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Hebammen aus Italien helfen in Oranienburg

Alle ziehen an einem Strang Hebammen aus Italien helfen in Oranienburg

Nach einer Durststrecke ist die Entbindungsstation der Oberhavel Klinik in Oranienburg, die einzige Entbindungsstation im Landkreis, personell inzwischen wieder gut aufgestellt. Großen Anteil daran haben sechs Hebammen aus Italien, die das Leben in der Heimat aufgegeben haben, um in Oranienburg in ihrem Traumjob zu arbeiten.

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In Oberhavels einziger Entbindungsklinik ziehen alle an einem Strang: erfahrene und junge Hebammen sowie seit einem guten Jahr auch sechs Kolleginnen aus Italien.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. „Ja, wir hatten eine Durststrecke und konnten den eigenen Anforderungen nicht immer standhalten“, räumt Detlef Troppens, Geschäftsführer der Oberhavel Kliniken, rückblickend auf die Situation der Entbindungsstation in Oranienburg ein. Das Problem habe man nicht exklusiv, Hebammenmangel an Krankenhäusern sei ein deutschlandweites Problem. „Diese Phase haben wir glücklicherweise überwunden und sind inzwischen sehr gut aufgestellt.“ Zwölf Hebammen stehen in Diensten der einzigen Entbindungsstation des Landkreises Oberhavel, zwei weitere Kräfte verstärken die Station im Januar 2018. „Damit können wir jede Schicht doppelt besetzen. Ein Gewinn für die werdenden Eltern ebenso wie die Kollegen selbst“, erklärt Troppens.

Christina Hennig ist die Chefhebamme der Oberhavel Klinik in Oranienburg

Christina Hennig ist die Chefhebamme der Oberhavel Klinik in Oranienburg. Seit 1978 arbeitet sie in dem Beruf und hat seitdem rund 3000 Babys auf die Welt geholfen.

Quelle: Enrico Kugler

Großen Anteil an der guten personellen Aufstellung haben sechs junge Hebammen aus Italien, die ihren Lebensmittelpunkt für den Traumberuf seit Oktober 2016 nach Oranienburg verlegt haben. „Ich will unbedingt in meinem Beruf arbeiten. Deshalb bin ich hier“, erklärt Dora Di Vittorio. Um in Deutschland arbeiten zu können, absolvierte sie einen mehrmonatigen Sprachkurs und musste eine Prüfung für das offiziell anerkannte Sprachlevel B2 erfolgreich bestehen. Ein italienischer Akzent ist unüberhörbar, doch die junge Italienerin verständigt sich perfekt in deutscher Sprache.

Um in ihrem Herzensberuf tätig sein zu können, hat sie die Heimat in Rieti, eine 50 000-Einwohnerstadt in Mittelitalien, verlassen und zog in die Kreisstadt. „Die Ausbildung in Italien hat eine hohe Qualität und unterliegt europäischen Normen“, ist Troppens froh über die internationale Verstärkung.

Drei Jahre hat Dora Di Vittoria in L’Aqulia studiert. „Die Ausbildung in Italien ist, anders als in Deutschland, akademisch, verbunden mit praktischen Phasen“, berichtet die 24-Jährige. Die Nachfrage nach den Studienplätzen ist riesig. „2000 Bewerber gab es für die zehn Plätze an meiner Uni.“ Der Arbeitsmarkt für Hebammen indes sei in Italien „schwer, sehr schwer. Der Gesundheitsmarkt gehört dem Land. Und das hat kein Geld, die Leute zu bezahlen.“

Über eine Agentur, die Arbeitsstellen international vermittelt, sei sie schließlich zur Klinik in Oranienburg gestoßen. Im Frühjahr 2016 schaute sich Dora Di Vittorio vor Ort um, einen Tag später lag auf dem Tisch von Beatrice Marzahn, Pflegedienstleisterin der Oberhavel Kliniken, ihre Zusage. „Als für uns absehbar war, dass unsere Maßnahmen zur Sicherung der Personalstärke im Kreißsaal nicht ausreichen werden, haben wir nach kreativen Lösungen gesucht“, berichtet Marzahn über die schwierige Suche nach Fachkräften. Schließlich habe man die Dienste einer Vermittlungsagentur in Anspruch genommen. Auch, weil „wir als medizinische Einrichtung gar nicht die zeitliche Kapazität haben, persönlich auf interessierte Arbeitskräfte zuzugehen.“

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Seit einem guten Jahr verstärken junge Hebammen aus Italien das Team der Entbindungsstation der Oberhavel Kliniken in Oranienburg. Die 24-jährige Dora Di Vittorio ist froh, ihren Traumberuf in Deutschland ausüben zu können.

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Die Verstärkung aus Italien, laut Marzahn „haben wir ausschließlich Kolleginnen mit Summa Cum Laude und besten Abschlüssen eingestellt“, sei eine absolute Bereicherung. Für das Team, vor allem aber auch für die werdenden Eltern. Die Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel als „Babyfreundliches Krankenhaus“, als einziges im Bundesland Brandenburg, gab Dora Di Vittorio den letzten Schub, ihr Leben in die Kreisstadt zu verlegen. „Ich liebe meinen Job. In Oranienburg habe ich die Möglichkeit, mich wirklich gut und mit viel Zeit um Eltern und Kinder kümmern zu können.“

Weh tun allerdings, so Klinikchef Troppel, Sprüche von Patienten, ob denn bald nur noch ausländisches Personal an der Klinik arbeite. „Das schmerzt uns als Klinik, und es schmerzt die hoch qualifizierten, engagierten Mitarbeiter. Zumal es weit an der Realität vorbeigeht.“

Zahlen

2016 wurde mit 862 Geburten und 868 Neugeborenen die bisherige Rekordzahl an Geburten aus dem Jahr 1981 übertroffen.

In diesem Jahr erblickten bislang 720 Kinder das Licht der Welt in Oranienburg. Oberarzt Andrej Kotomin rechnet mit insgesamt „knapp 800 Babys, die wir im Jahr 2017 in Oranienburg entbinden“.

2010 wurde die Geburtsklinik in der Kreisstadt erstmals als „Babyfreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet.

Von Nadine Bieneck

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