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Günter Lehmann lebt für sein Dorf

Der Heimatverein Schmachtenhagen Günter Lehmann lebt für sein Dorf

55 Jahre lang, mehr als ein halbes Jahrhundert, engagiert sich Günter Lehmann für seinen Heimatort. Schon 1960 war er Ratsmitglied in Schmachtenhagen. Der 76-Jährige wird nicht müde, ehrenamtlich etwas für sein Dorf zu tun. Lehmann ist auch Vorsitzender des Schmachtenhagener Heimatvereins, der vor kurzem sein zehnjähriges Bestehen feierte.

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Günter Lehmann ist seit 1960 immer ehrenamtlich aktiv in Schmachtenhagen.

Quelle: Andrea Kathert

Schmachtenhagen. Der Schmachtenhagener Heimatverein ist gerade zehn Jahre alt geworden. Ein guter Grund, zurückzuschauen und gleichzeitig ein wenig nach vorn. Der Vereinsvorsitzende Günter Lehmann tut das gern in einem Interview.

MAZ: Auf der Internetseite zum Heimatverein sieht man als Erstes das Zeichen von Schmachtenhagen. Was stellt es dar?

Günter Lehmann: Es zeigt als Typisches für unseren Ort viel Grün, Wasser und Wälder. Und ein kleines Wappen von Oranienburg ist darüber zu erkennen.

Und was soll das bedeuten?

Lehmann: Das heißt, immer wenn wir Schmachtenhagener zu übermütig werden, bekommen wir eins oben drauf.

Wissen Sie noch genau wo die Gründungsfeier für den Heimatverein stattfand?

Lehmann: Natürlich, das war im Essenraum der Schule auf dem Schulhof, genau am 23. November 2005.

Und wer saß alles am Tisch?

Lehmann: Zu den Gründungsmitgliedern zählten Kurt Müller, Dolores Neumann, Horst Koffke, Bernd Stieg, Arno Gruner, Hans-Dieter Manzl, Olaf Neumann und ich. Olaf Neumann und Arno Gruner weilen inzwischen schon nicht mehr unter uns.

Was ist der Grundgedanke des Vereins?

Lehmann: Es ist eine Art Kombination, etwas für den Ort zu tun, was zu erleben und sich mit der Geschichte zu befassen. Uns ist es wichtig, Dinge zu schaffen, die über die nächsten Jahrzehnte existent sind und auf bestimmte Ereignisse hinzuweisen, auf die bald keiner mehr hinweisen kann. Es wird viel zu viel vergessen.

Wie entstand denn die Idee, einen Heimatverein zu gründen?

Lehmann: Ich wollte immer in einer Gruppe von Menschen mitarbeiten, die sich mit der Geschichte beschäftigt. Aber da muss man sich auch mit der Gegenwart befassen. Heimatverein heißt nicht Geschichtsverein.

Was zählt zu den Zielen Ihres Vereins?

Lehmann: Wir wollen die Geschichte des Ortes für unsere Kinder bewahren. Wir möchten das Brauchtum der Heimat pflegen, die Chroniken weiterführen und gleichzeitig Feste mitgestalten. Und wenn es um Fragen der Zukunft geht, mischen wir uns auch ein.

Was ist Ihnen denn so aus den Anfängen des Vereins in Erinnerung geblieben?

Lehmann: Zum Beispiel haben wir zwei Litfaßsäulen in Schmachtenhagen, eine an der Darre, eine in West. Die gehören einfach zum Dorfbild und wir haben sie wieder gemeinsam mit dem Gesangsverein hergerichtet. Oder im Dezember 2007 haben wir 100 Namen von Schmachtenhagenern erfasst, die nach dem Krieg und im Krieg gefallen oder an den Kriegsfolgen gestorben sind. Das war praktisch jeder Achte im Dorf. 2007 gab es noch Einwohner, die sich an diese Namen erinnern konnten.

Der Verein beschäftigt sich aber nicht nur mit der Geschichte des Dorfes, sondern auch mit neueren Ereignissen?

Lehmann: Natürlich, der 25. August 2008 war zum Beispiel so ein Höhepunkt für uns. Da wurde die neue Bäkebrücke eröffnet. Das war beim Bau eine Überraschung, die Betonpfeiler ragen zwölf Meter in die Tiefe. Die Brücke hält auch stärkeren Wassermassen stand. Und ich selbst habe noch erlebt, dass der Dorfplatz schon mal unter Wasser stand. All solche Ereignisse werden festgehalten.

Was ist Ihnen an Höhepunkten noch wichtig gewesen?

Lehmann: Da könnte man das erste Historikertreffen im Jahr 2008 nennen. Damals war Hans-Joachim Laesicke zu Gast. Darüber habe ich mich besonders gefreut. Und ich bin richtig dankbar, dass der Bürgermeister auch zum zehnten Jubiläum unseres Vereins gekommen ist.

Was haben Sie sich noch so auf die Fahnen geschrieben?

Lehmann: Einmal im Jahr veranstalten wir als Verein einen Frühjahrsputz, da kommen immer zehn, zwölf Leute von uns. Das 6. Brandenburger Dorf- und Erntefest fand im September 2009 in Schmachtenhagen statt. Da haben wir als Heimatverein natürlich mitgewirkt. Und bei uns lässt es sich feiern auf dem Anger. Wir haben feste Bänke mit 80 Plätzen, zwei Tanzflächen und eine transportable Bühne auf einem Sattelauflieger. Und gerade wenn es um Feiern geht, sind wir auf eine Errungenschaft des Vereins besonders stolz.

