelnd verrieten. Das Stadtklubhaus sei damals eine wichtige Anlaufstelle für die jungen Arbeitskräfte gewesen. „Der Klubhausleiter achtete darauf, dass es immer ein Kontingent für uns Ungarn gab, für Musik, Karneval und andere Veranstaltungen“, erinnert sich der heute 62-jährige Arpad Nagy, der 1973 nach Hennigsdorf kam. „Die Stadt war damals daran interessiert, dass wir nicht isoliert sind.“ So erhielten die Gäste, die mit einem Touristenvisum gereist waren, 200 Stunden Deutschunterricht. Davon 100 Stunden konzentriert zu Beginn des Aufenthalts, bevor sie voll in ihren Beruf einsteigen mussten. Später wurde einmal pro Woche Deutsch gelernt.

„Die Ungarn waren beliebt“, weiß Somorjai. „Wir wurden anerkannt, weil wir die Sprache konnten und durch den Beruf integriert waren, anders als die Flüchtlinge heute, die zur Untätigkeit verdammt sind“, ergänzt Arpad Nagy, der sich seit 18 Jahren im Ausländerbeirat engagiert. Wenn es einmal Streit gegeben habe, so Nagy, „dann ging es um die Mädels“.

Am Sonnabend, 30. September, soll es nun ein Wiedersehen mit möglichst vielen ungarischen und deutschen LEW-Mitarbeitern zum 50. Jubiläum des Regierungsabkommens über den Einsatz ungarischer Vertragsarbeiter geben. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr am Freundschaftsbaum. Hinterher geht es zum öffentlichen Empfang ins Klubhaus, bevor im „Fairplay“ gefeiert wird.

Von Ulrike Gawande

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