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Hennigsdorf: Modellbahnfreunde zeigen Loks

Veranstaltung im Klubraum Hennigsdorf: Modellbahnfreunde zeigen Loks

Da schlägt jedem Eisenbahner das Herz höher: In ihrem Hennigsdorfer Vereinsraum haben die Berliner Spur-1-Freunde seit 1998 eine Miniaturwelt gebaut, die den rund 200 Quadratmeter großen Raum fast ausfüllt. Am Wochenende öffnen sie ihre Clubräume wieder für das Publikum.

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Joachim „Hühnchen“ Huhn darf die Lok fürs Foto steuern. Spezial-Öl lässt das Gefährt schön dampfen.

Quelle: Fotos (3): Marco Paetzel

Hennigsdorf. Ein Druck auf die Fernbedienung und die pechschwarze Lok huscht los. „Warte noch, Hühnchen, ich muss Öl nachfüllen“, stoppt Joachim Schaack die Fahrt. Mit einer Pipette träufelt er Spezial-Öl in den Schornstein der Lok. Soll ja fürs Foto richtig schön qualmen. „Jetzt können’se fotografieren“, gibt Schaack schließlich grünes Licht. Er und Joachim Huhn, den alle nur „Hühnchen“ nennen, stehen vor einer riesigen Modellwelt, hier im Vereinsheim der Spur-1-Freunde in Hennigsdorf. Wie kleine Jungs stieren sie auf die riesige Anlage, auf der sich ständig etwas tut. Hier leuchten Laternen, blinken Signalanlagen, tuten Züge. Ein Kindertraum, der einen 200 Quadratmeter großen Raum in der Veltener Straße in Hennigsdorf fast komplett ausfüllt.

Knapp 300 Meter Gleise haben der Vereinsvorsitzende die aktuell 20 „Spur-1-Freunde” hier seit 1998 auf rund 100 Tischplatten verlegt. Es gibt nichts, was es in der echten Welt nicht auch gibt. Bahnhof, Autowerkstadt und Arbeitsamt samt kompletter Miniaturstadt. An einer Mini-Birke entleert ein Figürchen seine Blase. An einem Wasserturm hat sich ein Maler niedergelassen und füllt seine Staffelei. Und nicht viel weiter, an einem Mini-Bahnhofsgebäude, lehnt Klubchef Wolfram Siebler höchstpersönlich. Er hat sich dafür aus jedem Winkel mit dem Laser abtasten lassen, Sieblers Mini-Ausgabe ist dann im 3D-Drucker entstanden. „Da stehe ich nun rum. So doll finde ich die Figur nicht, aber meine Nachbarn erkennen mich immerhin“, sagt der Vereinsvorsitzende und grinst.

Sieblers Ebenbild und die komplette Miniwelt sind im Maßstab 1:32 gehalten. In dem Idyll aus Messing, Schotter und Kunststoff haben die Spur-1-Freunde auch Bäume, Autos und Figuren drapiert. Alles soll so echt wie möglich sein. Nur die Gleise nicht, die sind im Maßstab etwas höher als in der Realität, damit die Züge nicht entgleisen. Das wäre auch ein teurer Spaß: So eine Dampflok aus Messing kostet zwischen 500 und 5000 Euro. Je nachdem, wie ähnlich sie dem Original ist. Selbst die Figuren, von denen hunderte in der Modellwelt stehen, kosten schonmal 50 Euro pro Stück.

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Die Spur-1-Freunde haben seit 1998 eine unglaublich detailverliebte Landschaft geschaffen.

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Bislang leisten sich das fast nur Rentner, der Großteil der Spur-1-Freunde ist jenseits der 60. „Der Nachwuchs fehlt uns schon“, sagt Vereinschef Wolfram Siebler, der selbst schon 80 ist. Um frisches Blut zu gewinnen, laden sie deshalb einmal die Woche in ihren Klubraum ein. Modellbahnfans können dann kostenlos ihre Züge auf der Anlage fahren lassen. Ein paar Mitglieder haben die Spur-1-Freunde mit dieser Aktion zuletzt schon gewonnen, sagt Wolfram Siebler. Ob der Mitgliedsbeitrag von 30 Euro einige abschrecken könnte? Siebler schüttelt den Kopf. „Das hier ist doch etwas anderes als wenn ich mir meine Züge nur zuhause in der Vitrine angucken kann“, sagt der Rentner, der 1940 seinen ersten Bahnhof samt Loks zu Weihnachten von seinem Vater bekam. „Die Nazi-Flagge hat er aber weggelassen“, sagt der alte Herr. Damals verbrachte Siebler die Nächte vor dem Modell, um die Weichen so zu stellen, dass die Züge es komplett herum schafften.

Auch heute, fast ein Menschenleben später, ist Wolfram Siebler der Chef an der Modellplatte. Einmal die Woche treffen sich Siebler und seine Vereinskameraden, um an ihrer Welt zu basteln. Vor ein paar Tagen ist die Zentrale der Deutschen Bahn fertig geworden, die Spur-1-Freunde haben sie an einem Pfeiler im Raum hochgezogen. „So wird der schön kaschiert“, sagt Siebler. Demnächst sollen eine Kirche und ein kleiner Friedhof entstehen, auch die Stadt soll weiter ausgebaut werden. Zu tun, sagt Siebler, gibt es genug. „Wir werden eh nie fertig. Und wenn, dann reißen wir was ab und bauen etwas Neues.“

Zwei Jahre lang haben die Modellbahnfans ihre Anlage nicht der Öffentlichkeit gezeigt, nun ist es aber wieder so weit. Heute und morgen jeweils von zehn bis 17 Uhr sind die Clubräume in der Veltener Straße 12 geöffnet, der Eintritt zum „Spur-1-Früling“ kostet drei Euro, für Kinder ab 12 einen Euro. Jüngere Kinder dürfen umsonst rein. Es gibt Loks, Snacks und eine Tombola.

Von Marco Paetzel

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