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Hennigsdorf Als eine Zapfsäule in der Berliner Straße stand
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Als eine Zapfsäule in der Berliner Straße stand
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17:35 06.07.2018
Die Zapfsäule, für damalige Verhältnisse gut besucht, musste von einem Tankwart bedient werden. Heute ist das Gelände überwuchert. Quelle: Stadt
Hennigsdorf

Es ist ein trüber Freitag, die Autos rollen die Berliner Straße entlang. Vorbei am Grundstück mit der Hausnummer 50, direkt links neben der Alten Schmiede. Eine riesige Brachfläche, Gras und Büsche wachsen hier teilweise meterhoch. Dass hier einmal Autos zum Tanken hielten, davon lässt sich heute nichts mehr erahnen. Tatsächlich gab es an dieser Stelle aber seit 1927 und nach dem Krieg eine Tankanlage, die markante Zapfsäule ist vielen Hennigsdorfern noch im Gedächtnis. Sie gehörte zum Fahrradladen von Gustav Lehmann. „Wenn jemand außerhalb der Geschäftszeiten tanken wollte, hat er geklingelt und wir kamen raus“, erinnert sich Herbert Lehmann, der Sohn des Inhabers. Die Säule war rund zwei Meter hoch, auf der Schwengelpumpe standen zwei Glasbehälter. „Durch den Schlauch ist das Benzin dann runter in den Tank gelaufen“, sagt Herbert Lehmann, der seinem Vater auch beim Zapfen half.

Anfangs gab es neben dem Fahrradgeschäft noch einen Friseur. Quelle: Stadtarchiv

Je nach Bedarf kam der Tankwagen angetuckert, damit die Zapfsäule wieder Sprit hatte. „Wir hatten damals zwei 300 und 1500 Liter große Tanks“, erinnert sich Herbert Lehmann. Regelmäßig musste man mit einem Messstab aus Messing schauen, ob noch genug Benzin vorrätig war, damit das Geschäft nicht auf dem Trockenen saß. Die Kundschaft – Autos, Busse, Motorräder – kam aber in größeren Abständen, Drängeleien wie heute an den Tankstellen gab es damals noch nicht. „Damals fuhr ja nur ein Bruchteil von dem, was heute auf den Straßen unterwegs ist“, sagt Herbert Lehmann. Gezahlt wurde direkt nach dem Krieg nicht mit Geld, sondern mit Bezugsscheinen.

Das Hauptgeschäft war damals jedoch der Fahrradladen samt Fahrradwerkstatt, den Gustav Lehmann, gelernter Töpfer und Sohn des Besitzers der Veltener Ofenfabrik, betrieb. Vorne im Geschäft wurden Räder verkauft, in einem Gebäude auf dem Hof repariert. Nach der Schule schmiss Herbert Lehmann seinen Ranzen in die Ecke, um seinem Vater zur Hand zu gehen. „Als Junge hat mir das Reparieren der Räder großen Spaß gemacht“, erinnert sich der heute 82-Jährige. Er lernte Werkzeugmacher in den LEW, im Herbst 1958 zog er mit seiner Frau in eine eigene Wohnung. Weg vom Wohnhaus der Eltern, das neben dem Fahrradladen stand. „Dann konnte ich seltener helfen.“

In den 1970er-Jahren wurde das Fahrradgeschäft von der HO übernommen. Quelle: Stadtarchiv

Der Fahrradladen war beliebt bei den Hennigsdorfern, Lehmanns Vater hatte sich einen guten Ruf verdient. Sowohl als Fahrradverkäufer und -reparateur als auch als Tankwart. In den 1950er-Jahren wurde das Geschäft auch zur Vertragswerkstatt von Simson-Motorrädern, die hier verkauft und repariert werden. In den 1970er-Jahren wurde das Fahrradgeschäft dann von der HO übernommen. Gustav Lehmann starb 1983, seine Frau schon 1979. „In den 1980er-Jahren hat dann meine Schwester noch für kurze Zeit in dem Haus gewohnt“, erinnert sich Herbert Lehmann.

Er hat das Gelände, auf dem sein Elternhaus und das Geschäft stand, niemals aus den Augen verloren. Die alte Zapfsäule ist aber seit den 1970er-Jahren nicht mehr in Betrieb. Als die Minol-Tankstelle in der Berliner Straße eröffnet wurde, war sie überflüssig geworden und wurde mit Sand verfüllt. „Der Spritverbrauch hatte stark zugenommen, diese Mengen konnten wir nicht mehr beschaffen“, erinnert sich Herbert Lehmann.

Heute ist das Gelände neben der Alten Schmiede überwuchert. Quelle: Robert Roeske

In den 1990er-Jahren rollten die Bagger an, der Komplex wurde abgerissen. Für Herbert Lehmann war das eine schlimme Zeit. „Meine Geschwister und ich haben an dem Haus gehangen, das war unsere Heimat.“ Es gab Zeiten, da konnte Lehmann nicht mal mehr hinschauen, wenn er an dem Grundstück vorbeifuhr. Heute kann er das, er hat mit dem Abriss seinen Frieden gemacht. „Ich habe ja noch die schönen Erinnerungen“, sagt der Senior.

Von Marco Paetzel

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