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Hafenmeister Ete wartet auf Boote

Am Langen Trödel in Liebenwalde Hafenmeister Ete wartet auf Boote

Erich Kersten - in Liebenwalde besser unter Ete bekannt - hält durch. 2014 wurde der Stadthafen eröffnet, wo Ete einen kleinen Laden mit Lebensmitteln für die Bootsleute betreibt. Erst warteten alle darauf, dass der Lange Trödel ausgebaut wird, nun warten alle auf die Freigabe des Kanals für die Schifffahrt. Denn noch immer liegt kein einziges Boot im Hafen.

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Erich Kersten führt den kleinen Laden am Stadthafen von Liebenwalde.

Quelle: Andrea Kathert

Liebenwalde. „Immer schön freundlich bleiben.“ Das scheint das Motto von Erich Kersten zu sein. Die meisten Liebenwalder rufen ihn aber bei seinem Spitznamen. „Hier können Sie jeden nach Ete fragen, die wissen alle, wer ich bin.“ Erich Kersten ist ein Liebenwalder Urgestein. In der Stadt ist er geboren. Dort will er auch bleiben. Und wenn es nach ihm geht, auch in Liebenwald begraben werden. Damit hat es aber noch Zeit. Im Moment ist Ete guter Dinge und sitzt vergnügt vor seinem Laden am Stadthafen in der Sonne. Viel zu tun gibt es nicht. Der Hafen ist leer, kein einziges Boot am Steg. Aber dazu später.

Die meisten Liebenwalder kennen Erich Kersten als Fleischermeister. Angefangen hat er in der Konsum-Kaufhalle an der Hauptkreuzung. „Da war ich Abteilungsleiter für die Fleischabteilung“, erzählt der 65-Jährige. 1975 übernahm er das Parkcafé - eine Konsum-Gaststätte. Fünf Jahre später sattelte er um. „Da war ich Einkäufer für den KfL Oranienburg.“ Liebenwalde hatte eine Betriebsstätte an der Berliner Straße. Bis zur Wende lief alles gut, dann machte der Betrieb dicht.

Erich Kersten besann sich wieder auf seinen Beruf und fing bei „Kaisers“ in Zehdenick an. Wieder als Chef der Fleischabteilung. „1996 hat sich dann in Liebenwalde was ergeben“, erzählt er. Er übernahm den Fleischstand bei „Plus“, erst als Pächter, 2005 als privater Geschäftsmann. Aber 2010 zog der Supermarkt aus. Aus „Plus“ wurde der Netto-Markendiscount. Die Lebensmittel-Kette setzte einen großen Neubau an der Hammer Allee hin. Erich Kersten versuchte, sich an der Berliner Straße noch ein Jahr über Wasser zu halten. Dann war aber Schluss.

Doch schon im nächsten Jahr tat sich wieder etwas Neues für ihn auf. Die Stadt baute einen Hafen am Langen Trödel. Bis 1948 standen dort die holzverabeitenden Rütgerswerke, die auch ein kleines Hafenbecken am Trödel hatten. Aus dem Becken wurde der stattliche Stadthafen. Das Nebengebäude eines Wohnhauses, das wohl noch zu den Rütgerswerken gehörte, wurde von der Stadt saniert. „Das war wohl hier der Karnickelstall und Fahrradschuppen“, ist der Kenntnisstand von Erich Kersten. Jedenfalls bot man ihm an, den Laden zu pachten. „Die wollten hier einen Bootsshop reinbringen“, winkt Ete ab. Das wollte er nicht. Aber ein paar Lebensmittel und Getränke für die Bootsfahrer, „früh frische Schrippen“ und ein bisschen Angelzeug, das konnte er sich vorstellen. Und so läuft Etes Laden seit 2012 mehr recht als schlecht. „Aber das mache ich hier nur im Nebenerwerb.“ Kersten ist Rentner, von dem Laden allein könnte er nicht leben. Doch ans Aufhören denkt Erich Kersten trotzdem nicht. „Was soll ich denn Zuhause rumsitzen?“

Die Klappbrücke in Liebenwalde funktioniert, der Lange Trödel ist ausgebaut, der Stadthafen wird seit zwei Jahren  betrieben

Die Klappbrücke in Liebenwalde funktioniert, der Lange Trödel ist ausgebaut, der Stadthafen wird seit zwei Jahren betrieben. Doch noch immer können keine Boote anlegen.

Quelle: Andrea Kathert

Und schließlich hat er sogar noch eine neue Aufgabe bekommen. „Ich bin jetzt Hafermeister“, grinst er vor sich hin. Das Büro liegt direkt neben seinem Laden. „Und ich bin doch sowieso immer hier.“ Neu ist nur, dass Ete nun immer ein Telefon mit sich rumschleppt. Vielleicht will doch mal jemand den Hafenmeister sprechen. Zum Beispiel Caravanfahrer, denn am Hafen gibt es elf Stellplätze mit allem Drum und Dran.

Rein theoretisch könnten auch 32 Boote im Stadthafen liegen, bis zu 13 Metern lang. Doch der wieder ausgebaute Lange Trödel ist noch immer nicht freigegeben. Hans Frodl vom Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ hat auch keine neuen Nachrichten. „Es gibt noch keinen Eröffnungstermin“, sagt Frodl.

Erich Kersten lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Dieses Jahr probier ich es hier noch.“ Und wer weiß, vielleicht rennen ihm doch bald die Bootsführer den Laden ein.

Es gibt noch keinen Eröffnungstermin

Einen Eröffnungstermin für den Langen Trödel gibt es immer noch nicht.

Hans Frodl, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Schnelle Havel“ und Bauherr für den Ausbau des Kanals, erklärt, dass die baulichen Anlagen am 5. April vom Landesamt für Umwelt ohne größeren Mängel abgenommen worden sind.

Die Protokolle dieser Behörde werden weitergereicht. Die Landesschifffahrtsverordnung muss erst geändert und dann die Schiffbarkeit des Langen Trödel erteilt werden.

Bis zur Eröffnung steht fest, wer die Schleuse und die Brücken betreibt. Für die Gewässerunterhaltung bleibt der Wasser- und Bodenverband zuständig.

Von Andrea Kathert

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