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Oberhavel Haselnussstrauch-Streit: Familie zeigt Kirche an
Lokales Oberhavel Haselnussstrauch-Streit: Familie zeigt Kirche an
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02:16 21.10.2017
Kerstin Kassube zeigt, dass sie die Haselnusszweige stets mit Spanngurten zusammengehalten habe. Quelle: Foto: Gawande
Leegebruch

1998 zogen Kerstin und ihr Mann Michael Kassube aus Hennigsdorf nach Leegebruch. Seitdem haben sie sich auf ihrem Grundstück ein kleines, grünes Paradies mit Teich, überdachter Terrasse und viel Grün geschaffen. An der nördlichen Grundstücksgrenze sorgen große, dicht belaubte Haselnusssträucher für den nötigen Wetterschutz des Gartens.

Die mehrere Meter hohen Hasel stehen jedoch direkt an der Grundstücksgrenze und verdecken die dahinter liegende Mauer, die zum Schuppen der evangelischen Kirchengemeinde gehört. „Der Haselstrauch stand schon, als wir hierher gezogen sind“, so Kerstin Kassube. Schaut man jedoch genauer hin, sieht man, dass die Zweige mit Spanngurten und Seilen zusammengebunden sind, damit die Äste nicht auf das Nachbargrundstück ragen. Trotzdem wurden die Sträucher zum Streitpunkt: Kassubes erstatteten vor wenigen Tagen Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen die Kirchengemeinde.

Noch immer ist Kerstin Kassube aufgebracht, wenn sie von dem Morgen des 8. Oktober erzählt, als sie feststellen musste, dass beim jährlichen Arbeitseinsatz der Kirchengemeinde ohne ihr Einverständnis auf der Seite der Gemeinde die überhängenden Zweige der Haselsträucher abgeschnitten worden waren. Zumal dies nicht zum ersten Mal geschehen sei, erklärt die Leegebrucherin empört. Schon vor fünf Jahren habe es nach einem ähnlichen Arbeitseinsatz Ärger gegeben, erzählt sie. Damals habe sie per Telefonat und Einschreiben den Kontakt zu Pfarrer Poldrack, als für die Kirchengemeinde Verantwortlichen, gesucht. Doch sei keine Reaktion erfolgt, weder Antwort noch Entschuldigung. Deshalb habe sie nun der Kirchengemeinde mit der Anzeige einen „Schuss vor den Bug“ verpassen wollen, sagt Kerstin Kassube. „Man sagt immer: Einmal ist keinmal, aber zweimal ist einmal zu viel. Wir wollen ernst genommen werden.“ Ihr gehe es nicht ums Geld, dass sie wegen der Anzeige als Schadensumme angeben musste, betont die Leegebrucherin. Aber schließlich gelte das Nachbarschaftsrecht auch für die Kirche.

Pfarrer Christoph Poldrack bestätigt, dass am 7. Oktober ein solcher Arbeitseinsatz erfolgt sei und er niemanden um Erlaubnis gebeten habe, da er nur Zweige auf Kirchengrund angefasst habe. „Ich habe die Sträucher selbst beschnitten, weil die Dächer unseres Fahrradunterstandes und des Schuppens voller Laub und Zweigen waren. Auch die Weinranken wachsen in den Schuppen hinein.“ Die Zweige würden ständig über die Dachflächen „ratzen“, berichtet der Pfarrer. „Man sieht schon Beschädigungen. Außerdem liegen die Äste direkt auf, so dass das Dach ständig feucht bleibt.“ Poldrack ist sichtlich von der Strafanzeige, die er jedoch noch nicht erhalten hat, geschockt.

„Laut Nachbarschaftsrecht muss man uns ansprechen, dass wir die Zweige entfernen sollen, in einer angemessenen Frist“, erklärt Kassube, die sich in Gesetzestexten kundig gemacht hat. Das sei aber nicht passiert. Brigitte Zunke, Leegebruchs Schiedsfrau, bestätigt diese Regularien, weist aber darauf hin, dass wenn Sträucher zu dicht an der Grundstücksgrenze stehen, man auch dafür Sorge tragen müsse, dass Zweige nicht hinüberwachsen können. Und dabei sei es unerheblich, ob der Strauch schon beim Grundstückskauf dort gestanden hätte oder nicht, so Zunke. Trotzdem dürfe man nicht ungefragt selbst Hand anlegen. Die Polizei werde die Anzeige voraussichtlich nicht verfolgen, weiß die Fachfrau, da kein öffentliches Interesse bestehe. So geht sie davon aus, dass der Vorgang in den nächsten Wochen bei ihr in der Schiedsstelle eingehen werde, wo sie versuchen wird, mit den Gegnern eine Einigung zu erzielen.

Von Ulrike Gawande

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