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Härtetest: Zu Fuß übers Land

Berliner Schüler wandern zwei Wochen durch Oberhavel Härtetest: Zu Fuß übers Land

Es ist ein außerordentliches Projekt: Fünf Schüler machen sich von Berlin aus auf den Weg und laufen durch Brandenburg – ohne Geld und ohne Vorstellung, wo sie wohl die nächste Nacht verbringen werden. Knapp drei Wochen dauert das abenteuerliche Projekt. In Oberhavel stießen die „Weltenbummler auf gastfreundliche Mitmenschen.

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Sie machen eine kurze Verschnaufpause in Zehdenick, bevor es weitergeht.

Quelle: Foto: Susanne Wernicke

Zehdenick/Liebenwalde. Kein Geld in der Tasche, einen Rucksack mit dem Nötigsten auf dem Rücken, kleine Zelte dabei – und (weitestgehend) zu Fuß unterwegs. Die fünf Schüler der Evangelischen Schule Berlin Zentrum sind mitten dabei, eine Tortur über sich ergehen zu lassen. Es nennt sich das Projekt „Herausforderung“. „Sie suchten es sich selbst aus“, weiß Betreuer Max Horbank. „Ich habe es bis jetzt noch nicht bereut“, sagt Emma-Lina Wagner, „und finde das eine tolle Aktion.“

Seit Dienstag vergangener Woche sind die Schüler mit ihren drei Betreuern Jette Lorenz, Max Horbank und Eric Eßmann Richtung Thomsdorf (bei Feldberg) unterwegs und schlagen sich durch. „Bis wir aus Berlin raus waren, hat es ein wenig gedauert. Aber mittlerweile sind wir gut trainiert“, sagt Jette Lorenz. Die längste Tagesstrecke von Liebenwalde bis nach Zehdenick liegt hinter den abenteuerlustigen Leuten. „20 Kilometer“, sagt Jette Lorenz. Am Dienstag legten sie 13 Kilometer von Zehdenick nach Templin zurück.

Dass die Kilometerzahlen manchmal nicht denen entsprechen, die auf den Hinweisschildern angezeigt werden, kann auch daran liegen, „dass die Kinder immer vorneweg laufen, wir Betreuer hinterher. Wenn sie sich verlaufen, dann ist es eben so“, sagt Jette Lorenz. Die Wanderlustigen haben zwar Handys dabei – aber ohne Internet. „Nix mit googeln!“ Die Schüler sollen sich allein durchkämpfen, auf die Menschen zugehen, mit ihnen Kontakt aufnehmen, sie um Unterstützung bitten. „Das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn wir uns da durchfragen müssen“, gibt die 14-jährige Emma-Lina Wagner zu.

In Zehdenick erlebte die Gruppe am vergangenen Sonnabend eine schwierige Situation. Sie kam bei nasskaltem Wetter völlig erschöpft in der Havelstadt an und suchte einen kostenlosen Platz zum Zelten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen an verschiedenen Orten trafen Schüler und Betreuer auf Susanne Wernicke und Dieter Vahle vom Wassersportclub Zehdenick. „Das war wirklich Zufall“, sagt Susanne Wernicke. „Wir überlegten, was wir ihnen anbieten können.“ Nach ein paar offenen, freundlichen Worten über sich und das Projekt ließen die beiden Zehdenicker die angehenden Überlebenskünstler auf dem Gelände des Wassersportclubs Zehdenick hinter der großen Kamelbrücke kostenfrei ihre Zelte aufschlagen. „Sie hatten dann ja noch eine stürmische Nacht mit strömendem Regen vor sich.“ Von den beiden Zehdenickern erhielten die Berliner heißen Tee und eine Tomatensuppe. Am Abend wurden sie im Stadtgarten verköstigt, am Sonntagnachmittag im Bootshaus an der Schleuse. Und der Knüller: Vom Hotel Clement erhielten die jungen Menschen sogar eine kostenlose Unterkunft. Vier Zimmer stellte das Hotel zur Verfügung – für eine kleine Gegenleistung: vor der Abreise Betten abziehen und durchsaugen. „Sie bedankten sich freudestrahlend“, wusste Susanne Wernicke zu berichten.

Am kommenden Montag wollen die Schüler ihr Ziel erreicht haben. Dann bleiben noch vier Tage für die Rückkehr. „Nein, die Füße tun mir nicht weh, aber der Rücken. Wir haben ja doch einiges mitzuschleppen“, findet Emma-Lina Wagner.

Von Stefan Blumberg

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