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Hennigsdorf: Ehemalige Zwangsarbeiterin kehrt zurück

Dialog mit Schülern Hennigsdorf: Ehemalige Zwangsarbeiterin kehrt zurück

Von 1942 bis 1945 musste Leokadia Korzelska als junge Frau Zwangsarbeit im der AEG-Fabrik leisten. Sie war mit anderen Frauen in einem Lager untergebracht, mit Holzpantinen ging es jeden Morgen zur Arbeit. Die heute 92-Jährige wünsch sich, dass es nie wieder Krieg gibt.

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Leokadia Korzelska (l.) kam als 19-Jährige nach Hennigsdorf. Sie erzählte aus ihrem Leben.

Quelle: Foto:M. Paetzel

Nieder Neuendorf. Der Empfang war herzlich. Ein Dutzend Diesterweg-Schüler überreichten Leokadia Korzelska gestern rote Rosen, einer nach dem anderen. Der alten Dame standen die Tränen in den Augen. Wie immer, wenn sie nach Hennigsdorf zurückkehrt. Die Polin hat hier die schlimmste Zeit ihres Lebens verbracht, von 1942 bis 1945 musste sie Zwangsarbeit in den AEG-Fabriken leisten. Gestern gab die 92-Jährige in der Gaststätte „Zum Dorfanger“ Diesterweg-Schülern einen Einblick in diese Zeit, auch Bürgermeister Andreas Schulz und SPD-Senioren waren gekommen.

Seit 2006 besucht Korzelska die Stadt regelmäßig, damals hatte sie bei der Suche nach dem ehemaligen Lager den damaligen SPD-Stadtverordneten Ekki Hinke mit seinem Dackel auf der Straße getroffen. Sie verstanden sich, Hinke durfte sie fortan „Mama“ nennen. „Jetzt hast du viele Kinder in Hennigsdorf“, sagte Hinke gestern zur Begrüßung und meinte die Schüler. Die fragten „Mama“ aus, vor allem der Alltag im Lager interessierte sie.

Bis zu 28 Frauen mussten in Doppelstockbetten in einem Raum schlafen, die Baracken des Lagers hatten keinen Keller. „So hatten wir immer Angst, dass es einen Bombenangriff geben könnte“, erklärte Leokadia Korzelska via Dolmetscherin. Um vier Uhr morgens wurden die Frauen geweckt, dann mussten sie sich zum Durchzählen auf einem Appellplatz versammeln. Korzelska war Nummer 71530. Eine Zahl, die sich auf ewig in ihr Gedächtnis gebrannt hat. Etwa einen Kilometer dauerte der Fußmarsch in die Fabrik, die Frauen mussten in Holzpantinen laufen. Zwölf Stunden lang stellten sie jeden Tag Isolierstoffe mit Glimmer her, die Arbeit war stupide. „Es war heiß und hat gestunken.“

Ein Schüler wollte wissen, wie die Aufseher waren. „Es gab Gute und Schlechte, wie im richtigen Leben.“ Pro Tag habe es einen halben Liter dünne Kohlrübensuppe und 100 Gramm Brot gegeben. Und dann gab es da noch Hennigsdorfer Bürger, die heimlich Essen über den Lagerzaun reichten.

Wie sie die Zukunft sieht, wollte ein Schüler wissen. „Mama“ winkte ab und lächelte selig. „Es wäre schön, wenn es nie wieder Krieg geben würde.“Und dann rezitierte sie ein Gedicht über die Freiheit, das sie damals im Lager geschrieben hatte. Verstehen konnten es die Schüler nicht, es ist auf polnisch verfasst. Korzelskas Tochter Barbara, die sie begleitete, versprach, es zu übersetzen und per Mail nach Hennigsdorf zu schicken. So werde immer etwas von ihrer Mutter bleiben.

Von Marco Paetzel

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