Und die wäre?

Lehmann: Das ist unser Toilettenwagen. Da handelt es sich nicht um eine anrüchige Geschichte, denn eines steht fest: Jede Veranstaltung stirbt mit dem Dixi-Klo. Bei uns geht alles sauber und ordentlich zu. Und eine kleine Einnahmequelle für den Verein ist der Wagen außerdem noch.

Schauen Sie auch mal bei anderen Vereinen vorbei?

Lehmann: Wir nehmen immer an der Geschichtsmesse in Potsdam teil. Dort können wir unsere Arbeit repräsentieren, aber auch andere sehen. So bekommen wir Anregungen und Gedanken vermittelt, das ist eine Investition, die nicht teuer ist.

Was waren denn weitere Höhepunkte im Vereinsleben, an die Sie sich gern erinnern?

Lehmann: Das zweite Historikertreffen 2010 in Oranienburg. Da ging es speziell um besondere Frauen und deren Rolle in der Geschichte. Für Schmachtenhagen war das Margarete Lange, sie war viele Jahre Gemeindeschwester im Dorf, eine richtige medizinische Kapazität. Die kam auch nachts um drei, wenn es nötig war. Sie war hoch geachtet in Schmachtenhagen. Kurt Müller hat bei dem Treffen einen Vortrag über sie gehalten. Inzwischen hatten wir im vorigen Jahr das vierte Historikertreffen. Da sind wir schon in Frack und Zylinder erschienen, da es um Oranienburgs Geschichte ging.

Gibt es auch ganz praktische Dinge, die der Verein für das Dorf tut?

Lehmann: Ja, zum Beispiel hat Schmachtenhagen nur einen schönen Raum, und das ist die Kirche. Aber im Winter ist es dort immer sehr kalt. Also haben wir uns gemeinsam mit der Kirche überlegt, ob wir die Kirche nicht heizen können. Im Juni 2011 fand das erste Konzert mit den Weser-Singers statt. Der Heimatverein hat mit dem Erlös praktisch das Startkapital für die Heizung geliefert. Und die Maschinenfabrik hat noch ordentlich was drauf gelegt. Jetzt ist die Heizung in der Kirche vergleichbar mit ’ner Sitzheizung im Auto.

Was gehört denn noch so zum Vereinsleben?

Lehmann: Na zum Beispiel Ausflüge wie dem mit historischen Hintergrund auf der Staatsyacht „Sehnsucht“. Wir waren zusammen in Hamburg, bei uns werden Vorträge gehalten, Filme zum Beispiel über den Grabowsee gezeigt und es gibt eine kleine Ausstellung im Raum des Heimatvereins von dem Zeichner Karl-Heinz Schoenfeld. Er ist übrigens ein Schulfreund von Kurt Müller. Bald veranstalten wir den nächsten Kaffeeklatsch für Senioren. Und dann wird alles auf Video aufgenommen. Da erfährt man jede Menge und nichts geht verloren.

Der Heimatverein hat doch sogar mal eine Heimatstube betrieben. Was ist aus der geworden?

Lehmann: Die Heimatstube war in dem Gebäude, in dem jetzt der Hort ist. Als das Haus umfunktioniert wurde, musste das kleine Museum weichen. Jetzt haben wir drei Container mit Sachen aus dem Museum übrig. Aber ein neues Museum aufzubauen, ist unrealistisch.

Was bedeutet die Arbeit im Heimatverein für Sie?

Lehmann: Ehrenämter sind nicht immer nur erfreulich, aber sie halten jung. Aber auch für mich muss mal ein Neuer kommen. Zur nächsten Wahl im Verein bin ich 78 Jahre alt und muss daran denken, man wird nicht 100.

Sie waren auch schon in anderen Ämtern im Dorf tätig?

Lehmann: 1960 bin ich das erste Mal in der Gemeinde als Ratsmitglied tätig geworden. Seit 55 Jahren bin ich im Gemeinderat oder Ortsbeirat dabei. Wenn ich bei der Feuerwehr wäre, hätte ich schon einen großen Orden bekommen. Nach der Wende wollte keiner so richtig weitermachen, aber Olaf Neumann hat mich damals bekniet. Dann war ich zehn Jahre Stadtverordneter in Oranienburg und war stellvertretender Vorsitzender des Sozialausschusses.

Was haben Sie noch für Pläne für den Verein?

Lehmann: Wenn ich das alles erzählen würde, was ich vorhabe, halten Sie mich so wie so für verrückt. Aber ich möchte auf jeden Fall versuchen, alle Veröffentlichungen für zukünftige Generationen aufbewahren, damit die Fehler unserer Ahnen nicht wiederholt werden.

Alles über den Heimatverein

Der Heimatverein Schmachtenhagen hat zurzeit 50 Mitglieder, einer wirbt immer den anderen.

Auf der Internetseite unter www.heimatverein-schmachtenhagen.de.tl können sich Interessierte und potenzielle neue Mitglieder über die Vereinsarbeit, die Satzung und Termine informieren.

Die Mitgliedschaft kostet zwölf Euro Beitrag pro Jahr.

Der Verein wurde am 23. November 2005 gegründet.

Das zehnjährige Jubiläum wurde am 5. Dezember 2015 im Schmachtenhagener Gasthof „Niegisch“ mit Vertretern anderer Schmachtenhagener Vereine begangen.

 

Von Andrea Kathert

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