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Hennigsdorf: Fußball für alle

Team aus vielen Nationen Hennigsdorf: Fußball für alle

Im Fußballteam des Hennigsdorfer Jugendklubs Conny Island treffen sich einmal in der Woche bis zu 20 Jungs aus vielen Nationen, um gemeinsam zu trainieren. Wer aus welchem Land kommt, spielt kaum eine Rolle.

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Hessam (2. von vorne) ist Torwart des Teams. Dietmar Pustai (hinten) leitet die Truppe an.

Quelle: Foto: ENRICO KUGLER

Hennigsdorf. Es ist ein grauer Oktobertag, nur ein Dutzend Jungs steht auf dem Hallenparkett. „Es sind Ferien, da kommen immer weniger“, sagt Hessam. Der 12-Jährige mit dem azurblauen Italien-Trikot lässt kaum ein Training ausfallen, er will immer im Tor stehen. Sein Vorbild ist der spanische Nationalkeeper Iker Casillas. „Der wurde schon fünfmal zum besten Torwart der Welt gewählt“, sagt Hessam. Der schmächtige Junge ist einer von etwa 25 Kickern im Alter von elf bis 23 Jahren, die jede Woche im Team des Jugendklubs Conny Island trainieren. Das Team ist international, einige der Jungen kommen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder der Türkei.

Seit zwei Jahren gibt es das bunte Fußballprojekt. Im Sommer trainieren die Jungs auf dem Fontanesportplatz, ab Herbst in der Schweitzer-Halle. Dietmar Pustai, Sozialpädagoge im Jugendklub, leitet das Training. Der Mann mit dem St.Pauli-Trikot lässt die Jungs dabei meistens an der langen Leine. „Sie sollen die Teams selbst wählen und entscheiden, wie viele Mannschaften sie bilden wollen.“ Das schult das Sozialverhalten, zudem übernehmen die Jungs Verantwortung. Dass die Truppe aus allen Teilen der Welt kommt – es sind auch Kinder ehemaliger Asylbewerber dabei – merke man im Alltag kaum, sagt Betreuer Pustai. „Die Sprache des Sports spricht halt jeder“, so der Sozialpädagoge. Das sieht auch Jan Gieseler, der für die Linke in der Hennigsdorfer Stadtverordnentenversammlung sitzt, so. Er kickt regelmäßig mit den Jungs, das Projekt sei toll. „Junge Menschen verschiedensten Alters und Herkunft kommen zusammen und spielen friedlich Fußball.“ Außerdem, so Gieseler, profitieren die Jüngeren von den Fähigkeiten der Älteren und werden besser. Dazu koste das Training nichts. „So können die Jungs, die sich den Verein nicht leisten können, auch spielen.“

Der kleine Hessam freut sich jede Woche auf das Training. „Hier kann ich abschalten und Fußball spielen.“ Das ist nicht immer so. Auf dem Schulhof von Hessams Fontane-Grundschule sei mal ein Junge ausgeschlossen worden, weil er noch kein Deutsch konnte. „Das fand ich gemein“, sagt der Sechstklässler. Hessam selbst, der akzentfrei Deutsch spricht, kam mit seinen Eltern vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Hennigsdorf. Sein Vater, in der Heimat ein Journalist, sei wegen kritischer Berichterstattung vom Iran aus mit dem Tod bedroht worden, erzählt der Junge. In Hennigsdorf fühlt er sich aber mittlerweile zuhause. Das Training mit dem Conny-Team sieht Hessam als Ausgleich zum Schulalltag an. Auch da haut er sich voll rein – in Mathe und Englisch steht Hessam eins, in Deutsch zwischen eins und zwei. „Ich will später mal Herzchirurg werden und den Leuten helfen.“

Am liebsten würde Hessam demnächst auch in einem richtigen Verein in Hennigsdorf oder Velten kicken, damit er auch bei Punktspielen im Tor stehen könnte. Aber selbst dann würde er das Training seines Conny-Teams nicht missen wollen. Immerhin, sagt Hessam, sind aus vielen der Kicker längst Freunde geworden.

Von Marco Paetzel

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